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Schwäbische Alb - Knapp eine Stunde fährt man von Biberach zum Infozentrum des Biosphärengebietes Schwäbische Alb bei Münsingen. Man kann die meisten Ziele aber auch gut mit dem ÖPNV ansteuern. Für Radfahrer und Wanderer ein ideales Terrain.

 

Radsportbegeisterte haben im 850 Quadratkilometer großen Biosphärengebiet die Auswahl zwischen Qualitäts- und Themenradwegen in unterschiedlichen Längen und Schwierigkeitsgraden. Beim Info-Zentrum in Münsingen kann man E-Bikes leihen, an vielen anderen Orten gibt es Fahrräder mit und ohne Motor zu mieten, sogar Tandems mit und ohne Picnic-Korb. Hilfreich sind die speziell ausgestatteten Rad- und Wanderbusse, um einige Höhenmeter des Albtraufs kräftesparend zu überwinden. Der Verein Mythos Schwäbische Alb e.V. hat für den Landkreis Reutlingen 17 abwechslungsreiche Radtouren ausgeschildert, die zu besonderen Sehenswürdigkeiten oder entlang von Flüssen und Tälern führen. Die Wege unterschiedlicher Länge bieten die passende Strecke für jeden Wunsch. 14 Touren führen zudem durch den Alb-Donau-Kreis. Wir entscheiden uns für eine Radtour im ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen, dem Herzstück des Biosphärengebietes Schwäbische Alb. Vom Parkplatz Trailfinger Säge steuern wir zunächst den Aussichtspunkt Gänsewag an und rollen durch die stille Weidelandschaft, die jahrhundertelang von Schafen geprägt wurde. Ab und an erinnern rostende Panzersperren daran, das hier Militär zugange war. Schon Ende des 19. Jh. Bestand ein Übungsgelände des Königlich Württembergischen Armeekorps. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis 2005 rollten zunächst unter französischer Regie Panzer und es wurden Schießübungen gemacht. Da noch immer Munition und über eine halbe Million Blindgänger auf dem Gelände vermutet werden, ist das Verlassen der markierten Wege – großteils Beton- und Asphaltstraßen, teilweise Schotterpisten aber gelegentlich auch ein paar Meter Kopfsteinpflaster – verboten. Eindrucksvoll ist die Stille rundum: nur Vogelgezwitscher statt Verkehrslärm. Prächtige Schwalbenschwanz-Schmetterlinge flattern über die mageren Wiesen, die noch nie geeignet waren für den Anbau von Getreide. Zwei Stahlgittertürme (Waldgreut, 20 Meter, und Husch, 42 Meter) sorgen für weite Blicke über die karge Landschaft des Karstgebirges. Nach gemütlichen zwei Stunden ist Gruorn erreicht. An der Stephanuskirche des Dorfes, das 1937 verlassen werden musste, befinden sich Gräber, die von einem Verein liebevoll gepflegt werden. Ein weiteres Haus konnte noch vor dem Verfall gerettet werde, das Schulhaus, in dem ein Gasthaus und ein Museum untergebracht sind. Leider sind die angegebenen Öffnungszeiten nicht ganz zuverlässig, so dass wir unsere mitgebrachten Reserven aufbrauchen, während wir ganz alleine die eigenartig friedliche Atmosphäre des verlassenen Ortes genießen.

 

Autofreie Radwege auf dem ehemaligen Truppenuebungsgelaende

Autofrei lassen sich die Rad- und Wanderwege auf dem ehemaligen Truppenübungsgelände genießen. Foto: Andrea Reck

 

