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Biberach/Ulm - Der Dramatische Verein will zum Jahresende in der Stadthalle das Theaterstück „Monsieur Ibrahim oder die Blumen des Koran“ aufführen. Gemeinsam proben dürfen die acht Darsteller aber nicht.

 Corona-bedingt schlossen am 2. November bundesweit neben Kinos auch Theater, Konzert- und Opernhäuser. Obwohl es dank großer Abstände und ausgiebiger Hygienekonzepte nirgends Corona-Fälle gab. So bedauert etwa das Theater Ulm, das einzige Dreisparten-Haus der Region, auf seiner Homepage: „Wir bedauern die abermalige behördlich angeordnete Schließung des Theaters sehr, vor allem auch in Anbetracht der geleisteten umfangreichen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen und der Disziplin des Publikums in allen Spielstätten, und hoffen, ab Dezember wieder für Sie spielen zu können. (…) Bleiben Sie gesund!“
Das Theater Ulm hatte im November seine Fensterfront an der Fassade mit den hinfälligen Spielplänen blickdicht verklebt. Mit der Schlagzeile „Bordelle zu! Spaßbäder zu! Theater zu!“ bezieht es sich auf die Ausführungen der Bundeskanzlerin, die Bordelle und Theater als „Einrichtungen“ zur „Freizeitgestaltung“ bezeichnete. Zudem hat sich das Theater Ulm entschlossen − in Solidarität mit der Kampagne „Ohne Kunst und Kultur wird‘s still“ − im Monat November auch in den sozialen Medien keine Theaterangebote digital bereitzustellen, anders als im Lockdown von März bis Juni. Der Probenbetrieb geht − mit den momentanen Einschränkungen, wie Abstands- und Hygieneregeln sowie andauernde Kurzarbeit von Teilen der Belegschaft − weiter in der Hoffnung, dem Publikum im Dezember wieder einen Theaterbesuch ermöglichen zu können. Ebenso wie das Landestheater Schwaben in Memmingen.
In einer so schwierigen Situation plant der Dramatische Verein e.V., kurz Dram genannt, der 1686 gegründete, älteste Amateur-Theater-Verein Deutschlands, zum Jahresende die Aufführung der Bühnenversion eines wunderbaren Romans von Eric-Emanuel Schmitt. Eine religionsübergreifende Parabel über Toleranz und Güte. „Monsieur Ibrahim oder die Blumen des Koran“, die Geschichte einer Freundschaft zwischen dem zwölfjährigen Momo und einem alten Ladenbesitzer im Paris der Sechzigerjahre (2004 mit Omar Sharif verfilmt) ist voller Weisheit aber auch voller Humor.
Seit September arbeitet Regisseur Thomas Laengerer bereits am Stück. Eins-zu-eins-Proben beim Spielleiter zu Hause sind erlaubt, Proben im Komödienhaus hingegen nicht. Laengerer ist seit bald 20 Jahren Spielleiter beim Dramatischen Verein. Der Vorstand des Vereins hatte ursprünglich für Silvester „Wie im Himmel“ geplant, was schon wegen des notwendigen Chores während des ersten Shutdowns der Corona-Pandemie abgesagt werden musste. Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ schien zu düster, „Monsieur Ibrahim“ passt.
„Wir haben nach einem Stück gesucht, das wir den Pandemiebedingungen anpassen können“, erklärt der 64-Jährige. „Wir halten Abstand, bringen keine Massenszenen auf die Bühne und halten alle Hygieneregeln ein. Das Stück ist wunderbar. Es zeigt, wie Kulturen und Religionen miteinander leben können, wenn sie den Mut aufbringen, sich zu verstehen und zu respektieren. Es vermittelt die Botschaft des Pädagogen, macht deutlich wie man Jugendlichen einen Weg ins Leben zeigen kann. Wir haben vier Lieder zum Stück geschrieben, die wir neben einigen französischen Chansons einfügen könnten – aber dürfen wir auf der Bühne singen, musizieren?“ Das, wie vieles andere Unwägbare, weiß Laengerer Mitte November freilich noch nicht, aber er hofft.
Thomas Laengerer leitet in der Jugendkunstschule (Juks) seit Jahren jeden Dienstag einen Actors-Workshop, aus dem er drei junge Talente mitbringt. Sie bilden mit den fünf Dram-Schauspielern ein spielfreudiges, kleines Ensemble. Die Aufführung ist ihm ein großes Anliegen: „Wir sind hier, nicht um auf der Rampe zu stehen. Wir machen Kultur. Theater ist wichtig als Kommunikationsort, als Ort der Katharsis, der seelischen Reinigung. Zuschauer erinnern sich lange an emotionale, berührende Momente im Theater. Außer im Krieg fiel das Silvesterstück übrigens nie aus. Wir müssen dieses Zeichen setzen“. Mitunter kämpft der Theater-Enthusiast mit den Tränen. „Ich versuche, ein großer Optimist zu sein“, sagt er trotzig, und ist überzeugt, dass das Stück aufgeführt werden kann. Wenn nicht an Silvester, dann später - aber so bald wie möglich.
Der Dramatische Verein Biberach e.V. plant am Silvester, 31. Dezember 2020 in der Stadthalle Biberach die Premiere des Theaterstücks „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“. Weitere Aufführungen: am 8., 9., 15. und 16. Januar jeweils um 19:30 Uhr.
Vorverkauf ab 4. Dezember im Rathaus zu den üblichen Öffnungszeiten,
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Text und Foto: Andrea Reck

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