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Patientenverfügung und Betreuungsverfügung,  Vorsorge- und Generalvollmacht, sind schriftliche Erklärungen für den Fall, dass man selbst nicht mehr in der Lage ist, seinen Willen zu äußern. Aktuelle Bedenken, dass man im Fall einer Erkrankung durch das Virus COVID-19 keine künstliche Beatmung erhält, sind unbegründet.

„Ja,  mar sodd …“. Man sollte es tun. Eine Patientenverfügung abfassen. Es kostet weder viel Zeit noch viel Geld, und dennoch schieben es viele vor sich her. Schlimmstenfalls bis irgendwann andere entscheiden müssen, was zu tun ist. Rosemarie Löhe (68) aus Gutenzell hat jahrelange Erfahrung mit dem Thema. Die ehemalige Dialyse-Krankenschwester, die auch ehrenamtlich als Notfall-Seelsorgerin im Einsatz ist, arbeitet schon von Anfang an im 2004 gegründeten Arbeitskreis „Vorsorge treffen“. Sie hat oft erlebt, wie wichtig es ist, dass ein Bevollmächtigter die Interessen des Patienten vertreten kann. Auch in ihrem Bekanntenkreis klärt sie unermüdlich darüber auf, dass wirklich Jeder ab 18 Jahren wenigstens eine Vollmacht ausstellen sollte. Zu Informationsgesprächen, die im gesamten Landkreis Biberach angeboten werden, kommen Ratsuchende, denen sie erklärt, wie wichtig die Bekundung des eigenen Willens ist.

„Derzeit werden wegen Corona weniger öffentliche Termine angenommen“, bedauert Rosemarie Löhe. „Schade, da gerade besonders viel Unsicherheit besteht. Die Leute wissen oft nicht, dass im Notfall immer geholfen wird. Kein Notarzt fragt zuerst nach einer Patientenverfügung. Die greift erst später. Viele haben Angst, dass man schneller stirbt, wenn man eine Patientenverfügung hat. Die Angst ist völlig unbegründet. Ich mache darauf aufmerksam, wie wichtig eine gute Palliativ-Versorgung ist. Niemand muss am Ende seines Lebens Schmerzen ertragen. Ganz wichtig ist die Aufklärung. Was heißt es eigentlich, eine Magensonde zu legen und was bedeutet es, im Koma zu liegen? Da sind viele Fragen zu klären. Informationen im Einzelgespräch sind da wichtig. Ich weise darauf hin, dass eine Patientenverfügung durch eine Vollmacht oder Betreuungsverfügung flankiert werden muss. Man sollte  unbedingt innerhalb der Familie darüber reden, damit der oder die Bevollmächtigte später die Unterstützung aller hat.“  Wann wieder Termine in den Rathäusern angeboten werden, ist zu erfahren bei Thomas Münsch, Leitung Fachdienst Hilfen im Alter bei der Caritas Biberach-Saulgau, Tel. 07351/ 8095-193. 

Formulare bekommt man bei Kirchen ( www.ekd.dewww.katholische-kirche.de), bei Ärzten, Apotheken und den Krankenkassen. Der Stadtseniorenrat Biberach hat eine Vorsorgemappe erarbeitet. In dieser Mappe können ältere Menschen wichtige Daten zu ihrer Person, ihrer Wohnung, Arzt, Versicherungen, Bestattungswünschen etc. eintragen. Für den Anhang hat der Arbeitskreis „Vorsorge treffen“ Formulare für Vorsorgende Verfügungen samt Erläuterung eingefügt. Die Patientenverfügung – der Vordruck stammt vom Bundesministerium – entspricht auch in älteren Ausgaben der Vorsorgemappe dem Urteil des BGH vom 06.07.2016 – XII ZB 61/16.  Informationen unter: www.basisversorgung-biberach.de/vorsorge-treffen/vorsorgemappe/

Die Beglaubigung einer Patientenverfügung vom Notar ist nicht notwendig. Sinnvoll ist sie auf jeden Fall, wenn es um Vermögensfragen geht. Die Kosten der Vorsorgevollmacht beim Notar hängen vom Vermögen ab. Gegenstand der Vorsorgevollmacht können demnach sein, Gesundheitsfürsorge, Vermögensverwaltung, Regelungen über Aufenthaltsort (Einweisung in Krankenhaus oder Pflegeheim), Recht für den Bevollmächtigten zur Einsicht in Krankenakten, Mitbestimmungsrecht des Bevollmächtigten in Fragen der Heilbehandlung und dergleichen. Durch eine Vorsorgevollmacht erhält der Bevollmächtigte, der das Vertrauen des Vollmachtgebers genießt, ein Entscheidungsrecht in allen persönlichen, aus dem Notfall heraus entstehenden Angelegenheiten in dem Umfang, wie er dem Vollmachtgeber bei eigener Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit zustünde. Eine solche Regelung ist grundsätzlich sinnvoll, insbesondere, wenn diese Vertrauensperson nicht mit dem Vollmachtgeber verheiratet oder in einem engen Verwandtschaftsverhältnis steht.

Immer wieder gibt es Bedenken, dass Menschen mit einer Patientenverfügung im Falle einer Erkrankung durch das Corona-Virus keine künstliche Beatmung mehr erhalten. In der Patientenverfügung wird eine Beatmung nur für Situationen abgelehnt, die zum Tode führen oder einen nicht wünschenswerten Zustand erhalten. Für  Situationen, die überlebt werden können, treffen die ablehnenden Anweisungen der Patientenverfügung nicht zu.

 

Autorin: Andrea Reck

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