BLIX Banner1

Kanzach - Gehen im Mittelalter die Uhren anders? Oder warum hat nach dem Lockdown und dem verpatzten Saisonstart die Bachritterburg inzwischen ihre Tore nicht auch wieder geöffnet, wie das nahe Federseemuseum beispielsweise? Das hat nur bedingt mit der baulichen Besonderheit zu tun, vielmehr ist man in Kanzach dabei, die Uhren neu zu stellen. Und das braucht Zeit bis nächstes Jahr, wie der Bürgermeister Klaus Schultheiß erklärt.

Corona als Chance zum Neustart, denn wie soll man bei voller Fahrt den Kurs ändern? Dieser Kurswechsel ist aber überfällig, lässt Schultheiß wissen. Da brauche er nur das aufgelaufene Defizit im Haushalt anzuschauen, das fast sechsstellig ausfalle. Eigentlich will der Bürgermeister gar nicht groß darüber reden, denn er ist heftig am Netzwerken, aber ein gekündigter Museumsleiter und geschlossene Pforten bei der augenfälligen Holzburg am Dorfausgang, wo sommers buntes Lagerleben die Besucher lockte, fordert ihn zur Stellungnahme.

So viel sei gesagt: War in den letzten Jahren die Burgbelebung durch Mittelaltergruppen der Programmschwerpunkt, so soll sich das im nächsten Jahr ändern, denn „die Belebung ist ausgeufert“, stellt Schultheiß fest. Demnach hat die rege Mittelalterszene mehr und mehr die Burg für ihre eigenen Vorlieben genutzt, ohne die Besucher in den Mittelpunkt zu rücken, was nicht im Interesse der kommunalen Burgherren sein kann, erklärt der Bürgermeister. Dieses selbstherrliche Eigenleben in der Burg habe auch zunehmend die vielen notwendigen ehrenamtlichen Helfer vergrätzt. Höchste Zeit also, dem Treiben Einhalt zu gebieten. Da kam „Corona als Bremsklotz“ gerade recht.

Derzeit werde „durchgefegt“ und es fänden Innenarbeiten statt, lässt der Burgherr im Rathaus wissen. Er setzte auf vielfältige Kooperationen im Kunst- und Kulturbereich, sein Blick richte sich dabei auch zum Federsee, die Neukonzeption sei noch nicht ausgereift, aber die Bachritterburg sei „ein Juwel“, das auch als „Kleinkunstbühne“ genutzt werden könne, die Gastronomie müsse professionalisiert und auch die Museumspädagogik wieder gestärkt werden. Also, es gibt viel zu tun, und „das Jahr 2020 ist abgehakt“, blickt Schultheiss nach vorne. Ziel sei, mit vereinten Kräften, dazu zähle auch weiterhin die Burgbelebung, aber „nicht mehr als Schwerpunkt“, das historische Juwel für 2021 auf Hochglanz zu bringen. Man darf gespannt sein!

 

Autor: Roland Reck

Pin It
­