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Wer langweiligen Forstwegen wenig abgewinnen kann und nicht erst 900 Meter hinaufsteigen will, um ein großartiges Panorama zu genießen, dem sei der Wanderweg „Luftiger Grat“ bei Oberstaufen empfohlen. Bitte einsteigen in die herrlich altmodischen gelben Vier-Sitz-Gondeln der Allgäuer Hochgratbahn.

Von der Bergstation auf 1708 Metern eröffnet sich ein weiter Blick auf Allgäuer Gipfel, auf in der Ferne noch schneebedeckte Österreichische Berge des Alpenhauptkamms bis zum Schweizer Säntis. In einer halben Stunde lässt sich der Hochgrat Gipfel (1833 m) von der Bergstation aus besteigen, wenn man sich nicht gleich nach Westen auf den „Luftigen Grat“ begibt. In rund dreieinhalb Gehstunden ist die Talstation wieder erreicht.

 

Manchmal muss man die Haende zu Hilfe nehmen

Manchmal muss man die Hände zu Hilfe nehmen.

 

Was allerdings jammerschade wäre. Man ließe sich dann die urigen Einkehrmöglichkeiten in der Falkenhütte, der Alpe Oberstieg und der Alpe Unterstieg entgehen. Also unbedingt mehr Zeit einplanen! Immer am Grat entlang passiert man Seele-, Hohenfluhalp- und Eineguntenkopf. Der Weg im Nagelfluhgestein geht auf und ab, Wurzeln dienen oft als bequeme Stufen, bringen Hans-Guck-in-die-Luft aber leicht zum Stolpern. Also lieber Anhalten, um in Ruhe das herrliche Bergpanorama zu genießen. Trittstufen aus Riffelblech erleichtern mitunter Auf- und Abstieg und an manchen Stellen ist der Weg seilgesichert. Eine gewisse Trittsicherheit sollte man schon mitbringen aber auch bewegungsfreudige Kinder ab Schulalter haben ihren Spaß an den knorrigen Ästen und Wurzeln.
Das hier vorherrschende Gestein der Nagelfluhkette besteht aus Flusskieseln, die zu einem Konglomerat verbacken wurden. Einheimische nennen Nagelfluh auch Herrgottsbeton. Die Sedimentgesteine entstanden vor rund 20 Millionen Jahren als Ablagerungen der damaligen Alpenflüsse. Sie wurden von der Auffaltung der Alpen erfasst, verkippt und in die Höhe gehoben. Die unter großem Druck entstandenen Nagelfluhbänke bilden die großen Felswände und die Gipfel der Bergkette.
Statt vom Eineguntenkopf weiter vorbei an Türkenbund, Heckenrosen, Skabiosen-Flockenblumen, Kohlröschen, wildem Thymian, Trollblumen, Arnika, Eisenhut, Steinröschen und Alpenaster zum österreichischen Hochhädrich zu gehen, steigt der hungrige Wanderer vom alpinen Grat hinab. Genießt oben noch den Blick vom Aussichtsplateau nach Westen zu Gipfeln des Bregenzerwaldes, das Säntis-Massiv und den Bodensee. Manchmal reicht der Blick über Oberschwaben hinaus bis zur Schwäbischen Alb.

 

An der Alpe Oberstieg sitzen Sie in der ersten Reihe

An der Alpe Oberstieg sitzen Sie in der ersten Reihe.

 

Entscheidet man sich, vorbei an bunten Wiesen zur Falkenhütte hinunter zu schlendern, kann man mit Blick auf weidende Kühe ganz entspannt unter großen Sonnenschirmen an wuchtigen Holztischen essen. Über die ebenfalls bewirtschaftete Obere und Untere Stiegalpe geht’s vorbei an mächtigen über 300 Jahre alten Bergahorn-Bäumen und Weißtannen mit bis zu 6,50 Meter Umfang zurück zur Talstation der Hochgratbahn. Beide Alpen lohnen eine Einkehr. Die Melodie der Kuhglocken begleitet den gesamten Tag.
Eine interessante, etwas längere Variante ist, nach der Obere Stiegalpe links abzubiegen und über die Remmeleckalpe zum Imberg-Haus zu wandern. Von dort mit der Imbergbahn ins Tal und mit dem Bus zur Hochgratbahn. Fahrplan beachten! Für diese Route mit gut zehn Kilometern Strecke, 457 Höhenmetern im Aufstieg und 950 im Abstieg baucht man fünf Stunden Gehzeit.

Info: Die Berg- oder Talfahrt mit der Hochgratbahnkostet für Erwachsene 13,70 EUR, für Familien 34,80 EUR, Parken 3 EUR.
www.hochgrat.de

 

Text und Fotos: Andrea Reck

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