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Ravensburg - Dieses Jahr feiert die 1822 gegründete Kreissparkasse Ravensburg ihr großes 200-jähriges Jubiläum. Wie ihrer Chronik zu entnehmen ist, steht aber auch noch ein kleineres Jubiläum an, das zehnjährige des am 27. Oktober 2012 eröffneten „Wirtschaftsmuseums Kreis Ravensburg“. Seine Einweihung erfolgte seinerzeit im Beisein des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Der lobte das Ausstellungskonzept, weil Wirtschaftsgeschichte „immer auch eine spannende Geschichte der Menschen und ihrer Tugenden“ sei.

 

In unmittelbarer Nähe zum mittelalterlichen Museum „Humpis-Quartier“, zum „Museum Ravensburger“ im Stammhaus des weltbekannten Spiele- und Buchverlags sowie in Nachbarschaft zum „Kunstmuseum Ravensburg“ gelegen, ist das Wirtschaftsmuseum fester Bestandteil des Museumsviertels. Es geht auf eine Stiftung der Kreissparkasse zurück. In ihrer Gesamtheit macht das Museumsquartett die Ravensburger Oberstadt zu einem zugkräftigen Anziehungspunkt für kulturell interessierte Gäste und BesucherInnen.
Das in sechs Räumen multimedial inszenierte, im Gebäude der ältesten Oberamtskasse Baden-Württembergs, einem Vorläufer der Sparkasse, befindliche Wirtschaftsmuseum (Marktstraße 22) erzählt in seiner Dauerausstellung regionale Wirtschaftsgeschichte(n) des 19. und 20. Jahrhunderts mit kurzweiligen Anekdoten und originalen Objekten. Die Themenbereiche Landwirtschaft, Handwerk, Industrie sowie Handel, Banken und Dienstleistungen ranken sich um die Thematik „Mensch und Wirtschaft“. Sonderausstellungen widmen sich wirtschaftsrelevanten und lebensnahen Themen.

 

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Die bange Frage: Was ist drin im Sparstrumpf?

 

Ob Ministerpräsident Kretschmann beim Start des Museums damals vor zehn Jahren die bei den Schwaben besonders ausgeprägte Tugend der Sparsamkeit im Auge hatte? - Seit 26. April jedenfalls präsentiert die komplett erneuerte Ausstellungsfläche anstatt der Dauer- die Jubiläumssonderausstellung „Sparen. Geschichte einer deutschen Tugend“. In der vom Deutschen Historischen Museum Berlin konzipierten und vom Wirtschaftsmuseum überarbeiteten und angepassten Ausstellung wird den Besuchern auf 350 Quadratmetern einen Einblick in die „deutsche Tugend des Sparens“ geboten.
Außerdem die Beantwortungen von Fragen rund um den deutschen Sonderweg beim Sparen, wie zum Beispiel: Worin besteht der Unterschied zwischen Horten und Sparen? Wie haben die großen historischen Epochen wie zum Beispiel Kaiserreich (1871 bis 1918) und Weimarer Republik (1919 bis 1933) und desaströse Ereignisse wie Erster und Zweiter Weltkrieg unser Sparverhalten beeinflusst? Ein Werbeplakat der Deutschen Bank wirft dazu die sicherlich rhetorisch gemeinte Frage „Sparen im Krieg?“ auf, liefert dazu aber auch die Antwort „Jawohl, erst recht!“ Höchst spannend natürlich auch die Frage, ob es wirklich stimmt, dass Süddeutsche einen größeren Hang zum Sparen, vor allem zum Bausparen haben als ihre nördlicher beheimateten Landsleute?
Zur Eröffnung der laufenden Jubiläumsausstellung begrüßten Stiftungsvorstand Heinz Pumpmeier und Museumsleiter Christian von der Heydt nach vollzogenem Umbau und Erneuerung die ersten Museumsgäste. Für die Schulen der Region hatte das Museum ein besonderes Geschenk parat: das Angebot von 110 kostenlosen Führungen für Schulklassen.
Beim Rundgang durch die auf zwei Stockwerken befindliche Sonderausstellung stechen immer wieder Werbeslogans ins Auge, mit denen früher wie heute unentwegt versucht wird, die Menschen bereits von Kindesbeinen an erzieherisch zum Sparen zu bewegen. „Einteilen, haushalten, sparen - Hausfrauenbrauch bewahren“, ist zu lesen. Werbespots aus den goldenen fünfziger Jahren, die zu wirtschaftlichem Aufschwung, dem Wirtschaftswunder, und zu den Anfängen massenhaften Wohlstands führten, machen deutlich: das Sparen ist DIE deutsche Tugend schlechthin. Man konnte sich, wenn auch nur mit einem Rollermobil BMW Isetta, motorisieren, privat mobil werden und in einem kleinen Zelt die Angebetete mit Camping begeistern. Bis heute lassen sich unsere landsmännischen Sparweltmeister mitnichten von ihrer eingefleischten Leidenschaft abbringen, selbst in gegenwärtigen Nullzins-Zeiten nicht. Das althergebrachte Liedgut erklärt es wie folgt:

Schaffe, schaffe Häusle baue
Und ned nach de Mädle schaue
Und wenn unser Häusle steht,
Dann gibt‘s noch keine Ruh‘
Denn dann sparen wir, dann sparen wir
Für ‚ne Ziege und ‚ne Kuh

 

Text & Fotos: Horst Hacker

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