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Reinstetten - Das Öko-Haus der Familie Schafitel wurde vom Grünen-Umweltminister Franz Untersteller ausgezeichnet mit der Plakette „Hier wird die Energiewende gelebt“. Es zeigt, dass moderne Technik nicht kompliziert und unerschwinglich sein muss.

Seit Ende 2018 wohnen Wolfgang und Regine Schafitel mit ihren beiden Kindern in ihrem klimaneutralen Haus mit Blick auf den Kirchturm in Reinstetten, einem Ortsteil von Ochsenhausen. Gebaut wurde es von seinem Bruder Hubert, der die örtliche Zimmerei betreibt. Auch Wolfgang Schafitel (44) ist gelernter Zimmermann. Er absolvierte ein Bauingenieur-Studium und bildet nun im Biberacher Kompetenz-Zentrum Zimmerer-Gesellen weiter und arbeitet auch als Energieberater.
Zur Arbeit fährt er meist mit dem Auto, nur gelegentlich nutzt er das Fahrrad. Auf dem Land erleichtert ein Auto nun mal die Mobilität sehr. Doch die Familie genießt die ruhige Lage in Reinstetten, wo sich Schafitel auch als Ortschaftsrat engagiert. „Im Sommer lassen wir einfach das Dachfenster und die Wohnraumfenster nachts zum Kühlen offen, das könnte man in der Stadt nicht“, meint der Ingenieur. Die Familie bemüht sich generell um umweltfreundliches Verhalten. Was zumindest beim Wohnen in diesem ökologisch vorbildlichen Haus nicht schwer fällt.

 

1100 l fasst dr Pufferspeicher im Keller be

1100 Liter fasst der Pufferspeicher im Keller.

 

92 kWh Stromspeicher links und Lüftungsanlage im Keller be

9,2 kWh Stromspeicher und Lüftungsanlage im Keller.

 

Wärme liefert eine Pelletheizung, Strom eine Solaranlage kombiniert mit einem Stromspeicher. Im Sommer heizt der überschüssige Strom das Wasser. Ergänzt wird das System unter anderem durch eine Lüftungsanlage, die im Keller direkt neben dem 9,2 kWh-Stromspeicher Dienst tut. Der Familienvater bezeichnet sich als Sparfuchs, der schon darauf achtet, dass mit LEDS kein Strom und beim Duschen kein Wasser verschwendet wird. Beim Wassersparen hilft auch eine Regenwasserzisterne. Bei der Planung achtete Schafitel darauf, dass das Familiennest nicht nur nachhaltig und energiesparend sondern auch bezahlbar wird. Auf die Frage nach den Kosten antwortet der Bauherr etwas ausweichend: „Ich denke die Baukosten lagen in einem normalen Rahmen, aber ich hatte auch ganz gute Verbindungen zum Unternehmer.“
Da die EU bis 2050 klimaneutral sein will, ist noch viel zu tun, um Treibhausgase zu vermeiden. Der Umweltminister würdigte daher das Engagement der Schafitels mit der Auszeichnung, die er persönlich vor Ort verlieh.Der Primärenergiebedarf des 165 Quadratmeter großen Einfamilienhauses mit Einliegerwohnung liegt bei 14,3 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Es handelt sich um ein KfW 40 Haus, was einen Gebäudestandard bezeichnet, der bestimmte Anforderungen an die Energieeffizienz einer Immobilie stellt. Je höher dieser Standard ist, umso weniger Energie braucht das Haus. Da energieeffiziente Gebäude ein wichtiger Bestand­teil der Energie­wende sind, werden diese staatlich mit Förder­krediten und Zuschüssen der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gefördert.

 

Umweltmister Franz Untersteller verlieh im April 2020 die Auszeichnung in Reinstetten be

Umweltmister Franz Untersteller verlieh im April 2020 die Auszeichnung persönlich.

 

Mit Pellets und Scheitholz lässt sich der Ofen heizen. Dahinter eine Massivholzwand aus Brettsperrholz verkleidet mit Zirbe be

Mit Pellets und Scheitholz lässt sich der Ofen heizen. Dahinter eine Massivholzwand aus Brettsperrholz verkleidet mit Zirbe.

 

Auf dem Dach ist eine Photovoltaik-Anlage installiert, die im Sommer für warmes Wasser sorgt. Im Winter tun dies Heizstäbe im Keller, da die Haustechnik möglichst einfach und günstig sein sollte. Auf eine smarte Heizungssteuerung wurde verzichtet, da dies bei dem geringen Heizungswärmebedarf nicht notwendig schien. Lediglich der PV-Speicher und die Lüftungsanlage können mit einer App gesteuert werden.
Gedämmt ist das Haus mit Holzfaser, Thermojute und Hanf. Betondecken unterstützen die Wärmespeicherung und erhöhen den Schallschutz. Da die Familie zuvor in einem Dreiparteienhaus über die Aktivitäten rundum selten im Unklaren war, legte sie Wert auf guten Schallschutz. Auf die Frage, was er umweltbewussten Bauherren empfehlen würde, meint der Ingenieur: „Na ja, die Art der Heizung ist ein wenig Glaubenssache. Man sollte aber unbedingt Geld in eine gute Heizung und eine hervorragende Dämmung investieren anstatt ein Leben lang Strom dafür zu bezahlen. Dämmen und Verschatten, damit man im Winter nicht zu viel heizen und im Sommer kühlen muss, sind entscheidend. Wichtig finde ich auch wenig Technik, die kaputt gehen kann. Nicht alles, was Fachleute einem aufschwätzen wollen, braucht man wirklich. So haben wir etwa den dringend empfohlene Windwächter, der bei starkem Wind die Jalousie einholt, bei unseren kleinen Jalousien bisher wirklich nicht vermisst.“
In Reinstetten wurde sehr vorausschauend gebaut: Das Dachgeschoss kann später als eigene kleine Wohnung genutzt werden und die Wohnung im Erdgeschoss lässt sich bei Bedarf mit geringem Aufwand barrierefrei ausbauen. Auf Türbreiten von einem Meter wurde ebenso geachtet wie auf die Möglichkeit eines ebenen Zugangs über die Terrassentür.
Selbstverständlich gibt es eine Ladesteckdose für das Elektroauto der Untermieterin. Vielleicht entscheiden sich die Schafitels ja selbst auch noch für ein schadstoffarmes E-Auto.

 

Text und Fotos: Andrea Reck

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