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Auch in diesem Jahr fällt die Fasnet infolge der Pandemie wieder weitgehend aus. Das Lachen ist in diesen Zeiten ohnehin schon Vielen vergangen. Dabei war es nie wertvoller als heute!

 

Gelotologie heißt der Wissenschaftszweig, der sich mit dem Lachen beschäftigt. Kommt aus dem Griechischen. Angeblich soll das Lachen, eine der grundlegenden Kommunikationsformen des Menschen, der Entwicklung von Sprache deutlich vorausgehen. Wird doch das Lachen in einer Gehirnregion gesteuert, die deutlich älter ist als das Sprachzentrum.
Konrad Lorenz deutete 1963 in seinem Buch Das sogenannte Böse das Lachen ursprünglich als Drohgebärde, entstanden aus dem Zähnefletschen. Es zeige, dass jemand ein gesundes Gebiss hat, und demonstriere Kraft. Innerhalb einer Gruppe aber hat es etwas Verbindendes: Sich untereinander die Zähne zu zeigen, heißt, Teil einer starken Gemeinschaft zu sein.
Witze sind durchaus Objekte wissenschaftlicher Neugierde. Schon 1915 untersuchte der Psychoanalytiker Sigmund Freud in der Studie „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten“  die Funktionsweise und Bedeutung des Witzes. Anhand konkreter Beispiele verband er spezifische Merkmale des Witzes mit seiner Theorie der Psychodynamik. Die Studie gilt als Schlüsselwerk der Psychoanalyse und Witzforschung. Nach Freud dient Humor dazu, psychologische Spannungen bzw. Hemmungen aufzulösen, unterdrückte Wünsche auf eine gewisse Weise offenzulegen und zu entladen.

Weshalb geht eine Psychoanalyse bei Männern schneller als bei Frauen? Wenn es darum geht, in die Kindheit zurückzugehen, sind die meisten Männer schon da ...

Der alte Grieche Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) erklärte, dass Menschen  in den Situationen lachen, in denen sie sich einem Mitmenschen gegenüber überlegen fühlen, also etwa bei einem Missgeschick, auch Schadenfreude genannt. Cicero, der alte Römer (106 – 43 v. Chr.), hingegen meinte, wir würden immer dann lachen, wenn ein überraschender Wechsel zu einer anderen, meist trivialeren Sichtweise stattfindet. In der Kritik der Urteilskraft hat Immanuel Kant 1790 diese lachende Enttäuschung, die zwerchfellerschütternde Schwingungen zustande bringt, als ein differenziertes Spiel zwischen Gespanntheit und Entspannung beschrieben. „Das Lachen ist ein Effekt aus der plötzlichen Verwandlung einer gespannten Erwartung in nichts.“ Lachen ist Kopfsache, aber auch Reflex. Es kann durch Gefühlseindrücke wie Kitzeln ausgelöst werden. Und nicht nur Kinder finden das zum Totlachen.

Spottet ein Pfarrer: „Philosophie ist, als ob jemand in einem dunklen Raum mit verbundenen Augen eine schwarze Katze sucht, die gar nicht da ist.“ Antwortet der Philosoph: „Theologie ist, als ob jemand in einem dunklen Raum  mit verbundenen Augen eine schwarze Katze sucht, die gar nicht da ist und plötzlich ruft: Ich hab sie!“

Lachen kann nicht nur das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken, sondern auch diejenigen, über die gelacht wird, demütigen und verletzen. Etwa Opfer von hämischem, geringschätzigem Auslachen. Allerdings kann Lachen auch konfliktträchtige Situation entschärfen, wird beim Lachen jeder Anspruch auf Respekt und Ehrbezeugung grundsätzlich verneint. Personen und Institutionen, deren Status auf ebensolchen Ehrbezeigungen beruht, sind durch das Lachen von je her prinzipiell bedroht. Sie streben danach, den Drang zur Heiterkeit in andere Kanäle und von sich weg zu leiten, um ihre Macht zu erhalten. Als Beispiel für derartige Affektkanalisierungen wird oft die ritualisierte Verkehrung der Herrschaftsverhältnisse in Karnevalsfeiern genannt. Auch die Fasnet lässt grüßen. Das närrische Treiben wird geduldet, um anschließend wieder zum Alltag zurückzukehren. Am Aschermittwoch ist ja bekanntlich alles vorbei.

„Mama, was bedeutet Alaaf?“ – „Sei still Emil, wir wohnen in Düsseldorf!“ 

Beteiligt am Lachen sind im ganzen Körper mehr als 80 Muskeln. Körperbewegungen, die bei enthemmtem Lachen entstehen, spiegeln sich in Redewendungen wie „sich vor Lachen biegen“, „kringeln“ oder „schütteln“. Angeblich sind nach einigen Lachanfällen im Blut mehr Abwehrstoffe als sonst erkennbar, so bekämpfen dann etwa Killerzellen vermehrt Viren, die eine Erkältung verursachen. Stresshormone hingegen nehmen ab. Klar: „Lachen ist gesund.“

Zwei Kannibalen verspeisen einen Clown. Sagt der eine: „Der schmeckt irgendwie komisch.“

Studien von Gelotologen ergaben, dass Schmerzpatienten nach befreitem Lachen Erleichterung erfahren. Das beobachten auch Klinik-Clowns, die nicht nur auf Kinderstationen sehen, wie gut Patienten das Lachen tut. Spezielles Lach-Yoga erfreut sich auch bei der Arbeit mit Senioren zunehmender Beliebtheit.
Lachen spielt ganz unterschiedliche Rollen in den Religionen. Das Judentum hat eine lange  und lebendige Tradition von Witzen und Scherzen. Der jüdische Witz ist meist fein und hintergründig. Mit seiner Hilfe ließen sich wohl die schwierigen (Über-)Lebensbedingungen in der Diaspora, leidvolle Erfahrungen von Mangel, Unterdrückung und Konflikten leichter ertragen. 

Ein Rabbi betet: „Lieber Gott, mein Sohn ist Christ geworden.“ Gott: „Meiner auch.“ Rabbi: „Und was hast du gemacht?“ Gott: „Ein Neues Testament geschrieben.“

Keinen Spaß kannte das Christentum, das Lachen war lange verpönt, denn in der Bibel findet der Gefühlsausbruch keine positive Erwähnung. Bei vielen Mönchsorden galt ein Lachverbot, während die reinigende Rolle des Weinens gepriesen wurde. Erst ab dem 12. Jahrhundert wurde etwa von Thomas von Aquin zwischen gutem und verwerflichem Lachen unterschieden.

Der kleine Ben spricht sein tägliches Abendgebet, als er plötzlich laut ruft: “Und ich bitte dich, liebes Jesuskind, bringe mir zu Weihnachten ein Fahrrad!“ „Du brauchst doch nicht so zu brüllen“, beruhigt ihn die Mutter, „das Christkind ist doch nicht schwerhörig.“ „Aber der Opa schon!“

Übrigens: Während Kinder pro Tag fast 200 bis 400 Mal herzlich lachen, kommen Erwachsene nur auf 15 Mal. Und manchmal muss man gerade in einer Situation in der man nicht lachen sollte, losprusten. Bloß jetzt nicht lachen! Aber auch dann hilft die Betrachtungsweise des Humoristen Karl Valentins: „Jedes Ding hat drei Seiten. Eine positive, eine negative und eine komische.“ 

 

Autorin: Andrea Reck

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