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Die Küche ist längst schon kein rein funktionaler Raum mehr. Oft eher das Aushängeschild der Wohnung, in dem man mit Freunden und Familie Zeit verbringt. Nicht alle Trends haben allerdings Bestand.

War früher das Auto ein Statussymbol, ist es heute die Küche. Rund alle 17 Jahre kaufen die Deutschen im Schnitt eine Neue. Meist ein nicht ganz billiges Vergnügen. Man sollte daher nicht jede Mode mitmachen und Wert legen auf Qualität. Was ist 2021 angesagt? Wohnzeitschriften empfehlen dunkle Küchenfronten, Pastelltöne und Metallakzente, Arbeitsplatten mit filigranen Profilen und Geräte, die selbstständig arbeiten.

Moderne Küchen sind Multifunktionsräume
Manche mögen’s weiß. Funktional und minimalistisch. Andere eher wohnlich und gemütlich. Dabei sollen dank natürlicher Materialien wie Holz, aber auch Beton und unterschiedlicher Steinarten, minimalistisch gestaltete Küchen nicht so schnell aus der Mode kommen. Gemaserte Holzfronten stehen nach Einschätzung der Hersteller dunklen Küchenfronten an Modernität nicht nach. Kombiniert werden sie mit Marmor, Beton oder Edelstahl. Mit schmalen Türprofilen und Arbeitsplatten erinnern sie kaum mehr an den Landhausstil der 80er- und 90er-Jahre. Mal sind matte Fronten en vogue, mal muss die Küche glänzen. Hochglänzende Flächen reflektieren die Küchenbeleuchtung und erzeugen optische Tiefe. Küchen sind seit langem auch Experimentierfeld für Architekten. Legendär ist die „Frankfurter Küche“ der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky von 1926. Konzipiert für die berufstätige Frau gilt sie als der Urtyp der modernen Einbauküche.
Heute ist die Küche oft Multifunktionsraum, in dem Kochen, Genießen und Wohnen eine Einheit bilden. Die Kinder können hier spielen, man hält sich mit Freunden darin auf – und kocht nebenbei auch. Offene Wohnküchen sind für Viele ein Traum. Wichtig ist dabei hochwertige Technik einzuplanen wie etwa einem Dunstabzug, der direkt in die Herdplatte auf der Kochinsel integriert ist. Wohltuend sind auf Dauer auch kurze Wege im magischen Dreieck von Kochfeld, Kühlschrank und Spüle, entscheidend ist aber auch genügend Stauraum. Ideal eignen sich hier breite Vollauszüge mit viel Staufläche.
Beliebt sind verlängerte Kochinseln, die direkt in eine Küchentheke übergehen. Wer nicht gerne auf Barhockern sitzt, kann einfach die Arbeitsplatte über die Unterschränke hinausragen lassen und als Essplatz nutzen. Darunter passen leicht erhöhte Bistrostühle oder reguläre Stühle auf einem kleinen Podest oder eine Bank vom Schreiner. Offene Wohnküchen sind nach Angaben der Branche bereits in gut jedem vierten deutschen Haushalt zu finden.

Nicht nur Dosen und Tüten öffnen
Kein Einrichtungshaus verkauft in Deutschland mehr Küchen als IKEA. Für viele Kunden ist die Marke nicht entscheidend, so legt der Handel viele Eigenmarken an. Allein der größte deutsche Küchenhersteller, die westfälische Firma Nobilia aus Verl, agiert mit rund 50 Namen, darunter Eggo, Ixina oder Celina. Weit über der Hälfte ihrer verkauften Küchen sind weiß, gefolgt von grau. Die durchschnittliche Küche ist laut Marktführer zwölf bis 14 Quadratmeter groß, und damit zu klein für eine veritable Kochinsel, von der viele Köche und Köchinnen träumen.
Aber wird überhaupt noch gekocht in diesen modernen Küchen? Animiert eine Luxusküche wirklich dazu, selbst den Kochlöffel in die Hand zu nehmen? Experten bezweifeln das. Ob Sous-vide-Garen im vakuumversiegelten Plastikbeutel wie im Sterne-Restaurant oder japanische Spezialitäten von der heißen Teppan-Yaki-Platte: Oft sind es Männer, die am Wochenende der Kochleidenschaft frönen. Während unter der Woche meist Frauen fürs Kochen zuständig sind. Viele haben oder nehmen sich wenig Zeit zum Schnippeln und Rühren. Dabei werden vom Hersteller alle Wünsche erfüllt - Platz und Geld vorausgesetzt: Beleuchtete Regale für den Anbau von frischen Küchenkräutern gibt es ebenso wie extra große Kühlschränke und Herde oder Spezialküchen für Veganer oder Vegetarier etwa mit in der Arbeitsfläche verbautem Biomüll-Abwurf oder eingebauter Getreidemühle.
Während die Nachfrage nach Küchen im Wert von weniger als 5000 Euro zurückging, boomt seit Jahren das Luxussegment mit Preisen ab 20.000 Euro. „Küchen werden immer teurer, dafür wird immer weniger gekocht“, stellte Hans Hauner vom Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München fest. Wichtigstes Kochgerät sei in vielen Haushalten mittlerweile die Mikrowelle. Viele haben wohl nie gelernt, selbst zu kochen. Und wenn mal gekocht wird, werde das zum seltenen „Event“. Dazu braucht man natürlich keine Küche für 150.000 (ja, auch die werden verkauft). Aber eine praktische und gleichzeitig schöne Küche verführt durchaus dazu, häufiger selbst zu kochen und nicht nur abzuwechseln zwischen Ravioli und Mirácoli. Unter fünf- bis zehntausend Euro ist eine Küchenzeile vom Schreiner natürlich nicht zu haben, aber sie passt garantiert genau in den Raum und hält viele Jahre.

 

Auorin: Andrea Reck

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