Leidenswege
Auf der Homepage des Biosphärengebiets findet sich beispielsweise die konditionell fordernde Königsetappe beim MTB-Alb-Crossing vorbei an mittelalterlichen Burgruinen von Bad Urach bis Erpfingen. Für 80 Kilometer, 1508 Höhenmeter bergauf und 1250 bergab werden neun Stunden und zehn Minuten veranschlagt. In zwei Stunden und zwanzig Minuten lässt sich hingegen per Muskelkraft die Grafeneck-Tour (eine Variante des Marbacher Gestütsradwegs) bewältigen. Sie ist 14,4 Kilometer lang und überwindet 153 Höhenmeter rauf und runter. Auch wenn der Besuch der Gedenkstätte Grafeneck alles andere als ein heiteres Urlaubsprogramm bedeutet, sei er allen ans Herz gelegt. Auf dem Gelände des ehemaligen Jagdschlosses wurden 1940 im Rahmen der „Euthanasie“-Verbrechen der Nationalsozialisten mindestens 10.654 behinderte und psychisch kranke Menschen ermordet. Eine Dauerausstellung im Dokumentationszentrum klärt über Hitlers Massenmordprogramm auf, das dem Völkermord an den europäischen Juden voraus ging.
www.gedenkstaette-grafeneck.de

Lieblingsplätze
Zu Fuß, mit Öffentlichen Verkehrsmitteln und mit dem Auto lassen sich zahllose lohnende Ziele ansteuern. BLIX bat Mitarbeitende des Biosphärengebietes um deren Lieblingsplätze. Genannt wurde nicht nur für Pferdefreunde der Gestütradweg Marbach. Ein weiterer Tipp: das Freilichtmuseum Beuren mit seinen 25 Originalgebäuden. In Schreinerwerkstatt, Schlafkammer, Stall, Scheune, Weberhaus, Back- und Waschhaus, Rathaus oder Fotoatelier wird Geschichte lebendig präsentiert. „Die Wimsener Höhle ist ein sehr idyllischer Ort mit hervorragender Gastronomie“, ist zu hören oder “einer meiner Lieblingsplätze ist der Breitenstein bei Bissingen-Teck. Da lasse ich gerne den Blick über die Streuobstwiesen schweifen bis nach Stuttgart“.
Unter www.biosphaerengebiet-alb.de findet man auch das Veranstaltungsprogramm. Zum Beispiel am 2.8. Junior Ranger Kids: Auf zum Bauernhof in Hayingen, am 6.9. Kochkurs Brot und Gemüse, am 7. und 8.9. Junior Rager: Sommercamp im Naturschutzzentrum Schopflocher Alb, am 9.9. Kreativkurs: Landschaft impulsiv — freie Malerei in Münsingen-Auingen, am 8. und 9.9. Flechtwerkstatt: Weidenkorb im Biosphärenzentrum Münsingen und vieles mehr.

 

Ehemaliger Truppenuebungsplatz Muensingen Foto Reiner Enkelmann

Ehemaliger Truppenübungsplatz Münsingen. Foto: Reiner Enkelmann

 

INFO: Zu Fuß von der Alb nach Oberschwaben

Wer vom bestehenden Biosphärengebiet Schwäbische Alb ins Gebiet des potentiellen Biosphärengebietes Oberschwaben wandern will, kann das Herzstück des Schwäbische-Alb-Oberschwaben-Weg nutzen. Dieser Hauptwanderweg 7 (HW 7) des Schwäbischen Albvereins führt über insgesamt 240 Kilometer von Lorch im Remstal über Göppingen und Bad Saulgau bis nach Friedrichshafen durch sieben Landkreise Baden-Württembergs. Vom Schwäbischen Wald über die Schwäbische Alb über Zwiefalten, den Bussen am Federsee vorbei bis an den Bodensee. Von Laichingen bis Bad Saulgau sind es rund 90 Kilometer. www.wege.albverein.net/wanderwege/hauptwanderwege/hw7/
Will man erst mal kürzere Strecken wandern, empfiehlt sich ein Blick in das Büchlein „Hochgehberge“ zum Runterkommen aus dem J.Berg-Verlag (15,99 EUR). Dieter Buck empfiehlt darin 13 Touren zwischen zwei und drei Stunden, vier und 14 Kilometern sowie 70 und 580 Höhenmeter im und um das Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Ausführliche Wegbeschreibungen, Detailkarten und herunter zu ladende GPS-Tracks machen ein Verlaufen fast unmöglich. Sehr empfehlenswert mit Kindern ist beispielsweise die Wanderung zur Nebelhöhle und nach Schloss Lichtenstein.

 

Autorin: Andrea Reck

 

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