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Ravensburg/Mochental - Sein Name ist Programm. Der Künstler Helmut Sturm hat mit seinem kraftvollen, farbmächtigen Œuvre nicht nur malerisch im noch grauen Nachkriegsdeutschland für Aufsehen gesorgt, indem er mit seinem offenen, dynamischen Malprozess frei von Konventionen die Verbindung von Gegenständlichem und Abstraktem suchte, sondern er hat auch als Mitbegründer der Künstlergruppe SPUR (1957–1965), eine der ersten Avantgardebewegungen im Nachkriegsdeutschland, maßgeblich zur künstlerischen Aufbruchstimmung der 1960er-Jahre beigetragen. Gleich an zwei Orten im BLIX-Land gibt es derzeit Bilder des Künstlers zu sehen.

 Das Kunstmuseum Ravensburg widmet noch bis 1. November dem 2008 verstorbenen Künstler die vielgestaltige Ausstellung „Spielfelder der Wirklichkeit“, ebenso findet sich im Rahmen der Jubiläumsausstellung „Schlaglichter aus fünf Jahrzehnten Galeriearbeit“ in der Galerie Schrade im Schloss Mochental eine Sammlung des Malers.
Fünf Jahrzehnte gestaltete auch Helmut Sturm, geboren 1932 im bayerischen Furth im Wald, das Kunstgeschehen in Deutschland maßgeblich. In den fünf Jahrzehnten seines Schaffens gehörte der langjährige Professor an der Kunstakademie München (1985–1998) ebenfalls zu den zentralen Akteuren der Künstlergemeinschaften SPUR WIR, GEFLECHT und KOLLEKTIV HERZOGSTRASSE und war für kurze Zeit eng mit der Situationistischen Internationale verbunden. Getragen von Neugier, Experimentierfreudigkeit und Idealismus hat sich Helmut Sturm – sowohl im intensiven Austausch mit anderen KünstlerInnen wie im einsamen Dialog mit der Leinwand – die permanente Befragung seiner Malerei zur Lebensaufgabe gemacht. Die Leinwand verstand Sturm als ein „räumlich bewegtes Spielfeld“, in dem sich Geschlossenheit und Expansion, Konstruktion und spontaner Gestus mit „allerlei Gerümpel aus der Spielzeugkiste der Wirklichkeit“ verbinden.
In Ravensburg ist die Präsentation eingebettet in den gesellschaftspolitischen Kontext der Nachkriegsjahre. Im Sammlungsraum im Erdgeschoss gibt das filmische Porträt »Gruppe SPUR – Die Maler der Zukunft!« (2019) von Sabine Zimmer einen einzigartigen Einblick in das malerische und gesellschaftspolitische Wirken der Künstlergruppe SPUR (1957–1965). Eine umfangreiche Präsentation der sieben SPUR-Zeitschriften (1960/61) komplettiert das Verständnis der Gedankenwelt dieser Avantgardebewegung, die ihre Kunst als Provokation verstand. „Wir sind (…) gegen das gute Gewissen, gegen den fetten Bauch, gegen Harmonie“, heißt es in einem 1958 veröffentlichten Manifest im Wirtschaftswunderland. Es dauerte noch zehn Jahre bis mit den 68-ern der politische Sturm begann.

 

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Helmut Sturm, Ländlicher Konflikt, 1962. Foto: Archiv Helmut Sturm/Richard Beer

 

Autor: Roland Reck

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