Aulendorf - Die Landesregierung öffnet ab 22. Februar die Grundschulen und Grundstufen der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren wieder schrittweise für den Präsenzunterricht. Auch Kitas und Einrichtungen der Kindertagespflege sollen zu einem Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen zurückkehren. Kultusministerin Susanne Eisenmann forciert diesen Schritt im Interesse der Eltern und Schüler.

Auch seien Kinder keine Pandemietreiber, argumentiert sie. Mediziner wie Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin sehen es anders: Kitas und Schulen trügen in großem Maße zur Verbreitung des Virus bei. Um eine mögliche dritte Welle zu unterbinden, haben mehrere Länder, darunter Baden-Württemberg den Einsatz von Schnelltests angekündigt. Das Personal an Schulen, Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege hat die Möglichkeit, sich zweimal pro Woche anlasslos auf das Coronavirus testen zu lassen. Das Land übernimmt hierfür die Kosten.

Bei der Öffnung der Schulen sollen die Klassen zunächst geteilt und die Kinder in kleinen Gruppen betreut und unterrichtet werden. Es soll sich um feste Gruppen handeln, zwischen denen die Schüler nicht wechseln können. Die Klassen und Klassenstufen sollen nicht gleichzeitig im Schulgebäude anwesend sein. Ähnlich wie nach dem ersten Lockdown sollen in den Grundschulen jeweils zwei Klassenstufen in der Schule unterrichtet werden und zwei zu Hause bleiben. Der Präsenzunterricht soll jeweils mindestens 10 Unterrichtsstunden pro Woche umfassen, gerne aber auch mehr, wenn dies die Schule ermöglichen kann. Ergänzt wird der Präsenzunterricht durch Lernmaterialien für alle Klassenstufen im Fernlernen. Vorrang haben die Fächer Deutsch, Mathematik und Sachunterricht sowie in Klassenstufe 4 die Vorbereitung auf den Übergang auf die weiterführende Schule. Sportunterricht findet nicht statt.

Schülerinnen und Schüler, die in diesem Jahr ihre Abschlussprüfungen ablegen, werden von 22. Februar 2021 an ebenfalls im Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht unterrichtet. Die Schulen entscheiden dabei selbst über den Umgang des Präsenzangebots.

Als beispiellosen Schlingerkurs bezeichnete die GEW-Vorsitzende Monika Stein die lange Unsicherheit in der Schulpolitik, beginnend mit der Unsicherheit, ob die Weihnachtsferien vorgezogen werden. Nach einer Phase von Notbetreuung und Fernunterricht, soll nun mit Wechselunterricht ab Ende Februar in der Schule und mit geöffneten Kindertagesstätten getreu der Devise Schule und Kitas zuerst, geöffnet werden. Wieder ein Versuchsballon, abhängig von den Fallzahlen, die schon einmal die Schulöffnungen jäh stoppten.

Insbesondere in den Kitas kommen immer mehr Kinder in die Notbetreuung, Abstand und Schutz gleich Null. Gesundheitsschutz beklagt die GEW, scheint in den Überlegungen von Eisenmann kaum eine Rolle zu spielen. Es fehle an Schnelltests, Spielraum für individuelle Lösungen, wann welche Schüler *innen in die Schule kommen, an zusätzlichem Personal und Räumen, mehr Kapazität bei der Schülerbeförderung. Damit Beschäftigte in Kitas gut geschützt seien, brauchen auch sie als Voraussetzung für eine Öffnung und für die Notbetreuung FFP2-Masken, Luftfilteranlagen, vorgezogenen Impfanspruch und regelmäßige Tests, feste kleinere Gruppen mit gleichbleibendem Personal ohne Durchmischung und je nach Situation vor Ort eingeschränkte Öffnungszeiten. Unter dem Druck der öffentlichen Diskussion hat sich Baden-Württemberg entschlossen, Erzieherinnen und Lehrer mit der Öffnung beginnend zu impfen.

 

8 Uhr, am ersten Schultag strömen die Kinder wie gewohnt in die Schule der Grundschule in der Schulstraße von Aulendorf. Der Rektor der Schule Oliver Trzeciok hat sich gut vorbereitet, „organisatorisch unseres Bestes gegeben.“ Unterrichtet wird ausschließlich bei der Klassenlehrerin oder einer festen Vertretung, sodass die Kinder ihre gewohnte Bezugsperson haben, bei halbierten Klassen mit 11 bis 12 Schülerinnen und Schülern. Nur die Lehrer tragen Masken und auch die Eltern vertrauen in die Öffnung der Schule, denn obwohl keine Präsenzpflicht besteht, sind nur 8 von 385 Kindern von ihren Eltern abgemeldet worden, also ein Kind in jeder zweiten Klasse. Er selbst ist heute am ersten Tag noch nicht getestet, aber es sind zwei Gutscheine pro Lehrer und Woche von der Stadt angekündigt, die beim Hausarzt einzulösen sind. Über eine Impfung, wie gestern von Sozialminister Manne Lucha angekündigt, gibt es noch keine Informationen.

Der städtische Kindergarten Villa Wirbelwind läuft wieder im vollen Betrieb, wie die Erzieherin Daniela P. (Name geändert) zur Auskunft gab. Waren es im Notfallmodus der Wochen zuvor nur 5 bis 6 Kinder pro Gruppe, sind es jetzt wieder 20 pro Gruppe. Mit dem guten Wetter wollen sie verstärkt nach draußen gehen. Im Haus tragen die Erzieherinnen Masken und achten auf die Lüftung. Analog zur Schule gelten die Regelung bezüglich Tests.

 

Text und Bilder: Gerhard Maucher

 

IMGP6919 (2)

 

IMGP6920

 

Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben!

­