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Wenn Töchter Mütter werden, wird man plötzlich (oder endlich!) Oma. Die Rollen werden neu verteilt.

Oma springt nicht plötzlich auf, um etwas am Computer zu erledigen, sie hat an den Tagen, an denen sie sich um die Enkel kümmert, wirklich Zeit für sie. Wenn aus Kindern Eltern werden und aus Eltern Großeltern entsteht oft eine ganz neue Nähe. Oder alte Konflikte brechen auf. Alleine die Fülle der Ratgeber wie „Hilfe, wir werden Großeltern“, „Oma für Anfänger“ oder „Alles, was Oma wissen muss“, lässt darauf schließen, dass ein entspanntes Verhältnis zu den Enkeln und deren Eltern nicht selbstverständlich ist. Das bisherige Gefüge gerät also in Bewegung, die Rollen werden neu besetzt. Dabei sollte den Großeltern klar sein, dass Erziehung die Sache der Eltern ist. So gerne diese meist Hilfe von den Großeltern annehmen, so wenig schätzen sie permanente Einmischung. Manche Oma sieht in ihrer Tochter immer noch das kleine Mädchen, das in allem ihre Ratschläge braucht. Dabei steigt seit Jahren das Alter von Erstgebärenden an. 2019 waren laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes im Schnitt rund 30 Jahre alt. Als diese Frauen selbst geboren wurden, waren die Mütter knapp 27. Damit wird man statistisch gesehen auch erst in höherem Alter Großmutter, nämlich mit derzeit 59 Jahren. Nicht immer sind sich Eltern und Großeltern in Erziehungsfragen einig, es ist daher gut, Regeln aufzustellen, die überall gelten. Wenn sich die Eltern um eine gesunde Ernährung bemühen, sollten Großeltern die Kleinen nicht mit Süßigkeiten überhäufen, Fernsehverbote dürfen nicht einfach missachtet werden. Verbringen die Enkel mal ein Wochenende bei Oma und Opa, gibt es natürlich Gestaltungsspielraum, die Kleinen dürfen ein wenig verwöhnt werden ohne die Regeln generell in Frage zu stellen.

 

Großfamilie war mal

Anders als früher wohnen die Generationen nicht mehr zusammen in einem Haus, oft nicht einmal in derselben Stadt oder im selben Land. Trotzdem fühlen sich Großeltern für ihre Enkel verantwortlich und wollen sich den Gegebenheiten entsprechend einbringen. Kinder können erstaunlich gut unterscheiden zwischen dem Aufenthalt bei den Großeltern und dem Leben bei Eltern. Zudem sollten Eltern und Großeltern offen ansprechen, was sie nicht gut finden, meist lässt sich ein Kompromiss finden.
1957, im Jahr meiner Geburt, brachte in der BRD eine Frau durchschnittlich 2,3 Kinder zur Welt (DDR 2,1). 1986, im Jahr der Geburt meiner Tochter waren es in der BRD 1,35 (DDR 1,7). 2018, im Jahr der Geburt meiner ersten Enkelin waren es 1,57. Enkel sind also ein rares Gut und werden meist sehnlich erwartet. Während man früher gerne Namen aus der eigenen Familie weiter gab, tummeln sich seit der Jahrtausendwende kurze moderne Babynamen auf den vorderen Rängen. Mittlerweile wollen viele traditionsbewusste Eltern nicht mehr teilnehmen am Wettbewerb um die ausgefallensten exotischen Namen und kramen wieder in der eigenen Familiengeschichte. Wie meine Tochter, deren erstes Kind in Singapur geboren wurde und nach ihrer schwäbischen Uroma und der schottischen great grandmother ihres britischen Vaters auf den Namen Charlotte getauft wurde. Klingt in beiden Sprachen gut.
Laut Gesellschaft der deutschen Sprache war 2019 der bundesweit beliebteste Erstnamen für Mädchen Hanna, gefolgt von Emma, Mia und Emilia. Bei den Jungen konkurrierten mit dem Spitzenreiter Noah im letzten Jahr die Namen Ben, Paul und Leon. In Baden-Württemberg löste Emilia den letztjährigen Spitzenreiter Sofia ab, Elias verdrängte Ben vom ersten Platz. Sehr gespannt bin ich – nicht nur auf den Namen - meines am 5. Dezember erwarteten zweiten Enkelkindes, Charlottes (Lotties) Bruder …

Text und Foto: Andrea Reck

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