Aulendorf – In zwei voran gegangenen Sitzungen des Gemeinderates im März und Mai 2021 hatte dieser das Ingenieurbüro Schäffler Sinnogy aus Freiburg beauftragt, eine Potentialstudie und eine erste Machbarkeitsstudie für eine klimaneutrale Quartiersversorgung zu erstellen.

In der nun von Dr. Harald Schäffler vorgestellten Machbarkeitsstudie wurde die klimaneutrale Versorgung der Neubaugebiete „Buchwald“ und „Bildstock II“ mit zusammen etwa 705 kW Anschlussleistung untersucht. Zwei Varianten wurden verglichen: Versorgungsvariante 1 mit individueller Luft-Wasser-Wärmepumpe und PV, sowie Versorgungsvariante 2 mit gemeinschaftlichem kaltem Wärmenetz mit Erdwärmesonden, Sole-Wasser-Wärmepumpen und PV. Im Vorfeld wurde eine Pilotbohrung bis 150 m Tiefe und ein anschließender Thermal-Response- Test durchgeführt.

Dieser ergab einen positiven Entzugswert von 2,7, sodass die Erdsonden effizient betrieben werden können. In einer Tischvorlage hatte die Verwaltung einen Beschluss vorbereitet, der die Versorgungsvariante 2 mit kaltem Nahwärmenetz empfiehlt und das Büro Schäffler Sinnogy mit der Durchführung der Machbarkeitsstudie zweiter Teil beauftragt. Beide Varianten reduzieren gegenüber einer Lösung mit Erdgas die CO ² – Emissionen um 93 % (VV1) bzw. 97 % (VV2).

Der Vorteil von Variante 2 sei, so Schäffler, dass mit der zu Ende geführten Machbarkeitsstudie die Bundesförderung effiziente Wärmenetze BEW 40 % der Investitionskosten trägt, während die BEG-Fördersätze einer individuellen VV1 derzeit ausgesetzt sind. Bei den spezifischen Vollwärmekosten ist Variante 2 sowohl für das Mehrfamilienhaus wie auch für die Einfamilienhäuser (siehe Schaubilder) deutlich günstiger als Variante 1. In beiden Varianten kann die Erschließung des Baugebietes im Frühjahr 2023 starten.

Nach zweistündiger Beratung und Diskussion beantragte Ralf Michalski (FWV) eine Abstimmung über Variante 1, worauf Pierre Groll (BUS) einen Geschäftsordnungsantrag auf Sitzungsunterbrechung zur Beratung stellte. Nach 10-minütiger Beratung ergab die Abstimmung eine Stimmengleichheit von 9 zu 9, wobei Martin Waibel (BUS) entschuldigt fehlte. Damit war der Antrag abgelehnt. Hätten sich alle Gemeinderätinnen und - räte bei der Abstimmung über die Variante 2 exakt gegengleich verhalten, wäre die Pattsituation fortgesetzt worden.

Dem kam Oliver Jöchle (FWV) zuvor, der mit seiner Stimmenthaltung die Entscheidung für Variante 2 herbeiführte. Der mit 9 zu 8 Stimmen getroffene Beschluss sieht zudem für die Stromversorgung eine Festlegung auf PV vor. Das Büro Schäffler Sinnogy wird mit der Durchführung der Machbarkeitsstudie Teil 2 mit Entwurfsplanung, Ausschreibung und Vergabe beauftragt. Die Ausschreibung der Quartiersversorgung wird voraussichtlich nach der Sommerpause im Gemeinderat vorgestellt und dann zur Ausschreibung freigegeben.

Antrag der SPD und BUS-Fraktionen zur Förderung PV-Anlagen in AUT verwiesen. Während Karin Halder für die BUS-Fraktion darin einen Anreiz sieht, viele Dächer mit einer PV-Anlage zu versehen, glauben die FWV- Räte Jöchle und Michalski, dass damit kein zusätzliches Dach eine solche Anlage erhält und es zudem keine kommunale Pflichtaufgabe sei. Keine Pflichtaufgabe, so sieht es auch Konrad Zimmermann (CDU), während Rainer Marquart (SPD) die Möglichkeit einen Zuschuss geben zu können, betont. „Das Rad nicht neu erfinden“ und sich am Beispiel anderer Kreiskommunen orientieren, möchte der Bürgermeister Matthias Burth.

Der Antrag wird bei einer Gegenstimme in den nächsten Ausschuss für Umwelt und Technik zur weiteren Beratung verwiesen. Wie im Verwaltungsausschuss vom 18.05.2022 schon vorberaten, vereinnahmt die Stadt eine Zuweisung des Landes für touristische Corona-Ausfälle als zuwendungsberechtigter Kneippkurort in Höhe von 289.064,14 Euro.

Nach Abzug von Unterstützungen für den Kneippverein in Summe von 18.000 Euro und einem Einnahmeausfall bei der Kurtaxe von 29.871,65 Euro sollen die restlichen rund 240.000 Euro zweckgebunden für touristische Projekte wie die Sanierung/Neubau der Minigolfanlage oder der Umsetzung des Parkkonzeptes zusätzlich zur Verfügung stehen.

Die Entscheidung darüber fiel einstimmig.

 

Text und Bilder: Gerhard Maucher

 

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