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Durch bessere Bezahlung nach Tarif soll die Arbeit in der Altenpflege attraktiver werden. Der Eigenanteil von Pflegebedürftigen in Altenheimen wird niedriger, während die Pflege, die Angehörige leisten, weiterhin nicht angemessen gewürdigt wird. Erste Regelungen zur Korrektur dieser Schieflage sind bereits in Kraft, die meisten folgen zum 1. Januar 2022.

 

Alle Pflegekräfte sollen künftig nach Tarif bezahlt werden, ohne dass Pflegebedürftige und ihre Angehörigen dadurch überfordert werden. „Wir entlasten Pflegebedürftige und ihre Familien um etwa 3 Mrd. Euro. Um besonders denjenigen zu helfen, die lange pflegebedürftig sind, steigt die Entlastung, je länger man auf Pflege angewiesen ist“, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nach Verabschiedung der Pflegereform am 2. Juni diesen Jahres.
Demnach sollen ab dem 1. September 2022 nur noch Pflegeeinrichtungen zur Versorgung zugelassen werden, das heißt, mit der Pflegeversicherung abrechnen können, die ihre Pflege- und Betreuungskräfte nach Tarif bezahlen. Damit Heime mehr Pflegepersonal anstellen, wird ein bundeseinheitlicher Personalschlüssel vorgegeben, der weitere Einstellungen zusätzlicher Pflegekräfte ermöglicht. Laut Bundegesundheitsministerium bekommen Pflegekräfte mehr Verantwortung. Sie sollen künftig Hilfsmittel und Pflegemittel, wie etwa ein neues Pflegebett empfehlen und eigenständige Entscheidungen in der häuslichen Pflege treffen können. Diese Empfehlung ersetzt dann eine Verordnung des Arztes. Pflegefachkräfte erhalten damit eine Verordnungskompetenz für Pflegehilfsmittel. Dies betrifft Fachkräfte von Pflegediensten sowie Pflegefachkräfte, die den verpflichtenden Beratungsbesuch (auch Qualitätssicherungsbesuch genannt) durchführen. Beim Beratungsbesuch in der privaten Umgebung der Person, die gepflegt wird, geht es zunächst um die Beratung pflegender Angehöriger.
Die schriftliche Empfehlung der Fachkraft wird zusammen mit einem formlosen Antrag bei der Pflegekasse eingereicht. Außerdem wird mit der Pflegereform Kurzzeitpflege im Krankenhaus möglich gemacht.
Pflegebedürftige mit vollstationärer Pflege werden nach mehr als 24 Monaten Pflege durchschnittlich um rund 410 Euro im Monat, nach mehr als 36 Monaten Pflege um rund 638 Euro im Monat entlastet. Geringer fallen die Entlastungen zu Beginn der Pflegebedürftigkeit aus: rund 46 Euro ab dem 1. Monat sowie 228 Euro nach einem Jahr. Diese Zahlen beziehen sich auf einen bundesdurchschnittlichen Eigenanteil von 911 Euro.
Neu ist der Anspruch auf Übergangspflege im Krankenhaus, wenn die Versorgung einer pflegebedürftigen Person nicht anders sichergestellt werden kann.

Eine Milliarde Zuschuss vom Bund
Und woher soll das Geld kommen? Ab 2022 soll die Pflegeversicherung einen pauschalen Bundeszuschuss in Höhe von jährlich 1 Milliarde Euro erhalten. Außerdem wird der Beitragszuschlag für Kinderlose um 0,1 Prozentpunkte angehoben, hierdurch würde die Pflegeversicherung zusätzlich 400 Mio. Euro/Jahr erhalten.
Die neueste Pflegereform ist nach Meinung vieler Fachleute kein großer Wurf, vor allem weil sie die Pflege durch Angehörige nicht angemessen würdigt. Es werden nur Leistungen erhöht, die durch professionelle Anbieter erbracht werden. Damit verfehlt die Regierung ihr  selbst gesetztes Ziel, alle Leistungen der Pflegeversicherung an die Preisentwicklung anzupassen.
2022 werden die Pflegesachleistungen (außer bei Pflegegrad 1) um fünf Prozent erhöht. Mit ihnen kann man die Inanspruchnahme eines Pflegedienstes finanzieren. Sie beinhalten Leistungen der Körperpflege, zur Unterstützung bei der Mobilität und der Ernährung sowie die hauswirtschaftliche Versorgung. Die Höhe der Pflegesachleistungen richtet sich nach dem Pflegegrad.

