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Leuchttrum DBZ2In den 80er und 90er Jahren schuf Regisseur David Lynch eine Reihe von heute fast kultisch verehrten Filmen, die sich irgendwo zwischen Surrealismus, Gesellschafskritik und schleichendem Horror in der Tradition des Autors H.P. Lovecraft einpendelten. Sein Erstlingswerk „Eraserhead“ drehte er dabei noch in schwarz/weiß. Mit „Der Leuchtturm“ scheint der junge Regisseur und Drehbuchautor Robert Eggers auf den Spuren des Meisterregisseurs zu wandern. Als Lohn winkte eine Oscar-Nominierung sowie der Gewinn der Goldenen Palme in Cannes. 

 

Szene Leuchtturm NeuWillem Dafoe und Robert Pattinson glänzen in diesem Zwei-Personen-Film, dessen Atmosphäre unter die Haut geht. 

Die Geschichte spielt an der Küste von Maine in den 1890er Jahren. Der junge Holzfäller Ephraim Winslow (Robert Pattinson) heuert für einen Monat als Gehilfe des knurrigen Leuchtturmwärters Thomas Wake (Willem Dafoe) an. Ephraim, der schon öfter mit dem Gesetz in Konflikt geriet, will die Stelle als neue Chance nutzen und dabei gutes Geld verdienen. Doch schon zu Beginn macht sein Vorgesetzter ihm das Leben schwer, zudem scheint er Geheimnisse zu haben und lässt seinen jungen Kollegen nicht das Leuchtsignal an der Spitze des Turms bedienen. Die Tage vergehen und mehr und mehr kommt es zwischen den beiden ungleichen Wärtern zu Spannungen. Als dann die erwartete Ablöse ausbleibt, spitzt sich die Lage zu. Nach Wochen, vielleicht sogar Monaten in der Isolation verfallen sowohl Ephraim als auch Thomas mehr und mehr dem Wahnsinn.

Bei der Inszenierung seiner Geschichte geht Robert Eggers, der zuvor mit dem in historischen Setting spielenden Horrorfilm „The Witch“ Aufmerksamkeit auf sich zog, keine Kompromisse ein. Nicht digital, sondern auf Film, schwarz/weiß und im Format 4:3, mit dicken schwarzen Rändern an den Seiten, setzt der Regisseur seine verstörende Geschichte in Szene. Allein das Bildformat sorgt beim Betrachter für ein klaustrophobisches Gefühl. Damit kreiert Eggers eine ganz besondere Stimmung, und man hat tatsächlich oft den Eindruck einen Film aus einer anderen Epoche zu sehen. Auf Musik verzichtet er völlig, dafür unterstreichen die Soundeffekte, die ständigen tiefen Geräusche des Turms, die unheilvolle Atmosphäre. Das Tempo des Films ist insgesamt eher ruhig, der Wahnsinn kommt schleichend aber unaufhaltsam, so dass man auch selbst bald nicht mehr genau einschätzen kann, was nun tatsächlich Realität oder doch nur Hirngespinst ist. Herausragend sind aber vor allem die beiden Schauspieler. Willem Dafoe zählt zweifellos zu einem der Meister seines Fachs, der in seiner langen Karriere nie vor schwierigen und komplexen Rollen zurückgeschreckt ist. All diese Routine spielt er in „Der Leuchtturm“ voll aus. Dafoe wirft sich in diese Rolle und kostet sie, sichtlich mit Genuss, in vollen Zügen aus, ermöglicht sie ihm doch, die gesamte Bandbreite seines Können abzurufen. Auf der anderen Seite steht der oft geschmähte Robert Pattinson. Der junge Engländer gelangte mit der Vampir-Saga „Twilight“ zu Weltruhm, allerdings zeichnete sich die Teenie-Schmonzette nicht unbedingt durch schauspielerische Glanztaten aus. Jedoch nutzte Pattinson die Zeit nach Twilight um in kleineren, aber darstellerisch anspruchsvollen Filmen von renommierten Regisseuren wie Werner Herzog oder David Cronenberg mitzuwirken. Das zahlt sich jetzt voll aus. Uneitel mit Schnauzbart und tiefen Augenringen zeigt Pattinson hier, was in ihm steckt und fast möchte man sagen, dass er seinem erfahrenen Kollegen in kaum etwas nachsteht. Pattinson und Dafoe sind bis auf flüchtige, textlose Nebenrollen auch die einzigen Darsteller des Films, der sich somit voll auf seine Protagonisten sowie das bedrohliche Setting konzentriert. „Der Leuchttrum“ ist sicher kein Film für jedermann. Liebhabern des Blockbusterkinos wird es an Tempo und Effekten fehlen, eingefleischten Horrorfans wird es zu wenig ans Eingemachte gehen und Drama-Freunden wird es an großen Gefühlen mangeln. Aber gerade das macht auch den besonderen Charme des Films aus. „Der Leuchtturm“ ist anders, ein Film der sich absichtlich quer stellt, der aber auch unter die Haut geht und den man vor allem, wenn man sich darauf einlässt, so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommen wird.

Erscheinungsdatum auf DVD und Blu Ray: 9. April 2020
Laufzeit: 105 Min. / FSK: 16

Autor: Alexander Koschny

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