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Bad Schussenried - Dieter Krieg (1937-2005), einem der der radikalsten Maler der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, widmet das Kloster Schussenried eine bemerkenswerte Ausstellung.

Den etwas kryptischen Titel „o.T / K 04“ trägt die repräsentative Auswahl von Kriegs Werken aus vierzig Jahren. Die Ausstellung des Landkreises Biberach entstand in Zusammenarbeit mit der Stiftung Dieter Krieg und der Galerie Titus Koch, Randegg, sowie der Unterstützung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg.
Die Bilder Kriegs mit seiner unverwechselbaren Maltechnik beschrieb Landrat Heiko Schmid bei der Vernissage am 8. April als „schon fast dreidimensional“ in Anspielung auf den großzügigen Farbauftrag der meist riesigen Bilder Kriegs, „der bei HAP Grieshaber in die Schule ging“. Schmid bedauerte, dass Kriegs „Spiegelei“ nicht durch die Türen des barocken Gebäudes passte. Vom Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) als Leihgabe zur Verfügung gestellt, schmückt dieses Gemälde im Format 2,34 auf 4,70 Meter seit letztem Jahr die Kfz-Zulassungsstelle im Landratsamt. „Sperrig sind seine Werke meist“, urteilte der Landrat. Die meisten tragen keinen Titel (auch das so genannte Spiegelei nicht), viele sind auch nicht datiert.
Jürgen Knubben bemerkte mit Blick auf das Werk mit dem Schriftzug „Maler, Diebe und Gesindel“ zu seiner Linken, er sei froh, Bildhauer, nicht Maler, zu sein. Das Ehepaar Krieg habe er gut gekannt, berichtete der Kurator. Der in Lindau geborene Krieg sei in der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe Schüler von HAP Grieshaber gewesen „einer frühen Ausgabe des schwäbischen Wutbürgers“. Krieg fand sich zusammen mit anderen aufmüpfigen Studenten wie Horst Antes und Walter Stöhrer und erregte 1978 bei der Biennale in Venedig großes Aufsehen. „Krieg, ein asketischer, hochgebildeter Mann, fand seine Motive in den Niederungen des Alltags. Er empfand die Idylle als kontraproduktiv für die künstlerische Arbeit. In Quadrath-Ichendorf, wo er sich niederließ, ist es wahrlich nicht schön.“ Als Professor an der Düsseldorfer Akademie brachte er seine Studenten ins Braunkohlerevier, wo sich riesige Bagger durch den Boden wühlten. Umso mehr freuen sich Knubben und andere Verantwortliche der Stiftung Dieter Krug, dass seine Werke an einem so schönen Ort wie dem Kloster Schussenried präsentiert werden.
Der Kunstwissenschaftler Dr. Albert Kümmel-Schnur wollte mit den Vernissage-Besuchern über den Begriff der Souveränität nachdenken. In seinem Parforce-Ritt durch die europäische Geistesgeschichte ab dem 16. Jahrhundert, beginnend mit dem französischen Staatstheoretiker Jean Boudin und dem englischen Naturrechts-Philosophen Thomas Hobbes bis zu den Kriegsbildern, die uns gegenwärtig zu schaffen machen. Seine beiden kleinen Söhne hielten minutenlang ein Plakat des holländischen Kupferstechers Hendrick Goltzius in die Höhe. Kümmel-Schnur assoziierte über dessen „Herkules“, den Inbegriff des vor Kraft strotzenden Subjekts, über Kriegsbilder, die ebenfalls diesen vor Kraft strotzenden Gestus ausstrahlten. In abenteuerlichem Sprechtempo ging er auch ein auf einige der Werke Kriegs, etwa das Stück Seife auf der abgeschnittenen Zunge im Nebenraum oder „das monumentalisierte kleine ja“. Ob die ungewöhnliche, temperamentvoll-theatralische Laudatio den Besuchern den Zugang zu Kriegs sicher nicht einfachem Werk erleichterte, sei dahingestellt. Langweilig war sie jedenfalls nicht. Und das gilt für die gesamte Ausstellung, die noch bis 11. September im Kloster Schussenried zu sehen ist. Also: unbedingt anschauen!

Öffnungszeiten Di bis Fr 10-13 Uhr und 14-17 Uhr, Sa, So und Feiertage 10-17 Uhr.
www.kloster-schussenried.de

 

Autorin: Andrea Reck

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