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Biberach - Tropft Ihr Wasserhahn? Trauen Sie sich nicht mehr auf die Leiter, um die Vorhänge zu wechseln? Haben Sie keine Verwandten oder Freunde, die für Sie einkaufen können? Können Sie sich das Taxi ins Krankenhaus nicht leisten? Brauchen Sie Hilfe beim Ausfüllen eines Antrags an eine Behörde? Oder wollen Sie einfach nicht alleine ins Konzert gehen? Dann können Sie sich an Menschen in Biberach wenden, die sich in der Initiative Bürger für Bürger engagieren. Und dies schon seit zwei Jahrzehnten.

Seit über zehn Jahren ist Peter Rupf (65) Sprecher der Initiative, die ehrenamtlich hilft. Organisiert in neun Arbeitskreisen mit jeweils einem Verwalter oder einer Verwalterin, bringen sich rund 80 Helferinnen und Helfer ein. Die meisten davon haben ihre Berufstätigkeit bereits beendet. Von einem kleinen Büro im Ochsenhauser Hof aus verwalten sie ihre Hilfsangebote. „Wir sind mehr als 5000 Stunden im Jahr aktiv tätig“, erklärt Peter Rupf, „und helfen, wenn es keine anderen Helfer gibt“. Dabei wollen sie keinesfalls Taxiunternehmen oder Handwerksbetrieben Konkurrenz machen, wenn sie etwa in der Werkstatt des Ochsenhauser Hofes, die sie freundlicherweise benutzen dürfen, kleinere Reparaturen erledigen oder einen Patienten zum Arzt fahren und auch in die Sprechstunde begleiten, wenn das gewünscht wird. 

Reparieren statt wegwerfen

Reparieren statt wegwerfen.

„Kürzlich rief jemand an, der sein Gartenhaus gestrichen haben wollte“, erinnert sich der ehemalige Kaufmännische Angestellte. „Mit so einem großen Auftrag sind wir natürlich überfordert. Wir können auch keine Schneeräumdienste übernehmen oder Hecken schneiden. Gerne reparieren wir aber vor Ort  einen tropfenden Wasserhahn oder tauschen Leuchtmittel aus.“

Woher kommt das Geld, um kostenlos helfen zu können? „Wir arbeiten alle ehrenamtlich“, betont Margit Alt (64), ehemalige Energieberaterin, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. „Lediglich für den Fahr- und Begleitdienst zahlen wir den Helfenden ein Kilometergeld. Einnahmen erwirtschaftet auch  das Wieland-Café, das wir bei gutem Wetter von Mai bis September jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr im Wieland Park betreiben“. „Einmal wurden wir von einer betreuten Dame im Erbe berücksichtigt. Das Geld brachten wir in die Bürgerstiftung ein und erhalten jedes Jahr eine kleine Ausschüttung“, ergänzt Peter Rupf. 

Im Arbeitskreis Schreibarbeiten werden nicht nur Formulare ausgefüllt oder amtliche Briefe geschrieben, die Ehrenamtlichen nahmen auch schon Lebensgeschichten auf und halfen bei der Entstehung eines Buchs. Der Arbeitskreis Kulturbegleitung vermittelt Kontakte zwischen Interessierten, die nicht alleine ins Konzert oder zu einer Theateraufführung gehen wollen. Geselligkeit entwickelt sich auch beim vierzehntägigen samstäglichen Bürger für Bürger Treffpunkt: am ersten Samstag des Monats um 11.30 Uhr im Restaurant „Ente“ am dritten Samstag um 13 Uhr im „Grünen Baum“. Weitere Arbeitskreise kümmern sich  um Steuer-, Finanz, Versicherungs-, und Rentenfragen oder helfen, wenn Probleme mit Fernseher, Computer oder Smartphone auftauchen. Gehen bei so vielen Angeboten manchmal die Helfer aus? „Das schwankt saisonal ein wenig“, erklärt Rupf. „Was wir dringend brauchen ist ein weiterer Elektromeister, der die von uns reparierten Geräte kontrolliert. Aber auch Fahr- und Begleitdienst und das Team des Wieland-Cafés freuen sich über Verstärkung“. Welche Voraussetzung sollte man mitbringen? „Man sollte Freude am Helfen haben. Es gibt nichts Schöneres, als in die Augen zu schauen von jemandem, der Hilfe bekommt. Da spürt man so viel Dankbarkeit“, resümiert der Sprecher der Initiative. „Man soll gerne mit Menschen arbeiten“, ergänzt Margit Alt. „Wir lernen dabei auch, Grenzen zu setzen. Auch im Ehrenamt muss man mal nein sagen“. 

 

Information und Vermittlung von Hilfen:

 

Tel. 07351 827127

Mo - Fr  von 15:30 - 17:30 Uhr

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www.bfb-biberach.de

 

In der Werkstatt des Ochsenhauser Hofs im 2. OG geben Bürger für Bürger jeden 1. Donnerstag im Monat von 14 – 16 Uhr Hilfe zur Selbsthilfe. Aktuelle Termine finden sich montags und donnerstags in der Schwäbischen Zeitung unter der Rubrik „Hilfen“. 

 

Text und Fotos: Andrea Reck

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