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Oberschwabens Seen prägen seit zehntausend Jahren die Landschaft. Sie sind es wert, geschützt zu werden. Und weil man nur schützt, was man kennt, gibt es die Limnologie. Und wer wissen will, was sich dahinter verbirgt, muss weiterlesen.

 

Wem der Bodensee zu rummelig ist, wer lieber Tiere beobachtet als in Menschenmassen unterzugehen, der findet in Oberschwaben sein Paradies. Mit etwas Glück und Geduld sieht er sogar den seltenen Moorfrosch. Er ist der kleinste der Braunfroscharten und an seinem hellen Rückenstreifen zu erkennen, hat einen höher aufgewölbten Fersenhöcker als der Grasfrosch und wesentlich kürzere Beine als der Springfrosch. Zur Paarungszeit sind manche Männchen ganz oder teilweise himmelblau bis violett gefärbt. Als Laichgewässer nutzt der Moorfrosch bei uns vor allem Moore. Er geht nicht auf Wanderschaft, sondern bewegt sich innerhalb eines Aktionsradius von einem Kilometer, was bei Verlust des Laichplatzes zum Erlöschen der Population führt. Der nur sechs Zentimeter große Geselle ist noch anzutreffen im Taufach-Fetzachmoos bei Leutkirch, im Haubachmoos bei Isny, im Wurzacher Ried und der Blitzenreuter Seenplatte.

Das durchschnittlich über 500 Meter hoch gelegene Oberschwaben war während der letzten Eiszeit von Gletschern bedeckt. Im Verlauf der Erdgeschichte änderte sich das Klima immer wieder, in den letzten etwa einhunderttausend Jahren wechselten in Mitteleuropa Warmzeiten und Kaltzeiten, die wir auch „Eiszeiten“ nennen. Während einer Eiszeit rücken die Gletscher immer weiter ins Gebirgsvorland vor, schürfen bereits bestehende Täler zu tiefen Becken aus und häufen an anderen Stellen Gesteinsschutt, Sand und Felsblöcke zu langgezogenen Wällen, den Moränen, auf. Wird es wieder wärmer, schmelzen die Gletscher ab, wird es wieder kälter, wiederholt sich der Prozess erneut. Die ausgeschürften Becken werden weiter vertieft und an anderer Stelle werden weitere Wälle aus Gesteinsschutt aufgehäuft.

Während der letzten und vorletzten Eiszeit war Oberschwaben unter einer etwa eintausend Meter mächtigen Eisdecke begraben, die sich von den Alpen nach Norden bewegt hatte. Als es vor etwa 14.000 Jahren wieder wärmer wurde, schmolzen die Eismassen der Gletscher ab. Das vorher vom Eis bedeckte Land kam als hügelige Grundmoräne zum Vorschein. Das Schmelzwasser der Gletscher konnte nur zum Teil abfließen und staute sich an den Endmoränen zu langgezogenen Seen. Ihre Ufer werden durch Wind und Wellenschlag abgetragen. Der See wird im Lauf der Jahrhunderte flacher, da der Boden durch Sedimentablagerungen in die Höhe wächst. Mit zunehmendem Pflanzenbewuchs geht die Verlandung schneller voran. In den Uferbereichen kommt es zu sehr flachen, immer feuchten Zonen, in denen sich eine spezielle Pflanzengesellschaft ansiedelt. Dort ist die Stoffproduktion der Pflanzen größer als ihr Abbau. Ein Moor entsteht. Der dichte Pflanzenbewuchs und höhere Temperaturen verringern den Sauerstoffgehalt, wodurch die Zersetzung noch weiter verlangsamt und gehemmt wird. Obwohl die Pflanzen absterben, werden sie nicht vollständig abgebaut. Aus diesen Resten entsteht Torf. 

 

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Opfer der Trockenheit: Der Roggensee bei Bad Schussenried ist inzwischen ausgetrocknet (unten). Der kleine kreisrunde See mitten im Wald war ein Zeuge der Eiszeit, dem die große Trockenheit zusetzte und dazu führte, dass er nicht nur austrocknete, sondern die wasserdichte Tonschicht Risse bekam und dadurch undicht wurde. Was zur Folge hat, dass dieser See keine Wiedergeburt haben wird. Das Foto oben stammt von 2011. Fotos: Dieter Ege

 

Moore können auf unterschiedliche Art entstehen. Meist fördern ein hoher Grundwasserspiegel oder ergiebige Niederschläge das Pflanzenwachstum. Nicht jedes Moor war früher mal ein See, aber die Verlandung eines Sees endet oft in der Bildung eines Moors. 

