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joker coverSuperhelden dominieren derzeit das Kino. Mit Millionen an Budget und spektakulären Effektgewittern sorgen Iron Man, Captain America und Co. für volle Säle. Auch Gotham Citys dunkler Ritter Batman bestritt bereits das ein oder andere Leinwandabenteuer. Doch manchmal scheint das Böse faszinierender als das Gute zu sein, anders ist die große Popularität des Jokers, dem ewigen Gegenspieler des Mannes mit der Fledermausmaske, kaum zu erklären. Der Joker verfügt dabei nicht über Superkräfte, was ihn so gefährlich und auch interessant macht ist sein schierer Wahnsinn. In „Joker“ beleuchtet Regisseur Todd Phillips die Hintergrundgeschichte des ikonischen Bösewichts in Form eines düsteren, in der Realität verankerten Dramas, das keine großen Spezialeffekte braucht und sich widerspenstig gegen die formelhaften Comicadaptionen der letzten Jahre stellt.

 

Szene Joker

Hauptdarsteller Joaquin Phoenix nahm in der Vorbereitung für seine Rolle als Joker gut 24 Kilogramm an Gewicht ab. Für seine brilliante Darstellung des ikonischen Bösewichts wurde er mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet

 

In der fiktiven Großstadt Gotham City fristet Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) ein trauriges Dasein. Der psychisch äußert labile Mann wird von seinen Mitmenschen gemieden und ausgegrenzt. Seine Verhaltensweisen, wie plötzliches, unkontrolliertes Lachen, machen ihn zum argwöhnisch beäugtem Außenseiter. Fleck lebt mit seiner psychisch ebenfalls angeschlagenen Mutter (Frances Conroy) in einer heruntergekommenen Wohnung und verdient sich sein Geld als Clown für Veranstaltungen und Werbeaktionen. Sein Traum ist es jedoch, einmal ein gefeierter Comedian wie sein großes Vorbild Murray Franklin (Robert de Niro) zu werden. Doch seine Auftritte in Clubs vor Publikum enden stets in einem Desaster. Als Fleck schließlich seinen Job verliert bricht für ihn eine Welt zusammen. In der U-Bahn tötet er darauf hin drei junge Männer in Anzügen, die ihn provozieren. In der politisch aufgeladenen Atmosphäre Gothams, in der die Unterschicht mehr und mehr gegen das Establishment aufbegehrt, schlägt der Fall hohe Wellen. Der Joker, das Symbol der Rache des kleinen Mannes, ist geboren und er wird von den Massen gefeiert.

 

Der Joker, dieser undurchsichtige Bösewicht, der Batman schon seit Jahrzehnten das Leben schwer macht, wurde schon von vielen Schauspielern verkörpert. Zu den bekanntesten zählen sicher Jack Nicholson und der viel zu jung verstorbene Heath Ledger. Doch Joaquin Phoenix stellt sie alle in den Schatten. Der Schauspieler, der für seine Rolle zurecht mit einem Oscar als bester Hauptdarsteller geehrt wurde, zieht hier alle Register seines Könnens und nimmt den Zuschauer mit auf eine rasante Achterbahnfahrt der Emotionen, in der man unweigerlich das gesamte Spektrum von Mitleid bis Abscheu für diesen faszinierenden Antihelden empfinden muss. Dabei gibt es tatsächlich auch Ansätze von Humor, die dann aber schnell von Szenen verdrängt werden, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Regisseur Todd Phillips, der seinen Durchbruch mit der Komödie „The Hangover“ feierte, schafft es dabei den Spannungsbogen stets aufrecht zu halten. Als großes filmisches Vorbild diente ihm dabei sicher der 70er Jahre Kultfilm „Taxi Driver“ von Martin Scorsese, in dem Taxi Fahrer Travis Bickle, gespielt von Robert de Niro, aus Verzweiflung an der Gesellschaft zur Selbstjustiz greift. Phillips verlegt die Handlung seines Films ebenfalls in die 70er Jahre und benutzt dabei gekonnt die schmuddlige Ästhetik dieser filmischen Ära.

 

Dabei zählt „Joker“ zwar zum DC Kanon, hat mit Superhelden aber ziemlich wenig am Hut. Wir begegnen lediglich Bruce Wayne, der später zu Batman werden soll, als Kind und werden Zeuge der prägnanten Szene, die ihn zum dunklen Ritter werden lässt. Auf Superkräfte, Effektgewitter und schnelle Action verzichtet Todd Phillips dabei aber gänzlich, stattdessen setzt er soweit es geht auf harten Realismus und ermöglicht auch Zuschauern, die weniger mit der Materie vertraut sind, einen problemlosen Einstieg. Gleichzeitig ist „Joker“ aber auch ein Film, der die Gemüter spaltet. Ähnlich wie in Serien wie „Breaking Bad“ ist die Hauptfigur hier kein Held, sondern jemand, der böse Dinge tut. Doch die Frage ist, was hat diesen Menschen an diesen Punkt gebracht? So will der Film sicher nicht Selbstjustiz und Anarchie propagieren, vielmehr geht es darum, wie die Gesellschaft mit ihren Mitmenschen umgeht, gerade mit den Schwachen und Schwächsten des Systems. Diese Frage stellt „Joker“ überaus radikal und wir als Zuschauer werden dadurch angehalten, einmal ausführlich darüber nachzudenken.

 

Erscheinungsdatum auf DVD und Blu Ray: 12. März 2020
Laufzeit: 122 Min. / FSK: 16

 

 

Autor: Alexander Koschny

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