Wichtig: Pflegegeld und der Zuschuss zur Tagespflege werden nicht erhöht. Das Kurzzeitpflegebudget hingegen schon. Muss der Pflegebedürftige wegen eines Urlaubs des pflegenden Angehörigen oder aus anderen Gründen in die Kurzzeitpflege, steht ihm im Jahr ein Zuschuss der Pflegekasse von bis zu 1.612 Euro zu. Dieser Betrag erhöht sich ab 2022 auf bis zu 1.774 Euro pro Jahr.
Der Zuschuss für die Kurzzeitpflege kann mit den Mitteln aus der Verhinderungspflege aufgestockt werden. Die Verhinderungspflege wird mit bis zu 1.612 Euro jährlich erstattet. Daher stehen für die Kurzzeitpflege in Kombination mit der Verhinderungspflege ab 2022 maximal 3.386 Euro pro Jahr zur Verfügung.
Wer die ungenutzten Pflegesachleistungen in Entlastungsleistungen umwandeln möchte, muss ab Januar 2022 keinen Antrag mehr stellen. Die Pflegekasse wird automatisch prüfen, ob sie den Pflegesachleistungsbetrag umwandeln kann, wenn die eingereichte Rechnung die zur Verfügung stehenden Entlastungsleistungen übersteigt. Hat man beispielsweise monatlich 125 Euro an Entlastungsleistungen zur Verfügung und reicht künftig eine Rechnung über 200 Euro ein, prüft die Pflegekasse automatisch, ob der Pflegesachleistungsbetrag umgewandelt werden kann. Wünscht man keine Umwandlung der Pflegesachleistungen in Entlastungsleistungen ist die Kasse zu informieren. Die Entlastungleistungen werden oft auch als Entlastungsbetrag bezeichnet. Sie dienen dazu, Betreuungs- und Entlastungsangebote zu finanzieren. Hierzu erhalten Pflegebedürftige aller Pflegegrade ein festes Budget von 125 Euro pro Monat (1.500 Euro jährlich). Als Sachleistung wird das Geld nicht direkt an den Pflegebedürftigen gezahlt, sondern kann von Dienstleistern mit der Pflegekasse abgerechnet werden. Die Entlastungsleistungen können auch angespart werden, da sie nicht automatisch mit dem Monatsende verfallen.
Pflegebedürftige im Pflegeheim müssen zu den pflegebedingten Aufwendungen einen für jedes Heim einheitlichen Eigenanteil zahlen. Ab 2022 wird dieser Eigenanteil in Anlehnung an die Verweildauer im Heim abgesenkt. Und zwar in den ersten zwölf Monaten um 5 Prozent, ab dem 13. Monat um 25 Prozent, ab dem 25. Monat um 45 Prozent und ab dem 37. Monat um 70 Prozent.
Wo man gut beraten wird
Die Regelungen werden durch die Reform nicht einfacher. Es empfiehlt sich, kompetente Beratung in Anspruch zu nehmen. Etwa im Pflegestützpunkt des Landkreises Biberach. Dort erhalten Sie Informationen zu gesetzlichen Leistungen bei Pflegebedürftigkeit, Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung und über konkrete Hilfsangebote. Träger des Pflegestützpunktes sind der Landkreis Biberach und die Kranken- und Pflegekassen. Das Büro befindet sich in der Rollinstraße 18, 88400 Biberach, im Gebäude Wielandpark im Erdgeschoss am Eingang zum Parkhaus Wielandpark. Der Zugang ist barrierefrei.

www.biberach.de/landratsamt/kreissozialamt/pflegestuetzpunkt.html

 

Autorin: Andrea Reck

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