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Ochsenhausen - 25 Mal wird es im klösterlichen Fruchtkasten in Ochsenhausen die Große Sommerausstellung gegeben haben, wenn im Herbst diesen Jahres der Initiator und Organisator Michael Schmid-Sax als Mann für die städtischen Schulen und Kultur in den Ruhestand geht. Mit Chagall, Miro, Picasso verabschiedet sich der städtische Galerist nicht ohne Stolz mit „drei ganz großen Malern der klassischen Moderne“. Doch nicht alleine die großen Namen zählen, sondern „man sollte das, was man tut, lieben“, erklärt der 64-Jährige den Erfolg der Großen Sommerausstellung, die vom 3. Juli bis 9. Oktober zu besuchen ist.

 

Herr Schmid-Sax, Ihre letzte Große Sommerausstellung, die Sie verantworten, bevor Sie im Herbst in den Ruhestand gehen, präsentiert mit Chagall, Miró und Picasso noch einmal große Namen. Ihr Vermächtnis als Kulturamtsleiter und Galerist? Was verbindet Sie mit diesen Künstlern?

Der Begriff ‚Vermächtnis‘ ist mir zu hoch gegriffen. Aber natürlich freue ich mich, mit der 25. Auflage unserer Großen Sommerausstellung im Fruchtkasten drei außergewöhnliche Künstler präsentieren zu dürfen. Chagall, Miró und Picasso sind die drei ganz großen Maler der klassischen Moderne. Sie haben die Kunst des 20. Jahrhunderts entscheidend mitgeprägt. Auch ganz persönlich schätze und liebe ich diese Kunst sehr und habe im Laufe der Jahre von allen drei Künstlern bereits eine ganze Reihe von Ausstellungen gesehen. Und natürlich ist diese Ausstellung für mich auch von daher etwas Besonderes, als es die letzte Sommerausstellung ist, die ich als Galerist und Kulturamtsleiter verantworte. 

 

Welche Intention steckt hinter dieser jährlichen Kunstausstellung im Sommer, wann und mit wem begann die Reihe?

Die Reihe hat 1997 mit Arbeiten des inzwischen verstorbenen A.R. Penck begonnen. Seither haben wir in den letzten 25 Jahren bei unseren Sommerausstellungen im Fruchtkasten fast alles gezeigt, was Rang und Namen hat. Die Absicht war, mit der Großen Sommerausstellung ein populäres Ausstellungsformat zu schaffen, das nicht nur Kunstinteressierte anspricht, sondern eine breite Bevölkerungsschicht. Zugleich wollten wir damit hochkarätige Kunst nach Ochsenhausen holen, für die man sonst nach Stuttgart, München oder sonst wohin fahren muss. Dass dieses Konzept honoriert wird, zeigen unsere seit Jahren anhaltend hohen Besucherzahlen. Persönlich ganz besonders wichtig ist es mir, auch jungen Besuchern den Zugang zur Kunst zu ermöglichen. Deshalb bieten wir bei unserer Großen Sommerausstellung für Schulklassen seit vielen Jahren ein spezielles Schüleratelier für Schulklassen an, das sich großer Beliebtheit erfreut.

 

Gab es im Reigen der KünstlerInnen ein absolutes Highlight, von dem Sie womöglich selbst überrascht wurden?

Aus der Vielzahl an Ausstellungen ein absolutes Highlight herauszugreifen, fällt schwer. Denn alle Ausstellungen waren auf ihre Art einmalig, wurden sie doch stets speziell für den Fruchtkasten kuratiert und zusammengestellt. Wichtig war mir dabei stets eine große thematische Bandbreite. So haben wir neben den bereits genannten großen Namen bewusst immer wieder Kunst aus der Region und aus dem deutschen Südwesten gezeigt: etwa Jakob Bräckle, HAP Grieshaber oder Maria Caspar-Filser. Und immer wieder haben wir die klassische Malerei verlassen, indem wir etwa die Fotografien des bekannten oberschwäbischen Fotografen Rupert Leser gezeigt haben. Oder wir haben die Grenzen der künstlerischen Disziplinen überschritten, indem wir die Schriftsteller Hermann Hesse und Günther Grass nicht nur als Dichter, sondern auch als Maler vorgestellt haben. Persönlich überrascht war ich über die große Resonanz auf unsere Große Sommerausstellung 2018, bei der wir das künstlerische Werk der Sießener Klosterschwester Berta Hummel vorgestellt haben. Als Schöpferin der lieblichen Hummel-Kinder einst berühmt, ist sie heute weitgehend vergessen. Mit unserer Ausstellung konnten wir einen Beitrag dazu leisten, diese viel zu früh verstorbene Künstlerin wieder ins Bewusstsein zu rufen.

 

Kultur – und Kunst insbesondere – sind rechenschaftspflichtig, weil sie Geld kosten und die Stadtkasse häufig an der Stelle ein Loch hat. War es schwierig eine regional bedeutsame Kunstausstellung über die Jahre zu etablieren? Wie konnten Sie die Kritiker überzeugen?

Natürlich wurde im Laufe der Jahre immer wieder einmal über die Kosten der Ausstellungen diskutiert. Das liegt in der Natur der Sache, denn Ochsenhausen ist eine relativ kleine Stadt, die ihre Ausgaben im Blick behalten muss. Letztlich konnten wir aber auch die meisten Kritiker durch den Erfolg unserer Ausstellungen überzeugen. Die städtische Galerie im Fruchtkasten leistet mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln einen wichtigen Beitrag dazu, dass Ochsenhausen auch überregional wahrgenommen wird.