Am 8. Juli dieses Jahres unterzeichneten Regierungspräsident Klaus Tappeser und der Ravensburger Landrat Harald Sievers auf Schloss Achberg die Vereinbarung zur Weiterführung des Aktionsprogramms zur Sanierung oberschwäbischer Seen um fünf Jahre. Vor über 30 Jahren wurde das Umweltprogramm ins Leben gerufen, um die Stillgewässer zu erhalten. Von den etwa 4.500 Seen und Weihern Baden-Württembergs liegen über die Hälfte in den am Seenprogramm beteiligten Landkreisen Biberach, Ravensburg, Sigmaringen und dem Bodenseekreis. 113 der größten dieser Stillgewässer werden im Seenprogramm betreut.

Die meisten entstanden vor 10.000 Jahren während der Würm-Eiszeit. Zudem wurden in Oberschwaben vor allem im Hoch- und Spätmittelalter von Klöstern und Adelshäusern zahlreiche ablassbare Weiher angelegt. Vor allem für die Fastenzeit waren in den Klöstern Fischteiche angelegt worden. So erwarb das Zisterzienserkloster Wald bei Sigmaringen etwa 1272 einen Weiher in Ablach, später zwei in Gaisweiler und 1534 einen in Walbertsweiler. 1784 gehörten zwölf Weiher mit einer Gesamtfläche fast 500.000 Quadratmetern dem Kloster. Der sechs Hektar große Wagenhauser Weiher zwischen Sießen und Wolfartsweiler wurde 19. Jahrhundert als Teil einer Weiheranlage des Klosters Sießen aufgestaut. 

 

Der sanierte Häcklerweiher wurde schon im 14. Jahrhundert angestaut Foto Seenprogramm

Der sanierte Häcklerweiher stammt aus dem 14. Jahrhundert und gehört zur Blitzenreuter Seenplatte.

 

In neuerer Zeit kamen Torf- oder Kiesabbau-Seen dazu. Alle diese Gewässer werden durch Einträge von Pflanzennährstoffen und erodiertem Bodenmaterial beeinflusst. Stark zugenommen haben seit den 1960er Jahren Abwassereinträge und Belastungen durch intensivere Landwirtschaft. Die Gewässer wurden zunehmend nährstoffreicher, Algen und Wasserpflanzen wuchsen stärker und ihr Verlandungsprozess wurde beschleunigt. Vielfach nahm die Artenvielfalt unter diesen ungünstigeren Bedingungen ab und es kam in der Folge immer wieder zu Fischsterben. Seen und Weiher „kippten um“. Ziel des „Aktionsprogrammes zur Sanierung oberschwäbischer Seen“ ist, die Gewässer langfristig zu erhalten und ihre ökologische Wertigkeit wieder zu verbessern: durch Verbesserungen der häuslichen Abwasserentsorgung, Renaturierung der Seezuflüsse, Bau von Schlammfangbecken vor Gewässern oder nachgeschaltet für das Ablassen von Weihern und die Pflege der Verlandungsbereiche. Landwirte, die Flächen in den Einzugsgebieten der Weiher und Seen bewirtschaften, werden durch die Landwirtschaftsämter der Landkreise beraten, um die Nährstoffeinträge zu verringern.

Als Beispiele für Sanierungsmaßnahmen in den letzten vier Jahren nennt Elmar Schlecker vom Landratsamt Ravensburg vor allem den Bau „nachgeschaltete Absetzbecken“ an Weihern. Sie helfen, die Fließgewässer im Auslauf der Weiher vor schädlichen Schlammeinträgen zu schützen. „Diese Absetzbecken sind Voraussetzung, um die Weiher ordnungsgemäß ablassen und anschließend „wintern“ zu können. „Das Wintern, also das Trockenfallen der Weiher über den Winter von November bis Februar bringt den Vorteil, dass im Schlamm angesammelte organische Substanzen in ihre mineralischen Bestandteile zerfallen. Dadurch verringert sich das Volumen des Schlammes und die Verlandung wird verlangsamt. Ein weiterer Vorteil des Winterns ist, dass Nährstoffe fester im Schlamm gebunden werden. Dadurch erfolgtweniger Rücklösung ins Wasser und die interne Düngung geht zurück“, fasst der Experte der Koordinierungsstelle für das Seenprogramm im Bau- und Umweltamt des Landratsamts zusammen.

