Bad Wurzach - Nachdem die Reiterprozession in den Jahren zuvor einmal gar nicht oder auf neuen Wegen ohne Zuschauer stattfinden mußte, konnte die Reiterprozession in diesem Jahr wieder in der seit fast 90 Jahre gewohnten Form und Größe stattfinden.

Nachdem der letzte Glockenschlag des Sieben-Uhr Läutens der St. Verena-Glocken verklungen war, setzte sich der Heilig-Blut-Wagen mit dem jüngst zum Priester geweihten Philipp Sauter und Vikar Manuel Hammer, denen in diesem Jahr die Ehre zuteil wurde, die Reliquienmonstranz durch die Fluhren zu begleiten, mit der Stadtkapelle voran in Bewegung. Der erste Weg führte Wagen und Reliquie die wenigen Meter bis zum Segnungsaltar beim Schloss, wo der Primiziant die Reliquie an Wolfgang Öxler OSB , den Erzabt von St. Ottilien übergab.

Die Reliquie, die Papst Innocent XII 1693 dem Rompilger Martin Denzer aus der Nähe von Obergünzburg überlassen hatte, brachten Paulanerbrüder 1764 auf den Gottesberg. Seit gut 250 Jahren wurde und wird sie dort verehrt, die Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts führte zu einer Unterbrechung der Wallfahrten. Mit dem Einzug der Salvatorianer 1924 auf dem Gottesberg, wurde die Verehrung des „Heilig-Blutes“ wiederaufgenommen und der Gottesberg zu einem der bekanntesten Wallfahrtsorte in Oberschwaben. Wenige Jahre später – 1928 – wurde von ihnen gemeinsam mit den Stadtoberen die das erste Heiligblutfest in Bad Wurzach gefeiert.

Da in diesem Jahr die erste Abteilung der Prozession von der Herren- bzw Ravensburgerstraße her den Segen durch den Erzabt empfing, war der Altar wieder auf dem kleinen Podest und nicht wie sonst zwischen den Wachhäuschen vor der prächtigen Schlosskulisse aufgebaut.

Vorbei an der Ehrentribüne, die in diesem Jahr u.a. mit dem Präsidenten des Landesblasmusikverbandes Guido Wolf (MdL), Landrat Sievers, zahlreichen Bürgermeistern, Unternehmern und Bankern, der Bad Wurzacher Verwaltungsspitze sowie vielen Gemeinderäten, Ortsvorstehern und wie jedes Jahr üppig besetzt war. Auch der Bürgermeister der französischen Partnerstadt Frederic Burghard gab sich die Ehre.

Ihnen gegenüber hatten die Veteranen auf ihrer eigenen Tribüne Platz genommen, und so mancher ehemaliger Bluttreiter wird dabei angesichts des Defilee´s der Reitergruppen mit Wehmut an seine aktive Zeit zurückgedacht haben.

Nachdem der Heiligblutwagen etwa in der Mitte der Prozession mit den beiden Nachwuchspriestern wieder die Reliquie übernommen hatte, segnete der Primiziant zunächst im Stehen die zahlreichen Gläubigen und Ehrengäste, die in der Stadt noch viele Meter weit die Straße säumten, ehe der vierspännige Landauer beim Wohnheim St. Hedwig in Richtung der Fluren abbog.

Rund acht Kilometer lang ist die Strecke, beim Josenhof, in Truschwende und am Reinstein waren weitere wunderbar geschmückte Altäre aufgebaut, wo jeweils viele Gläubige den Primiziantensegen empfingen. Nach der Rückkehr über das „Pappelkreuz“ , das vom Gottesberg aus mit der sich die kurvige Straße herabschlängelnden Reiterprozession einen beeindruckenden Anblick bot, übernahm Erzabt Öxler wieder die Reliquie, um auf dem Podest an der Straße der zweiten Abteilung der insgesamt 65 Blutreitergruppen und 26 Musikkapellen – einheimischen Musikkapellen durften sogar häufiger ran – den Segen zu spenden.

 

Bericht und Bilder Ulrich Gresser

 

 

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