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Memmingen - Direkt neben dem Memminger Bahnhof befindet sich das 1901 erbaute ehemalige königliche Bayerische Postgebäude. Seit Herbst 2005 präsentiert sich in diesem Gebäude die MEWO-Kunsthalle. Als Ort für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts beherbergt sie die städtischen Sammlungen zu den in Memmingen geborenen Malern Max Unold (1885-1964) und Josef Madlener (1881-1967). Ferner werden in der Kulturstätte Sonderausstellungen zur zeitgenössischen und gegenwartsbezogenen Kunst gezeigt. Das Dachgeschoß beherbergt eine umfangreiche Graphiksammlung.

 Der in Memmingen geborene und in München verstorbene Maler, Grafiker und Schriftsteller Max Unold machte sich als Exponent der Neuen Sachlichkeit einen großen Namen. Sie etablierte sich als neue Kunstrichtung der Weimarer Republik, ihr zeitlicher Rahmen wird mit dem der ersten Demokratie auf deutschem Boden gleichgesetzt. Neue Sachlichkeit übt sich in Rückbesinnung auf die Welt des Sichtbaren. Zugleich betreiben ihre Künstler die Hinwendung zu sozialkritischen Bildthemen. Seine Motive fand Unold vor allem im Großstadt- und im Vorstadtleben (Arbeiter, Menschen im Café, am Strand, beim Flanieren und bei anderen Freizeitbeschäftigungen).
Der im Vorort Amendingen geborene und Zeit seines Lebens in Memmingen beheimatete Dichter, Maler und Illustrator Josef Madlener maß seinem Bildzyklus „Gott, Erde und Ewigkeit“ ganz besondere Bedeutung zu, weil er seine christlich-mystische Philosophie und visionäre Weltsicht widerspiegele. Der Verbleib seiner Originale blieb 60 Jahre lang unbekannt. Sein künstlerischer Nachlass wird in der MEWO-Halle verwahrt.
Während am 1. November die am 12. Juni gestartete Ausstellung zur Barrierefreiheit „im PERFEKT“ zu Ende gegangen ist, begann vor wenigen Tagen bereits die nächste, die bis 16. Januar 2022 läuft. Sie trägt den Titel „Der Kreis“ und ist eine Ausstellung zum Jubiläum der Memminger Künstlervereinigung, die seit über 40 Jahren besteht und einmal fast 40 Mitglieder zählte. Im Lauf dieser vier Jahrzehnte ist die Vereinigung Institution geworden, weil der weitgehend informelle Zusammenschluss von Künstlern aus Memmingen und der Region das Geschehen um die bildende Kunst in der Stadt bestimmte. Statt eines Vereinsstatuts gab es die Überzeugung: Kunst gehört in die Mitte der Gesellschaft!
Diese Überzeugung entspricht auch dem Credo des Leiters der Kunsthalle, Dr. Axel Lapp. Im Gespräch hebt er das „sehr gemischte Programm“ von lokaler Kunst, aber auch die Präsentation internationaler Kultur hervor. So sind in der jetzt zu Ende gehenden Ausstellung „imPERFEKT“ neben den Werken deutscher Künstler auch Werke von Künstlern aus England, der Schweiz und Frankreich zu sehen.

 

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Früh übt sich, wer eine Künstlerin werden will. Agnes Keil zeigt, wie sie anfing ...

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... daraus wurde ein „Schreitender“ (Aluminiumguss auf Stahlsockel, Höhe 305 cm). Foto: Heel

Spannend an der neuen Kunstschau „Der Kreis“ ist, dass die zehn ausstellenden Künstler pro Nase drei Werke präsentieren: eines aus der Zeit der ersten Ausstellung des „Kreises“, ein aktuelles und eines aus der Zeit dazwischen. So werden fast fünf Schaffensjahrzehnte mit zum Teil erstaunlichen Entwicklungen abgedeckt. Wie zum Beispiel bei Diether Kunerth, dem bereits zu Lebzeiten in Ottobeuren ein stattliches Museum (Museum für zeitgenössische Kunst) gebaut wurde, führte manche Entwicklung steil nach oben.
Die früher in Memmingen, heute in Leutkirch-Engerazhofen lebende Künstlerin Agnes Keil ist mit einer Zeichnung der 70er Jahre vertreten, als sie noch Kind war. Außerdem mit einer Miniatur aus den 90er Jahren. Und ihre Skulptur „Schreitender“ (Aluminiumguss auf Stahlsockel, Höhe 305 cm) von 2020 dokumentiert ihre imposante persönliche Entwicklung. Aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, verändert sich der Haltungsausdruck von kraftvoll bis zu ruhig lässig schreitend, wodurch das für den öffentlichen Raum gedachte Kunstwerk lebendig wirkt. Um die Arbeit herumzugehen lohnt sich, sagt Keil. Dabei werde deutlich, wie Bildhauerei immer mit dem Raum interagiert.
„Kultur für alle“ hat sich die MEWO Kunsthalle auf ihre Fahnen geschrieben. Folgerichtig ist der Eintritt kostenlos. Nach den Worten des Leiters Axel Lapp „kommt das sehr gut an“. Eintrittsgeld würde für viele Leute eine „bildende Hürde“ bedeuten, von der sie Abstand nehmen würden. Der kostenfreie Eintritt ist jetzt bis April 2022 festgelegt, dann muss der Stadtrat über den weiteren Fortbestand entscheiden. Den würde der Museumsleiter sehr begrüßen.

 

Autor: Horst Hacker

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