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Im Vergleich zum Babyboom Mitte der Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts sind die Geburtenzahlen derzeit moderat, doch nach einem kräftigen Rückgang zeigt die Kurve wieder nach oben. Was manche Kommunen vor Herausforderungen stellt.

Städte und Gemeinden stellen ihren Bürgerinnen und Bürgern Kindergartenplätze zur Verfügung. Sie sind gesetzlich dazu verpflichtet, jedem Kind ab drei Jahren einen Platz anzubieten. Mancherorts platzen die Kindergärten jedoch aus allen Nähten. Das liegt nicht nur daran, dass mehr Mütter berufstätig sind und pro Kind viel mehr Grundfläche zur Verfügung stehen muss als noch vor Jahren, die Gruppen kleiner sein müssen und weniger Kinder pro Betreuungskraft erlaubt sind. Manche Bürgermeister sprechen davon, dass in ihrer Kommune der Trend eindeutig zur drei-Kinder-Familie geht.
Laut Sozialgesetzbuch ergibt sich seit 2013 ein Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung aus § 24 SGB VIII. Danach haben Kinder, die das dritte Lebensjahr vollendet haben, einen Anspruch auf einen Kindergartenplatz. Jüngere Kinder, die aber bereits das erste Lebensjahr vollendet haben, haben einen Anspruch auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder in Kindertagespflege. Folglich ist ein Kindergartenplatz im U3-Bereich kein Muss, alternativ muss für Kinder ab einem Jahr aber ein Betreuungsplatz bei einer Tagespflegeperson zur Verfügung stehen.
Für viele Gemeinden ist das nicht nur wegen der finanziellen Belastung und der Notwendigkeit zum Neubau oder zur Erweiterung bestehender Einrichtungen eine große Herausforderung. Sehr schwierig ist es derzeit nämlich auch, geeignetes Personal zu finden. Der Arbeitsmarkt ist leergefegt, viele Kommunen zahlen Gehälter, die deutlich über dem Tarif liegen.
Tatsächlich steigt bundesweit die Geburtenrate. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2020 in Deutschland 773.144 Kinder geboren. Das mag wenig klingen im Vergleich zu den hohen Geburtenzahlen einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Babyboom erreichte 1964 mit 1,36 Millionen einen Höchststand. Es folgte ein starker Rückgang der Geburten. Im Jahr 2011 wurde mit 663 000 Neugeborenen die niedrigste Geburtenzahl seit 1946 registriert. Und in diesem Jahr? Von Januar bis Mai 2021 sind in Deutschland nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 315.000 Kinder zur Welt gekommen. Damit stieg die Zahl der Geburten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht um 1,4 Prozent. Ein deutlicher Anstieg der Geburtenzahl war nur im März 2021 zu beobachten, als 6 Prozent oder rund 3700 mehr Babys geboren wurden als im März 2020. In den übrigen von der einsetzenden Corona-Pandemie geprägten Monaten war die Entwicklung unauffällig. Dass die Rekordzahl von 65.903 Geburten im diesem März von der Pandemie und dem Brachliegen des öffentlichen Lebens befördert wurde, ist nur eine Vermutung. Krisenzeiten, geprägt durch Klimawandel, Migration und Demokratieverdrossenheit befördern wohl auch die Sehnsucht nach innerer Stabilität, die man am ehesten in der Familie findet.

Geburtenrate liegt bei 1,53 Kindern
Was die Statistik auch erfasst: In Deutschland werden etwa 5 Prozent mehr Jungen als Mädchen geboren. Bei der Geburt des ersten Kindes waren 2020 die Mütter durchschnittlich 30,2 Jahre und die Väter 33,2 Jahre alt. Die Entwicklung der Geburtenzahlen hängt ab von der Anzahl der potenziellen Mütter sowie von der Geburtenrate, auch zusammengefasste Geburtenziffer genannt. Die Geburtenrate eines Jahres gibt an, wie viele Babys im Durchschnitt eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommen würde, wenn die Verhältnisse dieses Jahres unverändert blieben. In Deutschland lag die Geburtenrate 2020 bei 1,53 Kindern pro Frau. Damit ist sie - nach einem kurzen Anstieg zwischen 2014 und 2016 - das vierte Jahr in Folge gesunken. In Ostdeutschland war die Geburtenrate 2020 etwas niedriger als in Westdeutschland. Bei den Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit blieb die Geburtenrate auf dem Niveau des Vorjahres, bei den Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit sank sie leicht. Mit dieser Geburtenrate liegt Deutschland im EU-Durchschnitt (2019: 1,53 Kinder pro Frau).
Geburtenzahlen sind Planungsgrundlage für Kinderbetreuung, Schulen, Ausbildungs- und Studienplätze bis hin zur Rentensicherheit. Darüber hinaus sind sie einer der wichtigsten Faktoren des demografischen Wandels in Deutschland. Die Kommunen müssen rechtzeitig ihre Hausaufgaben machen.

 

Achso!

• Ein Neugeborenes wiegt in der Regel 3 bis 3,5 Kilo und ist etwa 50 Zentimeter lang.

• Babys kommen sehr kurzsichtig auf die Welt: Scharf sehen Neugeborene anfangs nur in einem Bereich von 20 bis 25 Zentimetern. 

• Babys erreichen gewaltige Lautstärken: Kurze Lärmspitzen bis über 110 Dezibel  sind problemlos möglich - das entspricht dem Lärm einer Motorsäge in zwei Metern Abstand.

• Rund 90 Prozent aller Väter sind bei der Geburt ihres Kindes dabei.

• Bis ein Kleinkind aufs Töpfchen geht, ist es meist zweieinhalb Jahre alt. Bis dahin hat es rund 5.000 bis 6.000 Windeln verbraucht – das entspricht einem Gewicht von fast einer Tonne.

• Der Juli ist seit einigen Jahren der Monat, in dem besonders viele Kinder geboren werden.

 

Autorin: Andrea Reck

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