BLIX Banner1

Parasite DBZMit Parasite schrieb der südkoreanische Regisseur Bong Joon-ho Geschichte. Als erster fremdsprachiger Film wurde sein Werk mit dem Oscar für den den besten Film geehrt. Zudem konnte er den Golden Globe, die Goldene Palme von Cannes sowie zahlreiche weitere Auszeichnungen gewinnen. Dabei ist „Parasite“ allerdings kein verkopftes Kunstkino, wie viele jetzt vielleicht befürchten mögen, sondern eine mit viel Tempo, Witz und Dramatik gespickte Gesellschaftsatire über die gegensätzlichen Seiten des Kapitalismus.

 

Szene Parasite DBZDie Geschwister Ki-jeong und Ki-woo planen die Infiltration der wohlhabenden Familie Park.

Die vierköpfige Familie Kim gehört zur südkoreanischen Unterschicht. In beengten Wohnverhältnissen halten sie sich mit Gelegenheitsjobs wie dem Falten von Pizza-Kartons über Wasser. Da macht eines Tages ein Freund der Familie dem jüngsten Sohn Ki-woo (Woo-sik Choi) das Angebot, als Nachhilfelehrer in Englisch für die Tochter der schwerreichen Familie Park zu arbeiten. Mit gefälschten Zeugnissen ergattert Ki-woo den Job und schon bald entwickelt die notleidende Familie einen perfiden Plan: Alle Angestellten des Hauses sollen nach und nach durch andere Mitglieder der Familie ersetzt werden, notfalls mit drastischen Mitteln. So wird Vater Ki-taek (Kang-ho Song) bald zum Chauffeur, Mutter (Hyae Jin Chang) zur Haushälterin und Schwester Ki-jeong (So-dam Park) zur Kunstlehrerin des jüngsten Sprosses der Parks. Immer mehr nisten sich die Kims in die Welt der Schönen und Reichen ein, doch als der Schwindel droht aufzufliegen, überschlagen sich die Ereignisse hin zu einem dramatischen Showdown. 

Regisseur Joon-ho Bong gehört zu einem der größten Regie-Talente Südkoreas. Mit Filmen wie dem Thriller „Memories Of Murder“ oder dem Monsterspektakel „The Host“ brach er in seiner Heimat sämtliche Kassenrekorde, ehe er auch im Westen mit dem Endzeit-Actionfilm „Snowpiercer“ und der Netflix Produktion „Okja“ auf sich aufmerksam machte. Mit „Parasite“ folgte schließlich der große, internationale Durchbruch, denn zum ersten Mal in der Geschichte wurde einer ausländischen Produktion der Oscar für den besten Film verliehen.
Diese Auszeichnung erhielt „Parasite“ dann auch vollkommen zurecht. Joon-ho Bong gelingt es hier meisterlich klassisches Autorenkino und Genrefilm zu paaren, heraus kommt dabei eine Geschichte voller beißender, zynischer Sozialkritik, die unverblümt beide Seiten des Kapitalismus zeigt. Da ist zum einen die zerlumpte Familie Kim, die in einer Kellerwohnung haust und täglich auf engstem Raum ums Überleben kämpft. Den „Gestank von Armut“, der im Film häufig thematisiert wird, werden diese Menschen einfach nicht los. Ganz im Gegensatz zu den Parks, die in einem Prachtbau leben, sich bedienen lassen und sich tagein tagaus mit ihren profanen Problemchen beschäftigen. Schließlich versuchen die Parasiten, die Kims, irgendwann ihre Wirte, die Parks zu verschlingen, denn die Parks sind den wohlhabenden Kims, die Abseits der tatsächlichen Realität zu leben scheinen, im Endeffekt in vielen Dingen überlegen. So ist es anfangs ein herrlicher Spaß zu sehen, wie die in ihrer Bequemlichkeit unvorsichtig gewordenen Parks von den einfachen Leuten nach allen Regeln der Kunst ausgetrickst werden. Dabei inszeniert Joon-ho Bong seine Geschichte, wie von ihm gewohnt, mit viel Tempo und Witz, allerdings ist es ein Witz, der einem sehr schnell im Halse stecken bleiben kann, denn immer wieder gibt es auch Szenen von Gewalt, anfangs noch verhalten, als beispielsweise die allergische Haushälterin mit Aprikosenschalen aus dem Weg geräumt wird, bald aber auch durchaus drastisch. Tatsächlich gelingt dem Film dieser Spagat aber mit Leichtigkeit, wobei er sich immer einen satirischen Anstrich bewahrt, dabei aber auch durchaus emotional zu berühren vermag. Gespielt ist das Ganze natürlich hervorragend, inszeniert sowieso, der Regiesseur hat hier eine ausgereifte Routine entwickelt, die in diesem bisherigem Höhepunkt seines Schaffens gipfelt.

Erscheinungsdatum auf DVD und Blu Ray: 5. März 2020
Laufzeit: 132 Min. / FSK: 16

 

Autor: Alexander Koschny

 

Pin It

Kommentare powered by CComment

­