BLIX Banner1

Bad Saulgau - Das Leben in seiner kulturellen Vielfalt ist zurück, das kann man vielerorts in diesem Sommer beobachten. Nach zwei Jahren Kontaktbeschränkungen pulsiert wieder das öffentliche Leben. Ob große oder kleine Feste, es wird gefeiert! So auch in Bad Saulgau, wo nach der zweijährigen Zwangspause auch „das Bächtle“ wieder die Tradition des Heimatfestes fortsetzt. Doch es geht auch stiller. Zum Beispiel mit Harfenklängen.

So zu hören am 11. Juni in der Paradiesstraße 2, wo sechs Frauen noch bis 16. Juli ihre Künste in einem so genannten PopUpStore präsentieren und zur Vernissage geladen haben. Die Idee ist simpel, aber eindrucksvoll. Die Initiative stammt von der städtischen Wirtschaftsförderung und der unternehmerischen Gründungsinitiative Bad Saulgau, beide zusammen brachten mit der Förderung des Landes auf den Weg, dass Interessierte sich und ihre Angebote in Leerständen in der Innenstadt präsentieren können. Für fast umsonst (25 Euro die Woche) und für begrenzte Zeit (max. drei Monate) oder – und das ist der Idealfall – dass sich aus dem Versuch eine tragfähige Geschäftsidee auf Dauer entwickelt und damit aus dem Leerstand eine dauerhafte Nutzung wird. Die Stadt tritt dabei als vorübergehende Mieterin auf und bietet damit den Freiraum sich auszuprobieren – oder sich gemeinsam zu präsentieren.
Das Stadium des Ausprobierens liegt hinter Amanda Knapp, Anca Jung und D.A. Marbach, die sich zu ARTs Bad Saulgau zusammengefunden haben und sich bereits zum zweiten Mal mit ihren Bildern und Skulpturen am Projekt beteiligen. Zu ihrer „Präsenzausstellung“ in der Paradiesstraße hat sich das Kollektiv noch Ann-Kathrin Durach, Elisabeth Geray und Kerstin Stöckler in den PopUpStore geholt. Auf 300 Quadratmetern präsentieren sich die sechs regionalen Künstlerinnen in ihrer Vielfalt. Ein Genuss zum Schauen und Kaufen. Die Präsentation hat Charme und die drei anwesenden Künstlerinnen sind begeistert, außerhalb ihrer Werkstätten und den raren Ausstellungen sich und ihre Kunst über einen längeren Zeit- und Spielraum zeigen zu können. Denn Spielräume sind Kreativräume.
Bis 16. Juli also gibt es in Bad Saulgau nicht nur „Die Fähre“ mit ihrer aktuellen Ausstellung „Spielarten des Realismus“ zu besuchen, sondern nur einen kurzen Spaziergang entfernt auch noch weitere künstlerische Spielarten zu bewundern – von Frauen, die alle nicht von, aber mit ihrer Kunst leben. Insofern kann das Idealziel einer dauerhaften Präsenz und damit Miete in der Paradiesstraße von den sechs Künstlerinnen nicht erreicht werden, aber auch ein Gastspiel statt Leerstand inspiriert und bereichert das innerstädtische Flair. Siehe Paradiesstraße 2 in Bad Saulgau, wo in einem leeren Store eine kunstvolle PopUpGalerie entstand.

Platz zum Ausprobieren

Das Popup-Store-Konzept: Einzelhändler, Handwerker, Kreative erhalten in bester Lage in der Fußgängerzone eine Ladenfläche für einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung gestellt – und können dort ihre Geschäftsidee flexibel, unbürokratisch und nahezu ohne finanziellen Aufwand testen. Entwickelt hat die Wirtschaftsförderung das Popup-Store-Konzept Gründungsinitiative Bad Saulgau (GriBS), in der sich Existenzgründer/innen, Jungunternehmer/innen und Gründungsinteressierte. Die Idee: (Jung)Unternehmern, die auf dem Sprung in die Selbständigkeit sind, einen Ort zu geben, um sich auszuprobieren. Hierfür mietet die städtische Wirtschaftsförderung ein ungenutztes Ladengeschäft und bietet dieses Gewerbetreibenden nahezu kostenlos für einen Nutzungszeitraum zwischen zwei Wochen und drei Monaten an.
Ideal ist der Popup Store aber auch für Kunst und Kreativhandwerk, zur Standort-, Bedarfs- und Zielgruppen-Analyse von bewährten Geschäftsmodellen, Marken und Dienstleistungen. Saisonal sind auch Direktvermarkter möglich. „Wir möchten mit dem Popup Store Bad Saulgau nämlich nicht nur das Gründungsgeschehen unterstützen, sondern auch etwas für unsere Innenstadt bewegen“, erklärt Wirtschaftsförderin Ilona Boos. Mit dem Popup Store belebe man eine leer stehende Immobilie und sorge gleichzeitig für neue Geschäftsideen und Anbieter. Als Store-Betreiber kommt deshalb grundsätzlich jede Branche und jeder Gewerbetreibende in Frage. Einziges Kriterium: Die Geschäftsidee muss begeistern und einen Mehrwert für die Innenstadt bringen. Im Gegenzug stellt die Stadt die Räume nahezu kostenlos zur Verfügung. Lediglich ein kleiner Nebenkostenbeitrag von 25 Euro pro Woche wird erhoben. Möglich macht dies unter anderem eine Unterstützung aus dem aktuellen Sofortprogramm „Einzelhandel/Innenstadt“ des Landes Baden-Württemberg.
Idealziel: „Falls sich eine langfristige Nutzung ergeben sollte, dann sagen wir natürlich: Etappenziel erreicht und suchen uns eine neue Location“, so Boos.

 

Text & Foto: Roland Reck

Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben!

­