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Burgrieden-Rot - Auf das 30-jährige Bestehen des Museums Villa Rot wird beim Jubiläumsfest am 10. Juli nicht nur mit Champagner angestoßen. Willi Siber gestaltete das Etikett einer limitierten Bier-Edition.

 

Den renommierten, international höchst erfolgreichen Künstler Willi Siber würde man nicht unbedingt in der lärmenden Abfüllstraße einer Brauerei erwarten. Doch der Frühaufsteher aus Dietenwengen lässt es sich nicht nehmen, Punkt acht Uhr zu verfolgen, wie innerhalb einer Viertelstunde 1500 Flaschen Helles mit dem von ihm gestalteten Etikett beklebt werden. Die Laupheimer Kronenbrauerei füllt das Jubiläumsbier mit dem limitierten Künstleretikett ab. Bei der Etikettierung assistieren Brauereichef Paul Eble neben dem Künstler auch der Vorstand der Hoenes-Stiftung Josef Pfaff. „Das ist ein Bekenntnis zum Standort im ländlichen Raum“, erklärt Siber, der zwar schon Label für hochwertige Weine kreiert hat aber noch nie für Bier. Siber sieht das Museum Villa Rot nicht als elitären Musentempel. „Wir schätzen die Fachleute, aber bei uns ist auch der Kegelclub willkommen“,
Behutsam nimmt der Künstler, der vor allem für seine Holz- und Metallobjekte berühmt ist, eine etikettierte Flasche in die Hand: “Ich bin zufrieden. Die Proportionen stimmen. Das hat ein hohes Maß an Sinnlichkeit.“ Das Bier wird beim Jubiläumsfest (siehe Kasten) ausgeschenkt und ist im Museumsshop der Villa Rot erhältlich.

 

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Das idyllisch gelegene Museum Villa Rot feiert sein 30-jähriges Bestehen.

 

„Das Klischee des unnahbaren Künstlers stimmt nicht bei mir. Ich habe das Glück, dass ich das, was ich mache, aus Leidenschaft mache und es zugleich mein Broterwerb ist“. Ein Glücksfall auch, dass seine Frau Stefanie Dathe, 2008 bis 2016 Leiterin des Museums im ehemaligen Fuggerschlösschen war. 1912 ließ Raymund von Fugger, der einer Nebenlinie der Augsburger Kaufmannsdynastie entstammt, ein Landschlösschen mit Blick ins Tal der Rot erbauen. Alexandra von Hornstein aus dem benachbarten Schloss Orsenhausen erwarb 1925 das Anwesen. Die letzte Bewohnerin der Villa, Feodora Hoenes (1903 -1983), Frau des Cellisten und Dirigenten Hermann Hoenes, (1900–1978), verfügte testamentarisch, das „Schlößl“ samt dem weitläufigen Villengarten zur Museumsanlage zu machen. Neun Jahre nach ihrem Tod, am 28. August 1983, wurde das Museum eröffnet. Der Historiker Dr. Norbert Deuchert, ein Experte der Kunst- und Kulturgeschichte Asiens, arbeitete als Museumsleiter die vorhandene Sammlung auf. Zunächst widmete man sich der Begegnung der Kulturen. Die ersten Ausstellungen „Kreuz und Lotus“ und „Schätze der Menschen und Götter“ stellten die Kunst Europas und Asiens einander gegenüber. Ab den 2000-er Jahren zeigte das Museum Villa Rot zudem Werke zeitgenössischer Künstler. Für frischen Wind sorgte die Kunsthistorikerin und Ausstellungskuratorin Dathe, mittlerweile Chefin des Museums Ulm. Thematische Gruppenausstellungen, die sich mit inhaltlichen und formalen Grenzbereichen von Kunst, Kultur und Gesellschaft auseinandersetzten, sprachen ein breites Publikum an. War zuvor den Besuchenden im Eingangsbereich charmant Kaffee in der Thermoskanne offeriert worden, so punktete man 2011 mit einem stilvoll möblierten Museumscafé mit leckerem Kuchenangebot im Tiefparterre.
Der Knaller aber war 2014 der Anbau einer Kunsthalle. Sie wurde ermöglicht durch die zweckgebundene Zustiftung des Künstlers Willi Siber. Diese Ergänzung der Kabinetträume des historischen Bestandsgebäudes mit seinen barocken, klassizistischen und im Jugendstil gebauten Elementen wurde entworfen vom Böblinger Architekturbüro Hinrichsmeyer & Bertsch. Mit seinen großen Glasflächen zum Park bietet es raumgreifenden Skulpturen, Plastiken und Installationen Platz.
Seit Bestehen des Museums Villa Rot konnten 72 Ausstellungen präsentiert werden. Hochkarätige Kammerkonzerte im nach dem Stifter Herrmann Hoenes benannten Saal ergänzen das Veranstaltungsangebot. Seit 2016 hat sich der jährlich im Oktober veranstaltete „Roter Kunstsalon“ als Kunstmesse weit über die Region hinaus einen Namen gemacht.
Josef Pfaff, von 2008 bis vor wenigen Wochen Burgriedens Bürgermeister, ist ebenfalls anwesend bei der Etikettierung des Jubiläumsbieres. „Wir haben auf dem Land keine Laufkundschaft, da muss man ein spannendes Programm bieten. Ein großer Glückfall für uns ist der Anbau, den Willi Siber ermöglicht hat.“ Siber ergänzt: „Man muss sich immer was einfallen lassen. Für mich als Künstler ist es ein schönes Gefühl, dass die Dinge für später aufgehoben sind. Meine Werke werden gut verkauft, ich habe kein großes Lager. Manches kaufe ich sogar schon zurück für die Stiftung. Ich bin selbst auch Sammler, das wird im Herbst gezeigt werden“. Man darf gespannt sein. Doch jetzt wird erst einmal das Jubiläum gefeiert. „Wir wollen den Menschen die Schwellenangst nehmen. Wir haben offene Türen. Schaut euch das mal an! Wer Probleme mit zeitgenössischer Kunst hat, genießt die wunderbare Umgebung“, so der Ratschlag aus berufenem Munde.

 

Percussion & Performance

Museumsleiter Thomas Schmäschke und sein Team hat für das Jubiläumsfest am 10. Juli von 11 bis 18 Uhr ein buntes Familienprogramm kreiert. Mit freiem Eintritt in die aktuelle Ausstellung „Der Bau – Hommage an Kafka“, einem Konzert mit dem Porter Percussion Duo (freier Eintritt, Anmeldung per Mail oder telefonisch unbedingt erforderlich), der Präsentation des Steiger Fahrzeuges von 1926, einem Kinderprogramm des Freundeskreises MACH MIT – Werkstatt für Kinder mit Museumspädagogin Erdmuthe Winter, Kinderschminken und dem Bau einer Leonardo da Vinci Brücke. Ab 14 Uhr gibt es ein Varietéprogrammsmit Clown, Jonglage und Stoffakrobatik und musikalische Unterhaltung mit den Dürnachtaler Musikanten. Um 15 Uhr steigt der Performance-Künstler Thomas Putze als „Höhlenmensch“ mit professioneller Geologenausrüstung in den ehemaligen Eiskeller der Villa. Kulinarisches bieten das Museumscafé, der Oberschwäbische Hof, „Mein Lieblingseis“ und die Laupheimer Kronenbrauerei Eble. www.villa-rot.de

Autorin: Andrea Reck

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