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24. April 2020, Pressemitteilung Landratsamt Ravensburg: „Durch die anhaltende Trockenheit führen viele Bäche und Flüsse im Landkreis Ravensburg nur noch wenig Wasser. Durch die niedrigen Wasserstände wird die Gewässerökologie beeinträchtigt und Fische, Kleinlebewesen und Wasserpflanzen leiden unter den ansteigenden Gewässertemperaturen. (…) Sofern sich die Wetterlage in nächster Zeit nicht nachhaltig ändert, behält sich das Landratsamt Ravensburg vor, die Entnahme von Wasser per Allgemeinverfügung für ganze Fluss- oder Bachabschnitte zu untersagen.“ Wasserhüterin hilf!

DSC 5143So möchte man rufen, angesichts der knisternden Trockenheit, die Staubfahnen statt Regenschleier übers Land ziehen lässt. „Der April macht, was er will!“, ist dafür keine Erklärung. Das weiß auch Theresia Moosherr, die Wasserhüterin. Deren Kunst den Klimawandel nicht aufhalten kann, aber darauf verweist, wie existenziell das Element Wasser für das Leben auf diesem Planeten ist.
 
 
 

Groß und klein: Die Künstlerin arbeitet an mehreren Skulpturen gleichzeitig.

 
 
Es sind massige Skulpturen aus mächtigen Eichenstämmen gesägt, die als „Wasserhüterinnen“ entlang von Bächen und Flüssen und an deren Quellen daran erinnern sollen, dass alles Leben dem Wasser entstammt. Es war die Natur selbst, die die Künstlerin zu ihrer Kunst inspirierte.
 
Die sperrige Künstlerin, die Persönliches ungern preisgibt, floh vor 20 Jahren aus Stuttgart zurück in die oberschwäbische Heimat in den Schatten der „schönsten Dorfkirche der Welt“. Dem vernetzten Trubel der Großstadt als Galeristin folgte die dörfliche Isoliertheit als Künstlerin. Als Bauernkind kam sie über das Handwerk zur Kunst und von der Malerei zur Bildhauerei. Ihr (Kunst-)Handwerkszeug ist eine Motorsäge, die sie erstmals in die Hand nahm, um sich für den Winter mit Brennholz zu versorgen. Dabei stellte sie fest, dass die Säge ihr „wie ein Pinsel in der Hand liegt“. Das muss wohl so sein, wenn man weiß, dass Motorsägenarbeit Schwerstarbeit ist, die die Frau im Rentenalter noch lustvoll tut.
 
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Motorsägenarbeit ist Schwerstarbeit, die Theresia Moosherr herausfordert.
 
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Jeder Stamm ist anders und jede Skulptur ist ein Individuum.
 
Die Nähe zur Schussen und ihre Naturverbundenheit ließen die Idee zu den „Wasserhüterinnen“ reifen. Erste Experimente bestärkten sie und führen schließlich zum Projekt, das 2011 mit den ersten Skulpturen in Durlesbach begann und bis heute fortdauert. Entlang der Schussen auf einer Länge von 67 Kilometern finden sich inzwischen 27 der imposanten Holzskulpturen. Grob modellierte Frauengestalten, weil das Wasser als Ursprung des Lebens weiblich sein muss. Schlicht und schwungvoll, dabei kraftvoll wie Naturgeschöpfe und lebendig wie Holz. Es ist Eiche, dessen Härte Dauerhaftigkeit garantiert und ein „männliches Symbol“ sei, erklärt die Künstlerin, die sich viel lieber als „Kunstschaffende“ begreift, denn „was ich tu‘, ist schaffa“. Und das mit schwäbischem Fleiß und eichener Sturheit.
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Der Arbeitsplatz auf der Atzenberger Höhe sei Heimat für Sie, erklärt Theresia Moosherr.
 
Die kommt ihr zugute, wenn sie ihre Wasserhüterinnen, die häufig nach biblischen Frauennamen – sie verehre Maria Magdalena – oder nach christlichen Tugenden benannt sind, der Öffentlichkeit präsentieren möchte und dazu die nötigen Mittel auftreiben muss. „Ich möchte von der Kunst leben“, das war ihr fester Vorsatz als sie aus der Stadt aufs Dorf zog. Kein leichtes Unterfangen. Aber 40 Wasserhüterinnen vom Bodensee bis zum Neckar bezeugen, dass sie‘s g’schafft hat. Dabei half ihr ihre „kluge, kluge Mutter“, die ihr und ihren sieben älteren Geschwistern mit auf den Weg gegeben hat: „Wichtig ist, was du bist, nicht was du hast.“
 
Und was macht die Corona-Krise mit der Künstlerin? „Ich glaub‘ nicht, dass sich wegen des Virus was ändert. Es geht nur noch ums Geld.“ Dann wird es wohl so kommen, wie das Landratsamt ankündigt: „die Entnahme von Wasser per Allgemeinverfügung für ganze Fluss- und Bachabschnitte zu untersagen“. Wasserhüterin hilf!
 

VERANSTALTUNGSHINWEIS (unter Vorbehalt)
Vortrag: "Aufstand für das Wasser" mit Theresia Mossherr
Schirmherrin: Prof. Dr. Rita Triebskorn
Freitag, 22. Mai 2020 um 19:30 Uhr
Veranstaltungsort: Freiraum Themo, Marktplatz 2, 88427 Bad Schussenried
Weitere Veranstaltungen sind geplant und sollen folgen:
www.wasserhueterin.de

 

Text und Fotos: Roland Reck

 
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