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Fischbach - Im Stadel der Fischbacher Holzhandlung Ströbele fand ein Konzert der außergewöhnlichen Art statt. Christian Segmehl/Saxophon und Paul Rivinus/Klavier begeisterten die kulturhungrigen Besucher.

Die Sonntags-Matinée im Stadl am 18. Oktober war schnell ausverkauft. Kein Wunder, bei zwei derart hochkarätigen Musikern wie dem Saxophonisten Christian Segmehl und dem kongenialen Pianisten Paul Rivinus. Fluggs ließ Andreas Rodi, Inhaber der Holzhandlung Ströbele, einen Tag früher als geplant sein Holzlager in Fischbach räumen, den Konzertflügel anliefern und den Stadel vorbildlich coronakonform bestuhlen. So konnte bereits am Samstagabend ein Zusatzkonzert stattfinden. Sogar ein paar Heizpilze organisierte er. Sie strahlten aber leider nicht bis zur Bühne, wie Segmehl in seiner Moderation zwischen einzelnen Titeln bedauerte. Bewundernswert, wie Paul Rivinus‘ offensichtlich kalte Finger virtuos über die Tasten flogen. Das Duo präsentierte eine anspruchsvolle Auswahl von klassischen und jazzigen Titeln. Neben bekannten Hits waren dabei auch weniger bekannte Kompositionen zu hören.

In seiner Begrüßung machte der Hausherr darauf aufmerksam, dass dieses Konzert nicht trotz, sondern wegen Corona stattfindet, womit er den Besucherinnen und Besuchern die Ambivalenz des Geschehens vor Augen führte, dass sie nur dank Corona in den Genuss eines solchen Konzertes an diesem außergewöhnlichen Ort kommen. Segmehl nahm diesen Ball seines Kumpels aus Jugendzeiten auf und schilderte in seiner Pausenmoderation, wie er dieses Jahr als Musiker erlebte. Verfolgte er zu Beginn der Pandemie noch gelassen, wie Mega-Konzerte etwa der Rolling Stones abgesagt wurden, was ja keine Armen traf, dämmerte ihm allmählich, dass auch er bald nicht mehr auftreten darf. Die folgende Stille hatte beides, erinnert er sich: Entschleunigung, die in einen wohltuenden entspannten Sommer mündete, und aufkommende Zukunftsangst, schließlich führte der völlig leere Terminkalender zu leeren Kassen. Umso erfreuter war er, als sein Freund Rodi ihm zunächst anbot, als Fahrer in der Holzhandlung auszuhelfen und dann auch noch das Konzert organisierte. „Ich habe viel dazugelernt“, erzählte der unprätentiöse Künstler schmunzelnd. „Ich kann jetzt super mit dem Anhänger rückwärts einparken.“ Dass Segmehl, der wenige Tage zuvor („endlich wieder ein Konzert!“) in der Elbphilharmonie aufgetreten war, überragend gut Saxophon spielt, bewies er an diesem Sonntag einmal mehr unterm steilen Dach in Ströbeles Grillstadel. Das Publikum applaudierte begeistert.

Am Samstag, den 14. November um 20 Uhr, findet in der Festhalle Leutkirch das Abschlusskonzert der von Segmehl gegründeten Musikreihe AllgäuKonzerte statt mit Martin Spangenberg, Klarinette und Katharina Kegler, Klavier.  
Infos unter: www.allgaeukonzerte.de

 

Text und Foto: Andrea Reck

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