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Die Fasnet fällt dem Virus zum Opfer, aber Masken haben Hochkonjunktur. Der Renner unter der Gesichtsverkleidung ist die FFP2-Maske, die es seit dem 15. Dezember für besonders gefährdete Personen in begrenzter Stückzahl kostenfrei in Apotheken gibt. Aus aktuellem Anlass eine kurze Geschichte zum „Hotspot Apotheke“.

Seit dem 15. Dezember liegen für ältere und vorerkrankte Menschen kostenlose FFP2-Masken in den Apotheken zur Abholung bereit. Das hat zu langen Warteschlangen geführt. Auch Lieferengpässe waren keine Seltenheit, was bei vielen Menschen zu Unsicherheit führte. Diese war allerdings unbegründet, da im Dezember Anspruch auf drei Gratismasken bestand. Laut Kanzlerin Angela Merkel wird jetzt auch über andere Wege nachgedacht, um die Masken unters Volk zu bringen. So plant die Bundesregierung den Versand von FFP2-Masken ab Januar 2021 an die besonders gefährdeten Personengruppen
Bis dahin sind die ApothekerInnen gefragt, um Millionen Menschen diesen Schutz gratis angedeihen zu lassen. Die FFP2-Maske schützt effektiv vor einer Infektion mit dem Corona-Virus. Sie filtert im Gegensatz zu den bisher gebräuchlichen „Alltagsmasken“ Partikel aus der eingeatmeten Luft und optimiert somit in erster Linie den Eigenschutz. Allerdings ist sie mit rund sechs Euro auch teuer. Zur Finanzierung stellte Gesundheitsminister Spahn den ApothekerInnen in Windeseile knapp fünfhundert Millionen Euro zur Verfügung.

Apothekerin Renate Schlegel von der Gabler Apotheke in Ochsenhausen, die selbst an SARS-CoV-2 erkrankt war, hat nicht nur gute Erfahrungen bei der Umsetzung der Verordnung gemacht. „Wir wurden total überrollt“, berichtet sie, das Vorgehen von Jens Spahn bezeichnet sie dabei als: „Schuss aus der Hüfte“. Erfahren habe sie von dieser Aktion aus dem Radio, erzählt Renate Schlegel weiter und fügt hinzu: „selbst unser Verband war nicht informiert“. Am Montag, also einen Tag vor dem Start der Verteilung, wurden ihrer Apotheke eintausend Masken geliefert, die sie problemlos am Dienstag auch verteilt bekam. Von den von ihr bestellten zehntausend Masken hat sie bisher lediglich ein Drittel erhalten. Viele Apotheken haben ihres Wissens nach wohl noch keinerlei Masken bekommen. Insgesamt bezeichnet sie die Verordnung als: „eine zwar gut gemeinte, aber schlecht vorbereitete Aktion“.

 

Kurze Geschichte der Apotheken

Apotheken in der heutigen Form traten erstmals vor ungefähr achthundert Jahren in Erscheinung. Bundesweit gibt es aktuell über fünfzigtausend Apotheken. Für viele Menschen sind sie ein immens wichtiger Ort an dem man sich über Medikamente und Therapien informieren und beraten lassen kann. Dennoch sind Apotheker im Laufe der Geschichte auch immer wieder in die Kritik geraten. Die Rede von den „Apothekerpreisen“, also der Vorwurf, es ginge den Pharmazeuten mehr ums Geschäft als um die Gesundheit ihrer Kunden, ist ein weit verbreitetes Vorurteil. 

Das Apothekenwesen hat eine jahrhundertealte Tradition. Durch die Medizinal-Ordnung von Kaiser Friedrich II. Mitte des dreizehnten Jahrhunderts kam es erstmals zu einer Trennung zwischen Arzt und Apotheker.
In Trier wurde bereits 1241 die erste Stadt-Apotheke urkundlich erwähnt, in Köln, Würzburg, Konstanz, Hamburg und vielen weiteren Städten entstanden schnell weitere. Eine Apotheke eröffnen durfte, wer sein Handwerk bei einem Meister gelernt hatte. Im Gegensatz zu heute, gab es damals aber keine Niederlassungsfreiheit: Die Städte erlaubten nur einer begrenzten Anzahl an Pharmazeuten, ihr eigenes Geschäft zu eröffnen. Heutzutage gilt nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahr 1958 in diesem Punkt das Prinzip des freien Marktes. 
Bis weit ins zwanzigste Jahrhundert stellten Apotheker viele Medikamente selbst her. Die Industrialisierung zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts revolutionierte bald auch das pharmazeutische Gewerbe.
Noch als Apotheker-Gehilfe gelang es Friedrich Sertürner im Jahr 1805, Morphin aus der Droge Opium zu isolieren. Schon ein paar Jahre später kam der neue Wirkstoff als Schmerzmittel in Deutschland und Frankreich auf den Markt. Ähnlich lief es bei der Chemikalie Salicin, die der Apotheker Johann Buchner 1828 erstmals aus Weidenrinde extrahierte und die bald unter dem Namen „Aspirin“ riesige Gewinne abwerfen sollte. Die Entdeckung solcher und vieler anderer Wirkstoffe sollte den Apothekerberuf grundlegend verändern. Von nun an ließen sich Medikamente und Arzneien schnell, billig und in meist besserer Qualität im großen Stil in Fabriken herstellen. Findige Apotheker wie zum Beispiel Heinrich Merck haben diese Entwicklung vorangetrieben. Bereits 1865 produzierte er mit Unterstützung einer Dampfmaschine rund 1000 Arzneimittel.
Heute haben Apotheker hauptsächlich die Funktion der Beratung. Weil der Verkaufsraum manch einer Apotheke kaum mehr von einer Drogerie zu unterscheiden ist, geraten die Pharmazeuten in den letzten Jahren jedoch in die Kritik. Laut Apothekerverband machen niedergelassene Apotheker im Schnitt allerdings nur zehn Prozent ihres Umsatzes mit solchen Produkten – der große Teil entfällt auf den Verkauf von rezeptpflichtigen und apothekenpflichtigen Arzneien.

 

Autor: Franz Thoma

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