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LeMans DBZAutomobilrennsport wird heute von Technik dominiert. In der Formel 1 registrieren hunderte Sensoren jedes Zehntel Grad an Temperaturveränderung, jede noch so kleine Erschütterung, jedes Tippen auf das Bremspedal. Für die Fahrer gilt der Sport trotz halsbrecherischer Geschwindigkeiten heute als relativ sicher. Ganz anders war das freilich noch in den 60er Jahren, wo jeder Fehler tödliche Folgen haben konnte. Als eines er härtesten Rennen der Welt galten hier die 24 Stunden von Le Mans. Lange Zeit wurde das überaus prestigereiche Rennen von Ferrari dominiert, ehe Ford nach der Krone griff. „Le Mans 66“ erzählt unterhaltsam die Geschichte dieser Sternstunde des Motorsports.

 

Szene Le Mans NeuChristian Bale (links) und Matt Damon verkörpern authentisch die beiden Rennsport-Legenden Ken Miles und Caroll Shelby.

Der ehemalige Rennsportchampion Carroll Shelby (Matt Damon) musste seine Karriere wegen einer Herzkrankheit an den Nagel hängen, seither verdingt er sich erfolgreich als Renningenieur. Sein Freund Ken Miles (Christian Bale) ist zwar schon 45, aber noch immer ein begnadeter Rennfahrer, dem aber bislang aufgrund seines schwierigen Charakters die große Karriere versagt blieb. Derweil übernimmt Henry Ford II (Tracy Letts) zu Beginn der 60er Jahre das Familiengeschäft seines Großvaters. Allerdings leidet Ford zu dieser Zeit unter dem biederen Image eines angestaubten Fließbandfabrikanten. Das Ziel ist klar, Ford soll wieder aufregender werden und eine junge Generation ansprechen. Dem jungen Angestellten Lee Iacocca (Jon Bernthal) kommt daraufhin die Idee, in Le Mans an der Start zu gehen um mit einem Sieg das Image des amerikanischen Konzerns aufzupolieren. Dazu will er Carroll Shelby mit ins Boot holen, dieser besteht auf Ken Miles als Fahrer und schon bald legen sich die beiden mit der Führungsetage des Autobauers an.

1966 schrieb Ford Rennsportgeschichte. Der erste dreifache Sieg in Le Mans ist auch heute noch so legendär wie die Geschichte dahinter. Es ist eine Geschichte von Gewinnern und Verlierern, von Visionen und Intrigen und in der Mitte befindet sich ein Mann, der einfach nur Rennen fahren will. So fokussiert sich der Film auch recht stark auf den tragischen Helden Ken Miles, er ist der ideale Underdog der der Geschichte eine starke, persönliche Komponente verleiht. Christian Bale spielt diesen Eigenbrödler herrlich schräg und gleichzeitig sympathisch mit einer ordentlichen Prise Humor, aber auch mit dem nötigen Ernst um seinen Charakter Tiefe zu verleihen. Mit seinem Partner Matt Damon, der seiner Rolle dem von ihm gewohnten Charme verleiht, harmoniert er dabei bestens. Und das ist wichtig, denn eine Geschichte wie diese braucht interessante und gut geschriebene Figuren die dem bekannten historischen Ereignis eine Seele verleihen. Genau das gelingt Regisseur James Mangold, der sowohl im Action-Genre (Logan) als auch im Drama (Walk The Line) zuhause ist, bestens. Es sind die Protagonisten und ihre Geschichte die es schaffen, den Zuschauer über zweieinhalb Stunden zu fesseln und bestens bei Laune zu halten. Tatsächlich werden die Rennszenen bis zum großen Finale eher dezent in die Handlung eingebunden. Aber auch hier zeigt der routinierte Regisseur sein Können. Mit sattem Motorensound, der in den Boxen dröhnt, und dynamischer Kameraführung bekommt man als Zuschauer schnell ein Gefühl für die atemberaubenden Geschwindigkeiten, aber auch für die Gefahr, die mit jedem Rennen einher geht. Historisch bleibt der Film dabei weitgehend akkurat. Technik, Kleidung und Setting geben die Epoche, in der der Film spielt, glaubhaft wider. Inhaltlich hat man sich hingegen einige Freiheiten genommen. So lehnt Ken Miles im Film ein Angebot für Porsche zu fahren aufgrund seiner Vergangenheit als Soldat im zweiten Weltkrieg ab, in der Realität stand Miles aber tatsächlich für einige Rennen bei Porsche unter Vertrag. Ebenso muss Ford-Manager Leo Beebe (Josh Lucas) als intriganter Antagonist herhalten, während Miles und Shelby in Wahrheit durchaus mit seinem Vorschlag, alle drei an Le Mans teilnehmenden Fahrzeuge gemeinsam über die Ziellinie fahren zu lassen, einverstanden waren. Jedoch, solche Entscheidungen tun dem dramatischen Aspekt eines Films gut und ein guter Antagonist ist hier wie das Salz in der Suppe. Und so ist „Le Mans 66“ unterm Strich ein temporeiches, fesselndes und gerade zum Finale hin zu Herz gehendes Drama, durchaus auch für diejenigen, die sich nur am Rande für Rennsport interessieren.

Erscheinungsdatum auf DVD und Blu Ray: 2. April 2020
Laufzeit: 147 Min. / FSK: 6

Autor: Alexander Koschny

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