BLIX Banner1

Für Theaterschauspieler Yûsuke (Hidetoshi Kirishima) könnte es eigentlich nicht schlimmer kommen. Vor Jahren verlor er seine kleine Tochter, jetzt stirbt seine Frau, die ihn zudem betrogen hat, überraschend an einer Gehirnblutung und schließlich erkrankt er an einem Glaukom, weshalb er langsam zu erblinden droht.

Nachdem er sich für einige Zeit von der Bühne zurück gezogen hat, tritt er einen Job als Regisseur bei einem international besetzten Theaterstück an. Zu den Schauspielern des Stücks zählt auch die Affäre seiner verstorbenen Frau. Da Yusuke nur noch eingeschränkt fahrtüchtig ist, bekommt er die junge, etwas burschikose Fahrerin Misaki (Toko Miuara) an die Seite gestellt. Während das Verhältnis der beiden zunächst distanziert ist, nähern sie sich während der langen Autofahrten zunehmend an und begegnen schließlich gemeinsam ihren Dämonen aus der Vergangenheit.

„Drive My Car“ wurde in diesem Jahr für den Oscar als bester, fremdsprachiger Film nominiert und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Haruki Murakami, dem im Westen wohl bekanntesten, zeitgenössischen japanischen Schriftsteller. Regisseur Ryûsuke Hamaguchi nimmt sich viel Zeit um dessen Geschichte zu verfilmen. So setzt der Vorspann erst nach 40 Minuten ein, alles davor ist sozusagen Prolog. Ganze drei Stunden lang fesselt das Drama den Zuschauer an den Bildschirm. Zu lang? Vielleicht, denn zum Mittelteil machen sich dann doch einige Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Dennoch hält die komplexe Handlung bei Laune, die gut besetzte Darstellerriege und die gekonnte Inszenierung tragen ihr Übriges dazu bei. Kameramann Hidetoshi Shinomiya verleiht dem Film einen hellen, sauberen, sehr aufgeräumten Look der dem Auge schmeichelt. Der Farbklecks in diesem Szenario ist das titelgebende Auto, ein feuerroter Saab 900 Turbo. Dieser wunderbare, schwedische Klassiker verzaubert durch seinen unkonventionellen, kantigen Charme. Ähnliches gilt auch für den Film selbst, der sich kaum in Klischees verliert sondern unaufgeregt, ehrlich und nicht immer ganz einfach eine Geschichte erzählt, die einerseits alltäglich, andererseits aber doch ganz einzigartig ist. Freunde des Arthouse-Kinos sollten auf jeden Fall einen Blick riskieren - einen langen Atem vorausgesetzt.

 

Erscheinungsdatum: 24. Juni 2022
Laufzeit: 179 Min. / FSK: 12

 

Autor: Alexander Koschny

Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben!

­