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Wer ständig zu viel auf dem Teller hat, tut sich nichts Gutes. Vor allem wenn es auch noch das Falsche ist. Die Fastenzeit lädt zum Nachdenken über die eigenen Essgewohnheiten und den gewohnten Lebensstil ein. Andrea Reck serviert dazu Gedankenfutter.

 

Eigentlich wissen wir ja alle, wie man sich gesund ernährt. Mit möglichst naturbelassenen Nahrungsmitteln, idealerweise regional produziert und passend zur Saison. Also nicht unbedingt Himbeeren im Februar. Industriell stark bearbeitete Lebensmittel sollten gemieden werden. Die zu salzige und fettreiche Pizza mit Analogkäse gehört wohl nicht auf den Teller. Klar auch: Man sollte genug trinken. Etwa Wasser und ungesüßten Tee, aber eben nicht zuckerreiche Limonaden und zu viel Alkohol.

Frisches oder auch tiefgefrorenes Obst und Gemüse liefern Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Ihre Ballaststoffe, weitgehend unverdauliche Nahrungsbestandteile, sind der Gesundheit sehr zuträglich. Die im Speisebrei im Darm vorhandenen Ballaststoffe sorgen durch ihre Fähigkeit, Wasser zu binden, für eine Zunahme des Volumens. Sie regen die Darmtätigkeit an, was die Verweildauer verkürzt.
Getreide und Getreideprodukte liefern dem Körper die notwendige Energie für den Tag. Längere Zeit sättigen allerdings nur Vollkornprodukte. Weißmehlbrötchen adé!
Milch und Milchprodukte sind vor allem für Kinder wichtig. Auch Erwachsene werden damit mit Vitaminen der B-Gruppe, wichtigen Eiweißen und vor allem Kalzium versorgt. Nicht alle Mineralstoffe und Spurenelemente werden so gut über pflanzliche Nahrungsmittel aufgenommen wie über tierische. Wer sich vegetarisch ernährt, muss darauf achten, Mangelerscheinungen vorzubeugen. Dies gilt verstärkt für vegan lebende Menschen. Viele Fette sind gesund. In Maßen. Problematisch sind gesättigte Fette, die auch in Wurst oder Fertiggerichten versteckt sind.
Süßigkeiten bieten keine wertvollen Nährstoffe. Zucker verhindert sogar eine effektive Aufnahme von lebensnotwendigen Nährstoffen.
Bewusst zu essen zu bestimmten Tageszeiten ist vor allem ratsam, wenn man zu Übergewicht neigt. Also nicht beim Essen fernsehen oder immer wieder zwischendurch naschen. Sport hilft natürlich auch, Wohlstandskrankheiten wie Diabetes oder Haltungsschäden vorzubeugen.

 

ein gutes Essen

... mmmh, lecker!

  

Einfach mal nichts essen!

Mediziner und Ernährungsexperten raten dazu, dem Körper nicht pausenlos Nahrung zuzuführen. Sie empfehlen verschiedene Formen des Intervallfastens. Bei der gängigsten Methode 16:8 isst man seine Mahlzeiten jeden Tag innerhalb von acht Stunden und fastet die restlichen 16 Stunden. Bei der 5:2-Methode isst man fünf Tage die Woche normal und an zwei Tagen nimmt man nicht mehr als 500 Kalorien zu sich.
Heilfasten dauert hingegen mehrere Tage bis Wochen. Der aus Bad Waldsee stammende Naturkundearzt Prof. Dr. Andreas Michalsen offeriert einen Online-Fastenkurs. Kern ist ein zehntägiges Fastenprogramm, das er aus seiner langjährigen Erfahrung als Chefarzt für Naturheilkunde in Berlin entwickelt hat. Er wirbt: “Eine Fastenkur wirkt bei vielen Erkrankungen nachweislich heilend und vorbeugend und ist der Schlüssel zu unserer Gesundheit. Heilfasten kurbelt unseren Stoffwechsel an und aktiviert unsere Selbstheilungskräfte. Und wer sich entscheidet, regelmäßig zu fasten und sich gesund zu ernähren, erzielt damit einen hochwirksamen gesundheitsfördernden und lebensverlängernden Effekt.“ Unterstützung bei Fastenkuren bieten auch zahlreiche Bücher oder Fastengruppen, die sich in manchen Kirchengemeinden zusammenfinden.

Traditionell findet im Christentum der Karneval vor der Fastenzeit statt. Zwischen Fasching und Ostern verzichten viele aus christlicher Motivation heraus, andere wollen gesünder leben. Was und wie gefastet wird, ist dabei ganz unterschiedlich. In diesem Jahr beginnt die Fastenzeit am Aschermittwoch, den 2. März und endet am Karsamstag, den 16 April. Im Christentum wurde die Fastenzeit bereits im 2. Jahrhundert praktiziert. Zunächst nur an Karfreitag und Karsamstag, wurde sie ausgedehnt auf 40 Tage. Anders als im Islam (wo während des Fastenmonats Ramadan tagsüber völlig auf Essen und Trinken verzichtet wird) sind die Fastenregeln im Christentum mittlerweile sehr individuell. Früher war die Fastenzeit sehr streng, mit vielen Regeln und Strafen. Heute verzichten viele einfach auf bestimmte Lebensmittel. Häufig auf Süßigkeiten, Alkohol und Fleisch. Andere meiden Zigaretten oder nutzen ihr Handy nicht. Fasten ist auch ohne religiösen Hintergrund bei vielen Menschen beliebt.
Zum dauerhaften Abnehmen ist Fasten ungeeignet, da der Jojo-Effekt zwangsläufig einsetzt, sobald man wieder normal isst. Aber es kann dazu anleiten, Essgewohnheiten zu überdenken und dauerhaft zu ändern.

 

Das Richtige essen. Sauber!

Moderne Ess-Trends ändern sich ständig, alle paar Monate wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Derzeit beispielsweise Clean Eating, also „sauber essen“, womit allerdings nicht das Waschen des Apfels gemeint ist ehe man hinein beißt. Es sollen vielmehr schädliche Inhaltsstoffe vermieden werden, ähnlich wie bei der „Frei-von“-Bewegung. Dabei wird auf Zucker, Weißmehlprodukte, raffinierte Öle sowie Zusatzstoffe verzichtet. Zudem meiden Clean Eater Fertigprodukte. Ein Produkt darf maximal fünf Zutaten aufweisen. In Clean-Eating-Rezepten werden viel frisches und regionales Obst und Gemüse möglichst aus biologischem Anbau verwendet. Gerne auch so genannte Superfoods wie Aronia-, Acai- und Goji-Beere, Heidelbeere, Kurkuma, Hanf- und Chiasamen oder Matcha-Tee.
Wichtig sind regelmäßige Mahlzeiten, allen voran das Frühstück. In der Regel ist der Tag auf fünf Mahlzeiten ausgerichtet, wobei das natürliche Sättigungsgefühl im Vordergrund steht. Nach Möglichkeit sollen viel Wasser und ungesüßte Tees getrunken werden, auch Kaffee ist erlaubt. Ähnlich wie „Lohas“ (Lifestyle of Health and Sustainability), also Personen mit besonders gesundheitsbewusstem und nachhaltigem Lebensstil, leben auch die Clean Eater sehr gesundheitsbewusst und treiben viel Sport.

 

Text und Fotos: Andrea Reck

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