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Wolfegg/Kürnbarch - Nach zwei Jahren Pandemie bedingten Einschränkungen beginnt die neue Saison in den Freilichtmuseen in Wolfegg und Kürnbach in der Hoffnung auf ein „normales“ Jahr mit reichlich Besuchern, eben wie vor Corona. Darauf haben sich die Museumsteams gut vorbereitet. Das Motto dreht sich um das Entdecken und die Aufgabe ist das Verstehen. Es folgt ein Gang über den neuen „Entdeckerweg“ in Wolfegg und ein Blick ins „Kürnbachhaus“ bei Bad Schussenried.

Schneitelbäume – seltsam zerrupft stehen sie am Entdeckerweg des weitläufigen Wiesen-Geländes im Bauernhausmuseum Wolfegg. Ohne die Erklärungen von Christine Bauer-Kreutzer oder mithilfe der Tafeln verstehen Besucher nicht, dass die Zweige dieser Eschen, Buchen und Birken abgeschnitten und dem Vieh zum Futter wurden.
Die Stümpfe der Kopfweiden verraten eher den Nutzen, den der Korbmacher von den Zweigen hat. Ein Lesesteinhaufen zeugt von der mühsamen Arbeit des Steinelesens auf Äckern und Wiesen. Wacholder macht sich wieder heimisch, die Büsche stammen aus dem Hintersteiner Tal bei Hindelang. Original Allgäuer Braunvieh wird auf den Museumswiesen grasen, sobald genügend Futter wächst. Die glücklichen Kühe kommen von Züchter Rupert Vetter aus Arnach.
„Für heutige Menschen erschließt sich die von früherer Landwirtschaft geprägte Kulturlandschaft kaum,“ so Christine Bauer-Kreutzer, die Kuratorin des Entdeckerwegs. „Leute heute wachsen leider in einer verarmten Kulturlandschaft auf“, bedauert sie. Deswegen sollen die Tafeln am Entdeckerweg auf die Verarmung hinweisen, „aber nicht anklagen“. Alte Fotos von Rupert Leser und Dominikus Miller zeigen wie hart und arbeitsintensiv die Landarbeit früher war. Das Museumskonzept richtet sich aber auch an den Konsumenten von heute. Achtsamkeit und sparsamer Umgang mit Lebensmitteln ist Herzenssache von Franz Frick, Landwirtschaftsmeister des Bauernhausmuseums. „Ich lass die Schüler beim Dreschen auf jedes kleine Getreide-Körnle achten, das wird beim Zusammenkehren am Schluss nicht als Dreck entsorgt.“ Früher hätten die Leute auch hausen müssen, „wenn das Essen knapp war, hat niemand zum nächsten Aldi oder Lidl gehen können.“
Aber niemand muss beim Besuch darben. In der gemütlichen Museumsgaststätte im Fischerhaus kochen Landfrauen jeden Sonntag. Natürlich kann sich jeder auch selber verpflegen und dabei die vielen Sitzgelegenheiten nutzen. Kinder spielen gern auf den Klettersteinen und im Baumhaus auf dem Spielplatz. Berufstätige Besucher werden auch an Feierabendführungen viel Interessantes sehen können. Blinden Menschen werden besondere Führungen angeboten. Ebenso wie es Führungen in Gebärdensprache geben wird.

 

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Spielerisch entdecken, woher die Milch und wie sie aus der Kuh kommt. Foto: Reichert

 

Auf dem Gelände sind 130 Streuobstbäume und ein Heckenlehrpfad. Für Gehölzschnitt gibt es ein Mitmachprojekt, Hoinzen schlagen und beschicken lernt man beim Projekt Heuernte, und der „Werkstoff Erde“ wird beim Pflügen und bis zur Aussaat und Ernte nähergebracht. Es gibt einen Holztag, und der Kurs über Bier brauen lockt ebenso zum Mitmachen. Oder mal sehen wie aus Milch Käse wird, oder wie die Heilpflanzen das ganze Jahr über gedeihen und den Menschen zum Wohlbefinden helfen können?
In Kürnbach erinnert man sich in diesem Jahr mit der intensiven Beschäftigung mit dem „Kürnbachhaus“ an die Anfänge des Museums. War es doch dieses alte Bauernhaus aus der Barockzeit, das 1968 der „Grundstein“ war für das heutige Museumsdorf mit seinen rund 40 historischen Gebäuden. Das ist die Hardware, deren Erhalt viel Mühe und Geld kostet, aber lebendig wird Geschichte erst in der Beschäftigung mit den Menschen, die von Generation zu Generation in den Häusern lebten. Und dabei haben die MuseumsmacherInnen um Torsten Albinus, mit tatkräftiger Unterstützung des einstigen Kreisarchivars Kurt Diemer, Erstaunliches aus den Akten zu Tage gefördert. Es menschelt! Das ist die Software. Die innovative Präsentation der Familiengeschichte gewährt einen intensiven Blick in die Lebensverhältnisse der Familie Widmann, die das Bauernhaus Mitte des 18. Jahrhunderts bewohnte. „Kürnbach 1760“ lautet die Ausstellung, die Einblicke in das alltägliche Leben einer Bauersfamilie und deren Sorgen im Schatten des mächtigen Klosters und ins alltägliche Bangen um Hab und Gut gewährt. Und nicht zuletzt gehe es auch um „Sex and Crime“, macht Albinus neugierig. Auf dass die BesucherInnen kommen mögen, um zu staunen, zu entdecken und mitzumachen. In beiden Museen findet über Ostern ein vielfältiges Kinderprogramm statt, und in Kürnbach lockt am 24. April der Historische Handwerkertag sowie in Wolfegg am 1. Mai der legendäre Kräuter- und Blümlesmarkt.
www.bauernhausmuseum-wolfegg.de
www.museumsdorf-kuernbach.de 

 

Autoren: Johannes Reichert und Roland Reck

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