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Wo läuft er denn? Wer hat ihn schon gesehen? Meister Lampe, das Langohr? Alle Jahre wieder bekommt er zu Ostern ein Weidenkörbchen gefüllt mit bunten Eiern auf den Hasenrücken gebunden, beflügelt Kinderphantasien und lässt Erwachsene kindisch werden. Der Osterhase – ein Fabelwesen von natürlicher Abstammung.

Noch gibt es ihn, den Feldhasen, der dem Osterhasen Modell stand und in alter Zeit wegen seiner Fruchtbarkeit ein Frühlingsbote war. „Lepsus Europaeus“ nenn er sich vornehm in Latein. Ein Steppenbewohner ist er, dem das Wetter in unseren Breiten häufig genug zu schaffen macht. Insbesondere den Junghasen, die leider nicht in einem kuscheligen Nest aus dem Ei schlüpfen oder wie die Kaninchen im trockenen Bau geboren werden, sondern ganz karg und ungeschützt in einer Erdmulde, behaart und sehend, das Licht der Welt erblicken.
Und die sieht für so ein kleines Häschen von hundert Gramm sehr, sehr bedrohlich aus. Alle, alle wollen es fressen: Füchse, Raben, Bussarde und Wiesel und, und, und. Da soll es kein Angsthase werden. Zu seinem Leidwesen hat es auch noch eine Rabenmutter, die erst nach Einbruch der Dunkelheit ihre Jungen, zwischen einem und drei an der Zahl, säugen lässt. Kein Wunder, dass von den acht Junghasen, die eine Häsin von März bis Oktober so durchschnittlich auf die Welt bringt, sechs das nächste Frühjahr nicht erleben. So ein Häschen hat ein Hundeleben. 

Weil es davon tendenziell immer weniger gibt, hat das Bundesamt für Naturschutz 1998 Osterhasens Vetter auf die Rote Liste gefährdeter Tierarten gesetzt. Lebensraumverlust, Klima, Krankheiten und Parasiten nennen die Experten als Ursachen für den drastischen Rückgang. Aber auch Nahrungsmangel, Nahrungsvergiftung und die landwirtschaftliche Produktionsmethoden machen den Langohren zu schaffen. Dazu kommen natürliche Feinde, die Jagd und der Mensch mit seinem Automobil. Im Straßenverkehr würden jährlich etwa hunderttausend der schnellen Läufer überfahren, schätzen Tierschützer.

Ostern BLIX April03 Foto Manfred Danegger Neu

Von wegen sanfte Hasen - sie mögen‘s rau beim Liebesspiel. Boxkämpfe gehören zum Vorspiel, und die Häsin verprügelt ihren Rammler zur Prüfung, bevor sie willig ist.

Warum sind seine Eier bunt?

Als Steppentier kam der Hase erst im Zuge von Waldrodungen in den letzten 4000 Jahren aus dem osteuropäischen und vorderasiatischen Raum in unsere Breitengrade, aber woher kommt der Eier legende Osterhase?
Im germanischen Glauben früh verehrt, tauchte im Mittelalter neben Ostereiern und Osterzinsgeschenken immer häufiger auch Meister Lampe auf. Ja, bald erscheint er alljährlich sogar als willkommene Festtagsspeise, entweder als wirklicher Hase oder als Gebäck in Hasengestalt. Als man von den für die österliche Speisensegnung bestimmten Eiern das eine oder andere in das hasenförmige Brot einbuk, war der Eier legende Osterhase geboren.
Und weil der Hase wegen seiner fehlenden Augenlider mit offenen Augen schläft, wurde er als Symbol des im Tod nicht entschlafenen Jesus betrachtet. In dieser Eigenschaft taucht er erstmals im Jahr 1682 am Oberrhein, im Elsaß und in der Pfalz auf, von wo er dann später auch in den Schwarzwald, auf die Baar und nach Oberschwaben kam und die alten Eierbringer wie Fuchs, Hahn und Henne verdrängte.

Und warum sind seine Eier bunt? Um die gekochten Ostereier von den rohen „Antlaßeiern“, die der weltlichen oder geistlichen Obrigkeit als Herrschaftszins entrichtet werden mussten, unterscheiden zu können, wurden sie oft mit Zwiebelschalen gekocht und eingefärbt, damit sie bei der Segnung in der Kirche nicht durcheinander gerieten. Frohe Ostern!

Feldhasen Superjahr

4 HaseDie Freude ist groß bei den amtlichen Hasenzählern, denn „im Frühjahr 2019 tummelten sich so viele Feldhasen wie nie zuvor seit den ersten Aufzeichnungen vor über 25 Jahren“, lässt die Wildforschungsstelle in Aulendorf wissen. Danach lebten im letzten Jahr landesweit rund 15 Feldhasen auf einem Quadratkilometer Offenlandfläche.
„Das ist keine Selbstverständlichkeit“, stellt der Wildbiologe Janosch Arnold fest, „denn die Langohren sind seit Mitte des letzten Jahrhunderts immer seltener geworden. Starke Veränderungen in der Landnutzung, Flächenversiegelung und zunehmender Straßenverkehr haben seine Lebensräume verschlechtert, hinzu kommen Krankheiten und zahlreiche Fressfeinde“.
Die Feldhasenpopulation wird im Frühjahr und im Herbst in über 160 Revieren in Baden-Württemberg systematisch erfasst. Das Jahr 2018 war aufgrund der sehr trockenen Witterung besonders günstig für die Charakterart der Feldflur. Der Zuwachs, die Anzahl der bis zur Herbstzählung hinzugekommenen Hasen, lag deshalb mit 25 Prozent überdurchschnittlich hoch. Das erklärt auch die hohen Dichten im Frühjahr 2019.
Davon profitieren wir hoffentlich auch im Frühjahr diesen Jahres, wenn alle Kinder und kindische Erwachsene wieder sehnsüchtig auf den Osterhasen warten.

 

Autor: Roland Reck

Fotos: Manfred Danegger

 

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