 

Baden unter erschwerten Bedingungen

Baden und Schwimmen in den oberschwäbischen Seen und Weihern ist überaus beliebt. In Coronazeiten haben viele Gemeinden allerdings ihre Naturbäder nicht geöffnet, weil sie die Auflagen nicht erfüllen können. Einige Städte und Gemeinden haben schon vor dem 4. Juni, als vom Land die Sportstättenverordnung kam, die schon zwei Tage später die Öffnung der Bäder erlaubt, fundierte Sicherheitskonzepte erarbeitet, um die Ansteckungsgefahr der Besucher zu minimieren, wie etwa die Gemeinde Ummendorf; Aulendorf mit seinem Naturstrandbad Steegersee. Der Ziegelweiher bei Ochsenhausen hat bei gutem Wetter täglich von9-12 und von 14-19 Uhr geöffnet. Geöffnet haben auch das Naturfreibad Uttenweiler, Bad Waldsee, der Badesee Erbach, der Baggersee Alberweiler bei Schemmerhofen, die Badestelle am Zellersee bei Bad Schussenried, die Sießener Säge (auch Wagenhauser Weiher genannt) bei Bad Saulgau und das Strandbad Obersee in Kißlegg. Während am Ummendorfer Badesee am Sonntag, den 19. Juli, gerade mal ein Drittel der erlaubten Belegung erreicht war und die Besucher sich gefahrlos bewegen konnten, musste der Sicherheitsdienst an den Schwarzachtalseen am frühen Nachmittag Badewillige zurückweisen, dürfen dort doch nicht mehr als 2000 Besucher gleichzeitig kommen. Viele versuchten, die Ordnungskräfte zu umgehen, stellten ihre Autos auf Wiesen und an der Kreisstraße ab und gelangten auf anderen Wegen ans Wasser. Chaos pur. Auch am Natursee Uttenweiler, wo 3000 Besucher erlaubt sind, herrschte Andrang. Das beliebte Ravensburger Naturfreibad Flappachbad darf nur nach Anmeldung über die „schwimmApp“ oder telefonisch (Montag bis Freitag von 9.30 bis 17 Uhr unter 0751 82-526, nach 17 Uhr und am Wochenende unter 0751 61842) betreten werden.

 

INFO: Tümpel, Weiher, See? 

Ein Weiher (aus lateinisch vivarium „Lebendbehälter für Tiere“) ist ein kleines Stillgewässer. Die Limnologie (Wasserkunde) definiert den Weiher als langlebiges Flachgewässer ohne eine Tiefenschicht. Flachgewässer, die künstlich angelegt wurden und mindestens einen Zufluss sowie einen regulierbaren Abfluss haben, werden als Teiche bezeichnet. Im Gegensatz zum See fehlt dem Weiher die lichtlose Tiefenregion (diese lichtlose Tiefenregion nennt man Profundal). Ein Weiher erreicht selten eine Tiefe von mehr als zwei Metern. Maßgeblich für die Unterscheidung von Weiher und See ist nur die Tiefe, nicht hingegen die Ausdehnung in der Fläche. Weil Teile des Lichts im Weiher bis zum Grund vordringen, kann dieser - anders als der See - vollständig von Wasserpflanzen besiedelt sein. Der Weiher bezeichnet im süddeutschen Raum flachgründige Stillgewässer. Künstlich angelegte Stillgewässer bei Adelssitzen und Schlössern (Schlossweiher), bei stattlichen Bauerngehöften oder in Dörfern (Dorfweiher) verlanden, wenn sie nicht regelmäßig eingetieft werden. 

Flachgewässer, die nur temporär Wasser führen, heißen Tümpel. Tümpel haben eine Wassertiefe von weniger als 0,5 Meter. Ihr Wasserstand kann in Abhängigkeit von der Jahreszeit wechseln, zeitweise können Tümpel auch trockenfallen.

Dr. Elmar Schlecker vom Aktionsprogramm zur Sanierung der oberschwäbischen Seen ergänzt: „Bei unserem Seenprogramm gilt folgende Unterscheidung: Ein See ist ein nach den Eiszeiten entstandenes natürliches Stillgewässer, oder ein künstlich angelegtes Gewässer, wie beispielsweise ein Baggersee, der nicht ablassbar ist. Ein Weiher ist ein vor allem imMittelalter künstlich angelegtes Gewässer, das abgelassen werden kann. Dazu dient ein so genannter Mönch, ein regulierbares Ablaufbauwerk, dessen Ablauf mittels Rohrleitung auf Höhe des Teichbodens eine Einstellung des Wasserspiegels ermöglicht.“

 

Autorin: Andrea Reck

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