Wolfegg - In seiner Juni Gemeinderatssitzung, die wegen der Coronaverordnung und dem zu erwartenden großen Publikumsinteresse im Alttanner Haus für Bürger und Gäste stattfand, hatte der Rat unter anderem auch über die Stellungnahme der Gemeinde zu der Ausweisung des gesamten Altdorfer Waldes als Landschaftsschutzgebiet zu entscheiden.

 

 

„Seit Monaten ist das Thema Landschaftsschutzgebiet Altdorfer Wald sowie die Online Petition des Vereines Natur- und Kulturlandschaft Altdorfer Wald e.V. (NKA)das beherrschende Thema in Wolfegg, “ sagte Bürgermeister Peter Müller bei der Einführung in diesen Tagesordnungspunkt bei der Sitzung des Wolfegger Gemeinderates. Er bedauerte, dass das Thema es nicht bereits auf die Tagesordnung der Mai-Gemeinderatsitzung geschafft hatte.

 

Alexander Knor erhielt als Sprecher des Vereines zunächst Gelegenheit, dem Rat das Projekt und die Ziele der Petition vorzustellen. Er verwies in seinen Ausführungen auf das Gutachten von Dr. Hermann Schad, der darin zu dem Schluss kommt, dass durch die geplanten Kiesabbaugebiete und den dadurch erfolgenden Eingriffe die Wasserabläufe im gesamten Gebiet des Altdorfer Waldes stören werde. Nachdem alle Anrainer Gemeinden vom NKA um Unterstützung gebeten worden waren, hatten Baienfurt, Baindt und Bergatreute die Forderung nach der Ausweisung eines Landschaftschutzgebietes für das gesamte Gebiet des Altdorfer Waldes unterstützt, einzig Wolpertswende hatte dies abgelehnt.

 

Knor wies in seinem Vortrag die Räte darauf hin, dass es bei der Petition auch darum gehe, dass die zuständigen Behörden wie Landratsamt, Regierungspräsidium und Land Baden-Württemberg als größtem Eigentümer der Flächen im Altdorfer Wald sich endlich bewegten bzw. äußerten. Aber: „Ein Nein (wie von der Verwaltung vorgeschlagen) wird immer ein Nein bleiben.“

 

Deutlich artikulierte Gemeinderat Gerold Heinzelmann seine Zustimmung bei seinem ersten Statement: Für ihn stehe nicht der geplante Kiesabbau im Vordergrund, wie bei vielen anderen in den letzten Monaten, sondern viel elementarer sei der Schutz des Wassers als Rohstoff des Lebens. „Die Gemeinde muss daher hinter der Petition stehen.“

 

Matthias Seftschik zeigte sich skeptischer: er wollte mit Blick auf die Wolfegger Ortsentwicklung (Baugebiete, Gewerbegebiete) wissen, wo die Grenzen des Gebietes verlaufen sollten. Ähnlich äußerten sich Marion Fischer, die sich vor einer Einschränkung der Forstwirtschaft fürchtete und Franz Füssinger. Bürgermeister Müller widersprach den Befürchtungen, denn die Gemeinde könne nur eine Stellungnahme abgeben, habe aber keinen Einfluss auf die Entscheidung. Dass er aber an den Rechtsstaat und seine Kontrollinstrumente glaubt, machte er bei den einwürfen von Gerold Heinzelmann und Alexander Knor deutlich, der sagte, „den Schichten fehlt dann der Schutz und die Filterfunktion und man weiß ja auch nicht was danach verfüllt wird.“ „Dies wird eindeutig durch den Wasserschutz geregelt.“ Er verbat sich an so exponierter Stelle wie im Gemeinderat Zweifel am Rechtsstaat, auch wenn er sagte: „Klar ist es nicht gut, wenn Kies abgebaut wird.“ Er bat aber die Gremiumsmitglieder auch, sich bei ihren Ausführungen auf das Wolfegger Gemeindegebiet zu beschränken und wenn andere Gemeinden wie Waldsee und Aulendorf andere Meinungen verträten, diese zu respektieren. Günter Eisele sagte offen er werde die Petition unterstützen und gab als Beweggrund an, dass durch den Kiesabbau bei Grund auch zusätzlich für den Straßenbau Wald gerodet werden müsse.

