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Ummendorf - Bereits in den Achtzigern entschieden sich Christine und Hubert Schmidberger für die ökologische Landwirtschaft. Sie haben es nie bereut. Ökologisch ist nicht unökonomisch, sagen sie.

 

Ein Generationenprojekt: 1959, im Jahr seiner Geburt, kaufte Hubert Schmidbergers Großvater einen kleinen Bauernhof in Häusern, einem heute zu Ummendorf gehörenden Weiler. Seine Mutter half im Betrieb mit, der Vater arbeitete in Biberach. Hubert wurde Landwirt und übernahm Mitte der Achtziger Jahre den Hof. Und heute, fast vier Jahrzehnte später, wollen er und seine Frau Christine (58) den Hof bald an die jüngste der vier Töchter übergeben: Ruth hat Landwirtschaft studiert. „Wir freuen uns sehr darüber, müssen uns aber schon noch gedanklich darauf einstellen, abzugeben, was wir aufgebaut haben“, gesteht Christine Schmidberger. Viel Herzblut steckt in ihrem Lebenswerk, das spürt man beim Gespräch mit den Bauern im mit viel Eigenarbeit errichteten, gemütlichen Lehmhaus neben dem ursprünglichen Hof. Sie haben 1986, im Jahr der Tschernobyl-Katastrophe, ihren Betrieb umgestellt, als erst wenige diesen Schritt wagten. Die Bäuerin, „ein Stadtkind aus Würzburg“, lernte nach dem Abitur Landwirtschaft und arbeitete auf verschiedenen konventionellen Höfen. Auch in Ringschnait, kaum drei Kilometer von Häusern entfernt, wo sie ihren späteren Mann kennenlernte.

 

Schmidberger Tochter 1987 be

1987: Hubert und Christine Schmidberger mit Tochter Joahnna. Foto privat

 

Das Vieh der Reichen frisst das Brot der Armen
Was bewegte damals das junge Paar, sich gut ein Jahrzehnt nach Erscheinen der „Grenzen des Wachstums“ für den ökologischen Weg zu entscheiden? „Wir merkten, dass da etwas schief läuft“, erinnert sich das Paar. „Man kaufte Soja in Übersee, um unsere Tiere zu füttern. Das Vieh der Reichen frisst das Brot der Armen – das wollten wir nicht.“ Sie wollten, dass ihr Vieh direkt das Gras verwertet, wertvolles Eiweiß, das der Mensch nicht verwerten kann. Beide lieben Tiere, Christine wurde schon mit sieben Jahren Vegetarierin. Hubert beobachtete schon als junger Mann, dass es immer weniger Eidechsen gab, die über die Feldwege huschten, und Rebhühner kaum noch zu sehen waren. Sie wollten das schon erkennbare Artensterben nicht beschleunigen durch den Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger. „Wir wollten umsetzen, was wir für richtig hielten“, erinnern sich die beiden „auch wenn sich andere Bauern auf den Schlips getreten fühlten“. „Ökologie ist ja nicht unökonomisch. In den ersten Jahren der Umstellung hatten wir schon große Ertragseinbußen, wir hatten einfach zu wenig Fläche und Förderungen gab es damals noch nicht. Aber nach sieben, acht Jahren pendelten sich die Erträge wieder ein. Wir haben in Qualität investiert, der Viehbestand ist immer gleich geblieben: 45 Milchkühe.“
„Wachse oder weiche“, das war die herrschende und offizielle Lehre, die die Landwirtschaftsämter propagierten, und die nie revidiert wurde, weil es der herrschenden Doktrin nach immer währendem Wachstum bis heute entspricht. Die Zweifel daran sind größer geworden, aber in den 80er Jahren galten Abweichler noch als Systemverweigerer und wurden als „Spinner“ und „Nestbeschmutzer“ angefeindet. Das System funktioniert so: mehr Fläche, mehr Kapital, mehr Technik und Chemie, mehr Kosten, mehr Ertrag, mehr Umweltzerstörung und mehr Artensterben und unterm Strich: immer weniger. Das Klagen der Bauern kann einem auf die Nerven gehen, aber ist berechtigt, denn schon längst sind sie die Loser im Wettbewerb um die absolut endliche Ressource Boden. Mit dem Verkauf ihres Grund und Bodens für Wohnbau, Industrie und Infrastruktur lassen sie sich abfinden – und wenn sie sich weigern, droht ihnen Enteignung. Das System muss am Laufen gehalten werden.
Auch Biobauern sind Teil des Systems, was denn sonst. Auch Schmidbergers pachteten im Lauf der Jahre Flächen dazu, rechnerisch kommt nun auf eine Kuh ein Hektar Land. Zum Wohl von Land und Kuh. Die Jungtiere, die nach den strengen Demeter-Richtlinien gehalten werden, dürfen auch ihre Hörner behalten, sind den Sommer über auf der Weide. Im Stall springen die Kälbchen herum, sie werden nicht gleich nach der Geburt von den Müttern getrennt wie in der konventionellen Viehhaltung. Es gibt Ammenkühe, die mehrere Kälbchen trinken lassen und erst nach Monaten werden die Kleinen entwöhnt. Der Dünger, den die Kühe produzieren, reicht für alle Äcker.

 

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Ruth Schmidberger wird die Arbeit ihrer Eltern fortsetzen.   Foto: privat

 

Silage-Futter gibt es bei Demeter-Heumilch-Bauern generell nicht. Früher haben die Häuserner ihre Milch in einer Molkerei in Leupolz zu Käse verarbeiten lassen, seit 2014 haben sie sich in einem Verein mit 32 anderen Demeter-Bauern zusammengeschlossen, um die Heumilch zu vermarkten. „Wir behalten alle unsere Kälber auf dem Hof“, ergänzt Tierfreundin Christine und ergänzt: „Solche Vereinbarungen wie die kuhgebundene Kälberaufzucht werden in unserem Demeter-Heumilch-Verein basisdemokratisch getroffen.“
Zur Erhaltung der Artenvielfalt möchten Schmidbergers ihren Teil beitragen. Unter anderem haben sie sich wieder Messerbalken angeschafft, weil beim Mähen damit weniger Insekten und andere Tiere getötet werden als mit den Kreiselmähern – insbesondere wenn wie im konventionellen Grünlandbetrieb in wenigen Monaten in schnellem Takt ein halbes Dutzend Mal die Wiesen gemäht werden. Schmidbergers Ziel ist, nachhaltig und enkeltauglich zu wirtschaften: vier Tage in der Woche betreut Christine Schmidberger zudem zwei ihrer vier Enkel. „Wenn die um sieben Uhr gebracht werden, gehen wir erst mal zu den Kühen in den Stall. Das gefällt den Buben.“ Die Biobauern vermitteln, dass man als Landwirt auch ohne Streben nach permanentem Wachstum sein Auskommen finden und tiefe Zufriedenheit empfinden kann. Das tut gut.

 

Autorin: Andrea Reck

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