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Leutkirch - Es geht letztlich um das Große & Ganze, das im Kleinen beginnt. Artenschutz & Klimaschutz lassen sich im Kleinen gut vereinen – mit Hilfe von großen Tieren. Wasserbüffel dienen dem Erhalt von artenreichen Feuchtgebieten und bieten Schutz & Nutzen. Die großen schwarzen Tiere finden sich aber auch andernorts in Oberschwaben. Eine Spurensuche mit Ausflugstipp.

 

Der Stadtweiher Leutkirch wird aus einem großen Einzugsgebiet gespeist. Entlang des Zulaufbachs liegt das Naturschutzgebiet Moosmühle, das eine Schilfwüste war bis nun die Wasserbüffel die Fläche unter ihre Hufe genommen haben und die Mäuler der 20-köpfigen Herde Schilf und Gehölz niederhalten.
Die Heinz-Sielmann-Stiftung ist auf dieses Feuchtbiotop aufmerksam geworden und hat bei der Stadt Leutkirch für die Ansiedlung von Wasserbüffeln ein offenes Ohr gefunden. Die sechzehn Hektar sind im Besitz der Stadt. Lange Zeit sind die Streuwiesen genutzt und später über Pflegeverträge von Landwirten gemäht worden.  Aber für das Gras der Feuchtwiesen hat ein moderner Milchviehbetrieb keine Verwendung. Verbuschung setzte ein als die zweimalige Mahd pro Jahr aufgegeben worden war. Also, was tun?
Das Wasserbüffel-Projekt ist Teil von „Sielmanns Biotopverbund Ravensburg“, initiiert durch ein Modellprojekt mit Finanzmitteln des Landes Baden-Württemberg. Die Tiere sind Eigentum der extra neu gegründeten „Wielazhofer Wasserbüffel-Gemeinschaft“, einem Zusammenschluss örtlicher Bauern. Für Zaun- und Stallbau sowie Planung der Offenlandhaltung der Fläche östlich des Stadtweihers im Gewann Moosmühle hat die Heinz-Sielmann-Stiftung 110.000 Euro beigetragen. „Die Schaffung von vielfältigen Strukturen und Lebensräumen durch die extensive Beweidung mit Wasserbüffeln ist das Ziel,“ so Anna-Gabriela Schmalstieg von der Heinz-Sielmann-Stiftung.
Einen Gewinn für die Biodiversität sieht auch Siegfried Roth. Der Leiter des Naturschutzzentrums Wurzacher Ried in Bad Wurzach: „Die extensive Beweidung ist ungemein hilfreich für artenreiche Weiden und das Offenhalten von nassen Moorflächen. Wasserbüffel sind hier die besten Landschaftspfleger.“
Für Besucher führt ein Rundweg vom Stadtweiherparkplatz an der Kemptener Straße in Richtung Moosmühle und weiter. Neue Sitzbänke laden zur Rast. Drei Info-Tafeln geben ausführlich über Flora und Fauna Auskunft. Die Erklärungen sind gut verständlich und zeigen viel Wissenswertes über Insekten, Vögel und Amphibien. Weil das Feuchtgebiet durch die Herde offengehalten wird, ist es somit der ideale Lebensraum für Biber, Fluginsekten, auf Mist angewiesene Käferarten und Bodenbrüter wie Kiebitz und Bekassine. Auch der Kuckuck wird angelockt. Nur der Laubfrosch ist noch nicht da.

 

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Wie ihr Name verrät, lieben Wasserbüffel das Nass und ein Schlammbad. 

 

Dem Milchgewinn verschrieben hat sich die Landwirtsfamilie Schrade in Spindelwag, Gemeinde Rot an der Rot. Morgens und abends kommen die Wasserbüffel-Kühe von der großen Weide an den Stall zum Melk-stand. Aus der gehaltvollen Milch machen die Schrades Eis zum Verkauf ab Hof. Mozzarella-Herstellung überlassen sie aber den Profis, einer Käserei in Mittelurbach und der Käserei in Gospoldshofen. „Die Kühe sind sehr brav und neugierig“, sagt Emma Schrade. Aber beim Melken wollen sie keinen Fremden sehen, schon gar nicht den Fotografen mit dem Klick-Klick aus dem Apparat.
„Ihr Fressverhalten schließt auch Binsen und Gehölze ein, die sind also ideale Landschaftspfleger für ungenutzte feuchte Naturschutzflächen“ berichtet Carlos Maurer aus Aichstetten. Ab 20 Grad brauchen sie Wasser zum Abkühlen, weil sie mit der sehr dicken Haut nicht schwitzen können. Weil sie gerne suhlen und baden machen sie damit den Boden auf, und das ist hilfreich für Amphibien und Bodenbrütern. Das ist sehr gut zu sehen oberhalb der Argenseen in Richtung Gebrazhofen. Dort hat Thomas Beckers und seine Familie schon seit dem Jahr 2007 mit Wasserbüffeln das Feuchtgebiet beweidet. Die Herde hat inzwischen sechzehn Köpfe.
Die Wielazhofer Herde geht auf rumänische Zuchtrichtung zurück, ist mehr Fleisch- als Milchrasse. Es reicht ein Bulle um für Nachzucht zu sorgen. Die Kälbchen sollen aber nicht im Winter kommen, deshalb wird er zeitweise separiert. Das geht mit Freßgitter im Offenstall. Sicht- und Leckkontakt bleibt erhalten. Die Tragezeit ist etwas länger als beim Rind, nämlich zehn Monate. Der Bulle sei sehr brav, sagt Bäuerin Spieß, aber bei Großvieh müsse immer Vorsicht gelten.
„Zwei ältere Damen regieren die Herde,“ hat der Wielazhofer Landwirt Anton Spieß beobachtet. Wenn so ein Kälbchen die Ohrmarke kriegt, passen die Mütter genau auf. „Da gehen wir nur als Gruppe hin, so sind die Kühe abgelenkt.“ Fünf Kälbchen sind in den vergangenen zwei Jahren gekommen. Davon werden die männlichen kastriert. Schlachtreife wird ab etwa neun Monaten erreicht. Für die Herde von zusammen zwanzig Tieren gibt es genügend Fläche und Futtergrundlage, im Winter wird im Offenstall Heu zugefüttert. Die Fleischvermarktung spielt noch keine große Rolle. Schlachtungen sind im Winter im Fachbetrieb Sonntag in Kisslegg. Fleischpakete, Würste und Hackfleisch-Paddys für Hamburger sind dann bei der Wasserbüffelgemeinschaft Wielazhofen zu kaufen. Hamburger selber grillen – nach einem Spaziergang um den Stadtweiher zur Moosmühle und auf den Rundweg um die Wasserbüffelweide – ein Vorhaben für den perfekten Ausflug.

 

Text und Fotos: Johannes Reichert

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