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Männer - Im Frühjahr treten sie entschlossen heraus auf Terrassen und Balkone, säubern die Grills und können es kaum erwarten, rohes Fleisch auf offener Feuerstelle zu garen. Warum eigentlich?

 

Ein beliebter Text auf Grillschürzen: „Was braucht ein Mann zum Grillen? Fleisch und Bier. Und eine Frau? Zucchinischeiben, Kräuter, Feta, Servietten, Weingläser, Kerzen, Tischdecken ...“. Alternativ: „Ich grille kein Gemüse“. „Grillen wir mit Frauen oder ohne Salat?“. Sie ahnen es schon, auch dieser Spruch wurde auf Grillschürzen gedruckt.
Frauen waren Jahrtausende lang die Hüterinnen des Feuers und hatten kein Problem damit, auf offener Flamme zu kochen. Warum sollten sie das jetzt nicht mehr beherrschen? Wieso ist Grillen eine der letzten Männer-Domänen, während Frauen Tomaten auf Mozarella schichten und Weißbrot in Scheiben schneiden?
In Grillforen werden Frauen nur am Rande erwähnt: „Generell bei Fleisch den Fettrand drauf lassen. Frauen schneiden den ja gern weg“. Und noch ein Rat speziell für Frauen: „Nicht so viel putzen! Durch die Hitze hat der Grill so eine Art Selbstreinigungsmechanismus. Es reicht, ihn gut abzubürsten und nur von Zeit zu Zeit mit Wasser und Spülmittel zu reinigen“. Während viele Männer in der Küche während der Nahrungszubereitung eher seltene Gäste sind, kümmern sie sich leidenschaftlich gerne um Kauf, Betrieb und Pflege von Gerätschaften, die vor der Tür zum Grillen von Fleisch dienen. Männer müssen offenbar grillen. Irgendetwas treibt sie dazu. Irgendetwas vergleichbar mit dem Sexualtrieb und dem Hang zum Heimwerken. Sobald die Temperaturen steigen, ist die feurige Lust kaum noch zu bremsen.
Frauen hingegen lassen gerne grillen. Vielleicht weil das die einzige Möglichkeit ist, ihre Männer dazu zu bringen, sie bei der Zubereitung des Essens zu entlasten? Früher, viel früher, als diese noch Jäger waren, brachten sie den Frauen die Beute zur Zubereitung heim. Heute müssen sie (wenn sie nicht gerade Waidmänner sind) den Rohstoff an der Fleischtheke käuflich erwerben (prinzipiell immer zu viel), kümmern sich aber dann freiwillig darum, den perfekten Gargrad zu erreichen ...
Der Mann an sich ist Pyromane. Liebt das Knistern der rot glühenden Kohle. Stellt sich entschlossen der Hitze entgegen. Fachsimpelt mit um ihn herumstehenden Glutsbrüdern über den richtigen Abstand des Grillgutes vom Feuer, darüber, was die beste Marinade ist oder ob man die am besten weglässt.
Wobei die Experten zunächst Grundsätzliches klären müssen. Wie soll der Grill betrieben werden? Mit Holzkohle, Gas oder Strom? Da scheiden sich schon die Geister. Während für den Holzkohlegrill der günstige Preis und das typische Raucharoma sprechen, stört manche die lange Zeit fürs Anheizen, der Funkenflug und die lästige Rauchentwicklung. Sie schwärmen von der exakten Temperatureinstellung eines Gasgrills und betonen, damit weniger Schadstoffe im Grillgut zu haben. Das fehlende Raucharoma, der höhere Preis und das Schleppen schwerer Gasflaschen ficht sie nicht an. Die Argumente der Elektro-Grill-Fraktion nehmen sie gelassen zur Kenntnis: schnell einsatzbereit, kein Rauch, leicht zu reinigen. Na und? Aber was ist Grillen ohne Raucharoma?

Heilige Dreifaltigkeit!
Spezialisten schwärmen vom Kugelgrill, betrieben mit Holzkohle, Gas oder Strom. Durch seine gute Wärmeverteilung gelingen Würstchen, Steak, Pizza und Braten gleichermaßen gut. Ihnen gegenüber stehen die Verteidiger des Smokers, betrieben mit Holz, Holzkohle, Holzpellets oder Gas. Männer erklären geduldig das Zwei-Kammer-System: Eine Kammer für das Grillgut, eine für das Feuer sind perfekt für Pulled Pork, Spareribs und Beef Brisket. Brisket was? Wenn Sie hier schon nachfragen müssen, outen Sie sich als kompletter Grill-Novize. Soviel sei verraten: Beef Brisket ist eine im Barbecue-Smoker bei niedriger Temperatur im heißen Rauch gegarte Rinderbrust. Zusammen mit Spareribs und Pulled Pork bildet es die Holy Trinity (heilige Dreifaltigkeit) des Barbecues nach US-amerikanischem Vorbild.
Aber weiter. Damit Sie sich beim nächsten Grillfest nicht total blamieren, sollten Sie wissen, dass ein Beefer betrieben wird mit Gas oder Strom und ausschließlich Oberhitze liefert. Echte Karnivoren (vulgo Fleischfresser) schätzen Steaks, die dank Temperaturen von bis zu 800 Grad außen unnachahmlich knusprig und innen butterzart sind – in nur knapp 40 Sekunden pro Seite!
Exoten plädieren für Lavagrills. Lavasteine, erhitzt mit Gas oder Strom, geben darin gleichmäßige Hitze an das Grillgut ab. Oder für den eiförmigen mit Holzkohle betriebenen Kamado. Ein Verfechter dieser Kombination aus Feuerbox und Keramikschale erzählt Ihnen sicher gerne einen Abend lang über dessen Vorzüge. Nur so viel vorab: Der Alleskönner bietet eine enorme Temperaturspanne von 70 bis 400 Grad.
Auch wenn Fleisch nicht mehr selbst erlegt, sondern vakuumverpackt nach Hause getragen wird, scheint seine Zubereitung auf dem Grill einen männlichen Urinstinkt zu wecken. Bei der Umfrage eines großen deutschen Discounters gaben 80 Prozent der 1600 befragten männlichen Griller an, nur ungern die Grillzange aus der Hand zu geben.
Das Klischee des grillenden Mannes ist also nicht ganz aus der Luft gegriffen oder beruht ausschließlich auf persönlicher Beobachtung. Möglicherweise hat das Phänomen zu tun mit den veränderten Machtverhältnissen der Geschlechter in einer Welt, in der Männer zusehen (müssen), wie Frauen in viele einst männlich dominierte Gebiete vordringen und das Zepter an sich reißen. Da bleibt nach dem Verlust mancher vermeintlich evolutionärer Rechte zur Verteidigung nur eines – die Grillzange.

 

Autorin: Andrea Reck

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