Ravensburg – Ein Wort und zwei Plätze unterscheidet die beiden Kundgebungen am Samstagnachmittag in Ravensburg. Während „Nicht mit uns“ zum ersten Mal am Rivoliplatz in der Oberstadt vor 50 Teilnehmern sprachen, waren es neben der Oberschwabenhalle rund 500 Teilnehmer der „Nicht mit uns“ Bewegung, die bereits zum dritten Mal am Samstag in Ravensburg auftrat.

Beide führten das Grundgesetz für ihre Bewegung ins Felde, nur in welchem Zusammenhang. Während am Rivoliplatz die Themen Faschismus, Flüchtlinge retten, Feminismus und systemrelevante Berufe eine Rolle spielten, waren es an der Oberschwabenhalle Menschen, die aus den verschiedensten Gründen sich in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt sahen und in letzter Konsequenz das Grundgesetz wenn nicht außer Kraft setzen, so mindestens reformieren wollen. Gefragt ob sie sich eingeschränkt fühle, sagte die Organisatorin von „Nicht mit uns“, nein, denn die Freiheit des Einzeln in Artikel 2 berücksichtige ja auch, dass sie dabei die Freiheit und die Rechte eines anderen nicht verletze.

Schon deshalb tragen die Teilnehmer wie selbstverständlich Mundschutz und achten auf den Abstand. Der Hygiene wegen ist das Mikrophon mit Folie geschützt und nach jedem Redner oder Rednerin wird die Folie ausgetauscht und das Mikrophon desinfiziert. Ein ganz anderes Bild an der Oberschwabenhalle. Nur die Polizisten tragen Mundschutz, die Teilnehmer stehen so eng beisammen, dass die Veranstalterin darauf aufmerksam machen muss, weil sonst die Veranstaltung gefährdet wäre und abgebrochen werden könnte.

Die Redner und die Teilnehmer beklagen mit ihren Transparenten Corona – Hysterie, die angeblich von Gates gesteuert sei. Andere sehen in „Corona eine Gottesstrafe“ oder sagen „Nein zum Impfzwang“. Gemeinsam wird das Lied „Die Gedanken sind frei“ neu getextet gesungen, denn Singen sei gut für die Abwehrkräfte von Viren. Der Redner Jürgen Knoll, Geschäftsführer eines Maschinenbau-Unternehmens in Bad Saulgau, trägt seine Petition an die Landesregierung, die er nicht beantwortet sieht, vor. Frau Dr. med Silke Siethoff, Allgemeinärztin aus Friedrichshafen verweist auf die geringen Risiken von Corona bei 1 bis 5 Neuinfektionen pro 100000 Einwohner.

Tatsächlich sind es aber am Beispiel Aulendorf 1 pro 10000 Einwohner in einer Woche. Die Kundgebung an der Oberschwabenhalle steht in einer Reihe von 200 Kundgebungen bundesweit und wird von der AfD beworben, so die Facebook-Seite von Doreen Schneider AfD Kreisverband Donnersberg. Andrerseits ist auch ein einzelnes Schild zu sehen: „Wir sind nicht rechts“. Diese Aussage hätte aber besser zum Rivoliplatz gepasst, denn deren Organisatoren verstehen sich als Gegenkundgebung zur Veranstaltung an der Oberschwaqbenhalle schon dadurch, dass sie einen Beitrag von „Allgäu gegen rechts“ zu Wort kommen lassen.

Für die systemrelevanten Berufe spricht ein Mitarbeiter der „Stiftung Liebenau“ im Namen seiner Bewohner“, die ohne Kontakt vereinsamen und in eigenem Interesse für eine größere, auch finanzielle Unterstützung seines Berufsstandes. Die feministische Seite des Problems beleuchtet eine Rednerin mit der Feststellung, dass die Bewältigung der Coronakrise auf dem Rücken der Frauen ausgetragen wird und selbst wenn der Mann in der Familie mit Kindern solidarisch sei, sei es, wenn die Frauen weniger verdienen, klar, wer zurückstecken muss.

Andere Begleiterscheinungen der Kontaktsperren sind häusliche Gewalt und Femiziden oder Frauenmorde, so die Rednerin. Die Veranstaltung endet mit einem Gedicht und einer spontanen Rede eines Teilnehmers, der vor allem die Öffnung der Grenzen vermisst.

 

Text und Bilder: Gerhard Maucher

 

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