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Biberach - Die vermutlich außergewöhnlichsten Filmfestspiele seit 40 Jahren sind Geschichte. Georg Kliebhan ist seit Jahrzehnten als Fotograf immer hautnah dabei, wenn in Biberach sich Stars und Publikum zum Festival treffen. BLIX sprach mit dem Zeitzeugen über das Festival, bei dem Masken eine Hauptrolle spielten.

 

Herr Kliebhan, als langjähriger Fotograf bei den Filmfestspielen sind Sie Stars und Publikum hautnah gewohnt. Wie haben Sie die diesjährigen Filmfestspiele, die ganz im Zeichen von Corona stattfanden, erlebt? 

Natürlich gestalteten sich die Filmfestspiele nicht so wie gewohnt. Das Foyer im Traumpalast war meistens - der Situation geschuldet - menschenleer. Auch die Kinosäle waren gemäß der Abstandsregeln spärlich besetzt. Überall standen Desinfektionsspender und ohne Maske ging gar nichts. Es wurde penibel vom Kinopersonal darauf geachtet, dass sich keine Grüppchen bildeten und nach dem Snack, mussten die Masken sofort wieder angezogen werden.

 

Die Biberacher Filmfestspiele leben als Publikumsfestival von der Interaktion zwischen Filmschaffenden und Publikum. Kam diese Interaktion trotz Corona-Regeln zustande? 

Also das muss man dem Biberacher Publikum lassen, die Fragen im Kinosaal nach den Vorführungen wurden wie immer gestellt. Da auch viele Regisseure nicht anwesend waren, wurden sie über Skype auf die große Leinwand ins Kino geschaltet. Das klappte hervorragend und es entwickelte sich so manch interessante Diskussion. Der persönliche Kontakt zu ihren Stars fehlte den Fans dennoch.

 

Prominente sind bei jedem Festival besonders gefragt, insbesondere von den Fotografen. Waren Sie mit der Promidichte zufrieden? 

Es waren natürlich deutlich weniger Prominente anwesend als in den Vorjahren, darunter auch einige neue Gesichter. Viel Aufmerksamkeit bekam König Céphas, dessen Lebensgeschichte von Agnes Lisa Wegner verfilmt wurde. Traditionell bunt gekleidet in seiner ghanaischen Tracht, dazu goldbehangen, stellte er sich im Foyer den Fotografen. Auf meine Frage, ob das Gold echt sei, lachte er und meinte: „Nein, natürlich nicht.“ Es ist also nicht alles Gold, was glänzt! Wir kamen ins Gespräch und er erzählte mir, dass er gerade dabei sei, seinen Kfz-Betrieb in Ludwigshafen zu übergeben. „Es ist schwieriger einen Nachfolger für meinen Kfz-Betrieb zu finden, als König in Ghana zu werden“, gab er lachend zu. Gerne ließ er sich mit einigen Fans fotografieren und signierte seine Bücher. 

 

Wer war Ihr Highlight? 

Mein Highlight war es, Dieter Kosslick kennen zu lernen, der in der Hauptjury saß. Er leitete von 2001 bis 2019 die Berlinale in Berlin. Wir kamen ins Gespräch, leider wurden wir unterbrochen, Kosslicks Handy klingelte. Nach dem Telefonat fragte ich ihn, ob er auch die Handynummer der legendären Catherine Deneuve hätte - ich verehre diese französische Schauspielerin seit meiner Jugend. Er lachte und meinte: „Nein, die hab‘ ich leider nicht, aber ich kann dir die Nummer von George Clooney geben, den hab‘ ich unter Georg abgespeichert.“ 

 

Wie arrangierten Sie Fotos ohne Masken?

Das war kein Problem, die Fotos waren recht schnell im Kasten. Die Filmschaffenden waren frisch getestet, dadurch verringerte sich das Risiko. Ich fotografierte nur Gruppen, die filmspezifisch zusammengehörten und gemeinsam angereist waren.

 

Am Ende gab es Gewinner. Wie lautet Ihr persönliches Fazit?

Den Film „Und morgen die ganze Welt“ hätte ich gerne gesehen. Die Regisseurin Julia von Heinz erschien nach Filmende etwas verspätet, jedoch freudestrahlend. „Gerade als ich in den Kinosaal wollte, bekam ich den Anruf, dass mein Film als deutscher Beitrag für die Oscars nominiert wurde“, sagte sie überglücklich. Das Publikum applaudierte frenetisch und befasste sich in einer anschließenden Diskussion umso intensiver mit dem Thema „Antifa“.

 

Autor: Roland Reck

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