 

„Ich hoffe, dass der Wald erhalten bleiben kann.“ Wie wichtig der Wald auch als Erholungsort sei, habe sich ja gerade in den letzten Monaten gezeigt. Heftige Kritik äußerte Karl Wenzel: Die Ausführungen der Verwaltung hätten impliziert, dass „wir viele Erden haben“ und die Rohstoffe unendlich seien. Entgegen den wirtschaftlichen Interessen hätten für die Entscheider die berechtigten Interessen der Bevölkerung an erster Stelle zu stehen.

 

Für Ludwig Speidler klinge die Argumentation des Bürgermeisters plötzlich völlig anders als noch vor einiger Zeit. Jetzt erscheine es so, als ob die Kiesreserven noch groß genug seien, deren Endlichkeit noch vor kurzem als Druckmittel galt. Eine typisch oberschwäbische Eigenschaft sei auch, dass jeder sein Ding mache aber selten etwas gemeinsam entschieden werden. „Wir verbauen uns doch dadurch gar nichts.“

 

Gerold Heinzelmann ging noch einmal auf das Argument von Knor ein: „Je mehr Gemeinden sich für die Petition einsetzen, umso stärker wächst der Druck auf die Entscheidungsgremien wie Regionalverband oder das Land. So viele Menschen können sich nicht irren.“ Für Werner Quandt sagte: „Wir wissen nicht, wie weit das Landschaftsschutzgebiet geht.“ Ohne das zu wissen, könne er nicht entscheiden. Erst müsse geklärt sein, wie es sich auf die Ausweisung von Gewerbe- und Baugebiete auswirke.

 

Marion Fischer vermisste bei den Plänen zu den Kiesabbaugebieten einen Wegeplan, denn der Verkehr werde damit sicher zunehmen. Bürgermeister und Verwaltung sollten erst mit dem Landratsamt klären, wie der Verkehr laufen werde, ehe sie entscheiden könne. Sie beharrte darauf, Eckdaten zu erhalten, ehe sie entscheide.

 

 

Alexander Knor erklärte, es gehe hier ja um eine Absichtserklärung. Das Landratsamt eiere seit vier Jahren herum. „Auf unseren Antrag hin Müssen sie sich bewegen. Das ist Gesetz!“ Dem schloss sich Franz Füssinger an, der meinte man müsse etwas machen, damit etwas geschehe. Er verglich die Situation mit der Ausweisung eines Baugebietes, wo zunächst auch nichts feststehe, aber das Verfahren zum Laufen komme, wenn es jemand in die Hand nehme.

 

Für Günter Eisele ist eine politische Einflussnahme nur auf dem Weg möglich, jetzt zu entscheiden und damit etwas auf den Weg zu bringen. Die von Fischer und auch vom Bürgermeister angemahnten Daten bekäme der Gemeinderat nur auf diesem Weg.

 

Ludwig Speidler stellte den weitestgehenden Antrag so dass der Gemeinderat darüber zuerst entscheiden musste. Seinem Antrag, Punkt 2 im Beschlussvorschlag der Verwaltung zu streichen, in welchem die nicht abschätzbaren Auswirkungen eines Landschaftsschutzgebietes des gesamten Altdorfer Waldes dargestellt wurden. Dem stimmten Acht Räte zu, fünf waren dagegen. Somit erhält die Petition des Vereins Natur- und Kulturlandsschaft Altdorfer Wald auch die Unterstützung der Gemeinde Wolfegg.

 

Bericht und Bilder Uli Gresser

 

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