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Friedrichshafen - Ein Flugboot, das Weltgeschichte geschrieben hat. Das Dornier Museum feiert 50 Jahre Rückkehr der legendären Do 24 in ihre Heimat an den Bodensee. Seit Anfang September wird das weltweit einzigartige Amphibienflugzeug dort der Öffentlichkeit präsentiert, eine begleitende Ausstellung erzählt dabei von dessen ereignisreicher Geschichte.

 Diese begann im Jahr 1944. Seitdem wurden rund 200 Maschinen dieses Typs als Rettungs- und Transportflugboote ausgeliefert und oft unter schwierigsten Bedingungen für Rettungsmissionen eingesetzt. So wurden während der Kriegszeit rund 120.000 Schiffbrüchige im Mittelmeerraum, der Nord- und Ostsee, dem Atlantik und Ärmelkanal aus Seenot gerettet. An den Brückenköpfen der deutsch-russischen Front wurden zudem rund 146.000 Menschen aus Ostpreußen und Hinterpommern evakuiert.
Dies sind beeindruckende Zahlen, viel wichtiger sind aber die Einzelschicksale, die hinter diesen stehen, so wie jenes der sechs Geschwister Gutsch, die im Winter 1945 ohne ihre Eltern vor der Roten Armee flüchten mussten. Wie ein Wunder kommt es diesen vor, als am Morgen des 4. März 1945 Flugboote des Typs Do 24 der deutschen Seenotgruppe 81 wie am Fließband auf dem Kamper See wassern und schließlich mit den Flüchtlingen an Bord abheben. Und dies ist nur eines von vielen Beispielen. „Dieses Flugboot steht wie kaum ein anderer Flugzeugtyp in der Welt für den humanitären Gedanken in der Luftfahrt“, erklärt Elmar Wilczek, letzter Programmleiter Seeflugwesen bei der Dornier Luftfahrt GmbH.

 

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Historische Aufnahme der Do 24 im Rettungseinsatz.

 

Die letzte noch existierende Do 24 tat auf Mallorca für die spanische Luftwaffe ihren Dienst, ehe sie verschrottet werden sollte. Zum Glück kam es anders. Claudius Dornier, einer der Söhne von Firmengründer Claude Dornier, kaufte das Flugboot für eine symbolische D-Mark und brachte es zurück in die Heimat. Am 6. August 1971 wasserte die letzte flugfähige Do 24 vor dem Dornier Werk in Immenstaad. Der Überführungsflug startete drei Tage zuvor auf Mallorca. Mit an Bord war Claudius Dorniers damals zwölfjähriger Sohn Iren, der sich von da an in das Flugzeug verliebte. Auch sein Vater hatte anderes im Sinn, als die Maschine im Museum verstauben zu lassen. Claudius Dornier glaubte an die Zukunft einer modifizierten und modernisierten Do 24. So wird das Flugboot Anfang der 1980er Jahre für rund 40 Millionen D-Mark zu einem amphibischen Versuchsflugzeug zur Erprobung neuer Technologien umgebaut. Die Do 24 wird fortan als ATT bezeichnet, das Kürzel steht für “Amphibischer Technologie-Träger“. „Diese Kombination aus Wasser und Luft, das war das Schönste, was ich als Testpilot erlebt habe“, schwärmte der mittlerweile verstorbene, damalige Testpilot Dieter Thomas. Auch sein heute 80-jähriger Kollege José Luis Ferragut aus Spanien pflichtet ihm bei. Er bezeichnet die Maschine als „Juwel“ und fügt hinzu: „Es ist das beste Wasserflugzeug, das je gebaut wurde.“
Nach ihrem Einsatz als Versuchsträger wurde die Do 24 ATT 1992 von Daimler Benz gekauft und als Leihgabe im Deutschen Museum München geparkt, ehe Iren Dornier sie über zehn Jahre später aus ihrem Museumsschlaf erlöste und auf den Philippinen aufwändig restaurieren lies, von wo aus das Flugboot dann zu einem Flug um die Welt aufbrach. Nach 86 Stopps in 36 Ländern für das Kinderhilfswerk Unicef ist das legendäre Luftschiff nun wieder zu Hause, dort wo einst alles begann.

 

José Luis Ferragut Pilot und Kapitän der letzten Do 24

Der heute 80-jährige José Luis Ferragut (rechts) war Pilot und Kapitän der letzten Do 24.

 

Aktuell kann die Do 24 ATT erstmals in der Ausstellung des Dornier Museums als Exponat besichtigt werden. „In der Form und Ausstattung, wie das Flugboot heute in unserer Ausstellung steht, ist es weltweit einzigartig und ein weiteres Zeugnis für den Pioniergeist und die Experimentierfreudigkeit von Dornier bis in die heutige Zeit“, so Museumsdirektor Peter Rien. So ganz den Ruhestand antreten darf die Maschine aber noch immer nicht, zumindest wenn es nach Iren Dornier geht, der das Flugboot wieder fliegen möchte, sobald er die Zulassung erhält: „Die Do 24 ist kein verstaubtes Museums-Exponat. So lange ich auf den Beinen bin, soll sie sich in die Lüfte erheben können.“
www.dorniermuseum.de

 

Autor: Alexander Koschny

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