 

Joan2022

Joan Miró Palotin Giron, 1955, Lithografie © Successió Miró-VG Bild-Kunst, Bonn, 2022

 

Wann ist eine Kunstausstellung ein Erfolg? Wie lautet Ihr Erfolgsgeheimnis?

Das Patentrezept oder das Erfolgsgeheimnis für eine Ausstellung gibt es nicht. Natürlich sind die Besucherzahlen ein wichtiger Gradmesser, doch sollte man sie nicht zum alleinigen Maßstab machen. Wenn es so etwas wie ein Erfolgsgeheimnis doch geben sollte, dann sind es vielleicht die Vielfalt, die Stetigkeit des Tuns und der lange Atem, mit denen man das Publikum mit auf eine Entdeckungsreise in die Welt der Kunst nimmt. Und wie für alles gilt: Man sollte das, was man tut, lieben! Denn die Menschen spüren das.

 

Gibt es auch einen vergeblichen Versuch, eine bestimmte Künstlerin oder Künstler nach Ochsenhausen in den Fruchtkasten zu locken? Wie läuft die Organisation einer solchen Ausstellung?

Bis heute ist es stets aufs Neue eine Herausforderung, eine Ausstellung auf die Beine zu stellen, die einerseits attraktiv ist, die aber andererseits noch bezahlbar bleibt. Dieser Spagat ist im Laufe der Jahre zunehmend schwieriger geworden. Dabei holt man sich als Ausstellungsmacher natürlich auch mal den einen oder anderen Korb. So hätte ich im Fruchtkasten sehr gerne einmal das Werk von Wolfgang Laib gezeigt, der aus Schweinhausen stammt und durch seine Arbeiten aus Blütenpollen und Naturmaterialien mittlerweile weltweit bekannt ist. Leider habe ich von ihm eine Absage erhalten, aber immerhin per handschriftlichem Brief. Bei der Organisation unserer Sommerausstellung bedienen wir uns meist der Unterstützung von Galerien, die in Abstimmung mit uns die Arbeiten zusammentragen. Sonst wäre das für uns arbeitsmäßig nicht zu leisten. Doch auch so bleibt mit der gesamten Organisation einer Ausstellung noch so viel zu tun, dass es für mich jedes Jahr wieder eine Herausforderung ist. Denn schließlich leite ich die Galerie im Fruchtkasten mehr oder weniger nebenbei, da ich in meinem ‚Brotberuf‘ im Rathaus vor allem für die städtischen Schulen und Kindergärten verantwortlich bin.

 

Gibt es womöglich die ‚heimliche Liebe‘ neben den Großen, die in diesem Jahr zu sehen sind, die Sie besonders wertschätzen - ganz abseits der Besucherzahl.

Neben der Großen Sommerausstellung zeigen wir seit mittlerweile 35 Jahren auch ganz ‚normale‘ Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst aus der erweiterten Region. Dieser Teil der Galerietätigkeit ist mir ebenfalls sehr wichtig. Hierdurch sind über die Jahre hinweg zum Teil sehr enge Verbindungen zu Künstlern entstanden. Ich denke hier etwa an Horst Reichle aus Oberessendorf, der dem Fruchtkasten von Anbeginn an verbunden ist. Die von ihm geleiteten Maler- und Bildhauersymposien, bei denen bis zu 20 Künstler aus dem In- und Ausland im Fruchtkasten gearbeitet haben, sind bis heute Höhepunkte in der Geschichte unserer Galerie. Einen persönlichen Herzenswunsch in meinem letzten Jahr als Galerieleiter habe ich mir jetzt im Frühjahr erfüllt. Mit Emil Schumacher haben wir dabei einen in meinen Augen ganz großen deutschen Maler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorgestellt. Diese Ausstellung zu kuratieren und die kraftvolle Malerei Schumachers dann im Fruchtkasten zu erleben, war für mich ein besonderes Geschenk – auch wenn die Besucherzahlen der Ausstellung letztlich eher bescheiden waren. 

 

Im Herbst gehen Sie in den Ruhestand. War die Große Sommerausstellung das jährliche Sahnehäubchen bei Ihrem Job als Kulturamtsleiter?

Neben meinem Verwaltungsberuf im Rathaus der Stadt Ochsenhausen hat mein Herz stets in besonderer Weise für den Fruchtkasten geschlagen. Wer mich näher kennt, weiß das. Dieses wunderbare Gebäude aus dem Barock mit Kunst zu füllen und so der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, war für mich nicht nur ein Privileg, sondern stets auch Auftrag und Verpflichtung gegenüber der klösterlichen Vergangenheit unserer Stadt. Deshalb freue ich mich natürlich sehr, dass gerade bei unseren großen Sommerausstellungen so viele Menschen den Weg in unsere Galerie gefunden haben und hoffentlich auch in diesem Sommer erneut finden.

 

Sind Sie selbst künstlerisch aktiv – vielleicht eine Muse für den Müßiggang als Rentner?

Ich halte mich selbst für künstlerisch nicht talentiert und werde deshalb auch im Ruhestand lieber die Finger von Pinsel und Bildhauermeißel lassen! Bleiben wird aber meine Liebe zur Kunst. Ich freue mich darauf, endlich mehr Zeit zu haben, um mir auch die eine oder andere weiter entfernte Ausstellung anzusehen. Und darauf, die großen und kleinen barocken Kostbarkeiten, die es in Oberschwaben zuhauf gibt, zu Fuß oder mit dem Fahrrad wiederzuentdecken.

 

Autor: Roland Reck

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