Aulendorf - Am Montag 18. Mai entscheidet der Gemeinderat der Stadt Aulendorf über das Bauvorhaben der Adventure Golfanlage in der Nähe vom Tiergarten. Die Entscheidung wird für den Ein oder Anderen nicht einfach werden. Steht doch, wie so oft, der ökonomische Aspekt dem ökologischen gegenüber.

Das geplante Vorgehen bei der Änderung des Bebauungsplans wirft Fragen auf, die von den Gemeinderätinnen sehr genau geprüft werden müssen. Für uns und sicher auch für viele Bürgerinnen ist es nicht nachvollziehbar, warum die bisherigen „Schwarzbauten“ im Gebiet des Tiergartens mit in die Änderung des Bebauugsplans aufgenommen werden. Die bisher nicht genehmigten Bauten und Flächen wie Teile des „Mischwerks“ und Spielplätze sollen durch die Änderung im Nachhinein ohne Probleme genehmigt werden. Ein geschicktes Vorgehen für den Besitzer und Bauherren Herrn Harsch. Dadurch signalisiert die Stadt Aulendorf dem Bauherren erneut, dass er immer wieder Rückendeckung für sein Vorgehen bei „Schwarzbauten“ bekommt. Bei Kritik seines Vorgehens wird häufig aufgeführt, dass er dies zum Wohl der Allgemeinheit macht. Trotzdem hat es einen negativen Beigeschmack, dass ein Mann, der als Stadtrat über Aulendorfs Zukunft mitbestimmt sich nicht an Gesetze hält. Gesetze sind für alle da. Es lässt vermuten, dass ein wirtschaftlicher Eigennutz im Vordergrund steht.

Daneben muss auch die Frage nach den ökologischen Auswirkungen gestellt werden. Eine Adventure Golfanlage ist in der Regel mit einem Kunstrasen ausgelegt, auch wenn er mit dem Zusatz naturnah beworben wird. Kunstrasen ist nicht zuletzt wegen seiner Mikroplastik-Emissionen in der Kritik. Aktuell ist die Fläche von einer klimaaktiven Wiese bewachsen. Dadurch wird auf dieser Fläche CO2 gebunden, es findet eine gute Wasserspeicherung statt und es erfolgt durch die nächtliche Abkühlung ein Temperaturausgleich. Daneben gibt es eine Vielzahl an Pflanzen und Insekten, damit handelt es sich um ein Nahrungshabitat für Vögel. Es dient Amphibien als Wandergebiet und Sommerlebensräume.

Ein Kunstrasen ist ein extrem beeinflusster Lebensraum. Die natürliche Bepflanzung von Wildpflanzen wird durch Einsatz von Unkraut- und Moosvernichtungsmitteln entgegengewirkt. Dies wiederum hat Auswirkungen auf das Insektensterben. Die Folge ist eine Störung des ökologischen Gleichgewichts. Der Boden wird auf Jahre mit Giften belastet. Und dies auf einer Anlage, wo die Besucher*innen Erholung und Gesundheit suchen. Zudem wird ein Großteil der Besucher Kinder sein.

Bei der Flächenbebauung bleibt es nicht nur beim Kunstrasen. Daneben werden Flächen erneut mit Beton, Steine und Gebäuden im Areal des Tiergartens zugebaut und versiegelt. Wie aus den Unterlagen der Stadt Aulendorf zu der Gemeinderatssitzung am 18.05. zu entnehmen ist, werden am angrenzenden Wald Rodungen vorgenommen. Diese Bäume dienen Fledermäusen als Nahrungsrevier.

Die Aussagen der Planer zum erwartenden Verkehrsaufkommen (Spitzen mit 100 und mehr Fahrzeugen) sollte ebenfalls genau hinterfragt werden. Die Zufahrtswege zum Tiergarten sind schmale Straßen, die teilweise als offizielle Radwege ausgeschildert sind. Ein erhöhtes Verkehrsaufkommen vor allem an Sonn- und Feiertagen wird die Sicherheit der Fußgängerinnen und Radfahrerinnen weiter einschränken. Haben die Planer bedacht, dass möglicherweise auch Busse die Gäste zu solchen Anlagen bringen, z.B. Sommersporttag von Schulen. Die Planer der Anlage gehen davon aus, dass mindestens 40% der Gäste mit dem Fahrrad kommen. Bisher zeigt sich jedoch, dass an Sonn- und Feiertagen bereits jetzt schon ein stark erhöhtes Verkehrsaufkommen im Lehmgrubenweg und Waldseerstrasse besteht. Nur ein minimaler Teil besucht den Tiergarten mit dem Fahrrad. Vermutlich wird sich dies in naher Zukunft nicht ändern, da die Gäste weite Anfahrtswege haben.

Dass ein Unternehmer und eine Stadt weiterhin wirtschaftlich wachsen wollen ist nachvollziehbar. Doch sollte stets das Wohl und die Gesundheit der Bevölkerung langfristig im Vordergrund stehen. Aus diesem Grund ist der Schutz der Natur ein wichtiges Ziel für die Planung einer Stadtentwicklung. Dazu gehört eben auch Minimierung von Flächenverbrauch und Reduzierung von Verkehrsaufkommen mit KFZ. Dann ist ausreichend Erholungsraum für die Bürgerinnen und Touristinnen gewährleistet.

 

Elisabeth Heiß
Christine Vogt
(Vorsitzende Ortsverband BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Aulendorf)

 

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