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Rund 30 Jahre nach seinem Oscar-Sieg für die Darstellung des Hannibal Lector gilt Anthony Hopkins wieder als heisser Anwärter auf den Oscar. In „The Father“, einem britischen Drama über einen dementen Vater, der sich als umtriebiger 80jähriger weigert häusliche Pflege anzunehmen. Ab 22. April ist das Kammerspiel in Deutschland zu sehen.

 Mit 80 Jahren lebt Anthony (Anthony Hopkins) weiterhin in seiner großen Wohnung in London. Seine Tochter Anne (Olivia Colman) zieht zu ihm, um sich fortan um ihn zu kümmern. Ihr Vater Anthony leidet an Demenz. Während sie nach und nach die Geduld mit ihrem sturen Vater verliert, der häusliche Hilfe gänzlich ablehnt, durchlebt der alte Mann die Momente der Krankheit ohne zu wissen, wann sich seine Wahrnehmung ändert. Mal befinden sich seine Schätze woanders, mal läuft eine wildfremde Frau (Olivia Williams) in seine Wohnung, die behauptet seine Tochter zu sein. Als Anne die junge Pflegerin Laura (Imogen Poots) engagiert, zeigt sich Anthony als jener Charmeur und verspielte Mann, den Anne aus ihrer Jugend kannte. Doch wenn die Krankheit ihre dunklen Seiten zeigt, ist sie die erste, die in der Schusslinie steht. Während die Wahrnehmung von Anthony weiter abdriftet, müssen sich Anne und ihr Partner Paul (Rufus Sewell) die Frage stellen, wie lang sie noch in der Wohnung verweilen können.
Für Anthony ist das Leben zu einem Ort immer desorientierter Verwirrung geworden, und in meisterhafter Manier erzählt Regisseur Florian Zeller die Geschichte aus seinen Augen, während sich Figuren und Schauplätze verändern und wir so durcheinander werden wie er. Was wie ein Filmdrama beginnt, lässt Anthony so zur Figur in einem Trippy-Thriller werden, der von einer realen Tragödie erzählt. Der Zuschauer fragt sich ständig, wenn Änderungen in seiner Wohnung vorgenommen werden, so wenn diese von einem auf den anderen Moment neu möbliert ist, was die wahre Wahrheit sein könnte.
Selten hat ein Film die Schwere der Demenzkrankheit in derart schonungsloser Weise gezeigt, wie es „The Father“ tut. Basierend auf seinem eigenen Theaterstück „The Father“ schildert der französische Regisseur in seinem Debütfilm die Krankheit konsequent aus der Sicht desjenigen, der an der Krankheit leidet. So wird ein akkurates Bild gezeichnet, das auch Angehörigen von Demenzkranken zeigt, wie schockierend schon kleinste Änderungen im Alltag ihrer Liebsten sein können.
In der Hauptrolle brilliert Anthony Hopkins einmal mehr und liefert hier die beste Leistung seiner an Höhepunkten nicht armen Karriere ab. Bereits zur Weltpremiere beim Sundance Filmfestival vor mehreren Monaten wurden die ersten Rufe nach einem Oscar für den 82-jährigen Darsteller laut. Mit Olivia Colman wurde ihm eine ebenbürtige Schauspielerin in der Rolle der verzweifelten Tochter zur Seite gestellt. Die Oscar-Preisträgerin brilliert ebenfalls in diesem furios montieren Kammerspiel das als Familiendrama beginnt und als beklemmender Thriller endet.

 

Autor: Christian Oita

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