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Präsenzunterricht zu gewähren trotz steigender Corona-Infektionen: für Schulen in staatlicher und in privater Trägerschaft sind die Herausforderungen derzeit groß.

Schulleiter stehen seit Beginn der Corona-Pandemie vor bisher ungekannten Herausforderungen. Immer neue Verordnungen des Baden-Württembergischen Kultusministeriums sind umzusetzen. Sie gelten gleichermaßen für Öffentliche Schulen wie für die Privatschulen des Bundeslandes. Es gibt hier rund 700 Privatschulen mit ganz unterschiedlichen Ausrichtungen. Etwa Waldorf- und Montessori-Pädagogik, christlich, wirtschaftlich, mathematisch-naturwissenschaftlich, sprachlich, sportlich, musisch-künstlerisch, technisch-handwerklich sowie heil- und sonderpädagogisch ausgerichtete Schulen. Es handelt sich um Vor- und Grundschulen, Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen, Gymnasien, Internationale Schulen, Förder- und Sonderschulen sowie Berufliche Schulen.

In Deutschland besucht inzwischen jeder elfte Schüler eine Privatschule, Von den insgesamt 10,8 Millionen Kindern und Jugendlichen entschied sich laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden im Schuljahr 2018/19 also rund eine Million Schülerinnen und Schüler für die vielfältigen Alternativen zur öffentlichen Einrichtung. 2009 war es nur jeder dreizehnte Schüler. Dabei stellen Grundschulen und Gymnasien zahlenmäßig den Großteil der Privatschulen, gefolgt von Gesamtschulen und Waldorfschulen. Der Aufwärtstrend lässt sich auch in den östlichen Bundesländern beobachten, wo sich Privatschulen erst langsam etablieren.

Nach dem Grundgesetz unterstehen auch Schulen in freier Trägerschaft der staatlichen Schulaufsicht. So gelten für alle Schulen im Südwesten die Anordnungen des Kultusministeriums bezüglich der Corona Regelungen. Derzeit ist Dr. Susanne Eisenmann Ministerin für Kultus, Jugend und Sport. Zuvor elf Jahre Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport der Landeshauptstadt, will sie im nächsten Jahr als Spitzenkandidatin der CDU den früheren Gymnasiallehrer Winfried Kretschmann als Ministerpräsidentin beerben.

Der Notverkündung der ersten Verordnung des Kultusministeriums zur Änderung der Verordnung über den Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen (Corona-Verordnung Schule – CoronaVO Schule) vom 15. Oktober 2020) folgten nach Ausrufung der Pandemiestufe 3 („Sofern und solange die Anzahl der Neuinfektionen mit dem SARS CoV-2 Virus nach Feststellung des Landesgesundheitsamts im landesweiten Durchschnitt in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner die Zahl von 35 überschreitet“) ab Montag, den 19. Oktober neue Regeln.

Masken müssen an weiterführenden Schulen und ab Klasse 5 getragen werden, in sonderpädagogischen Einrichtungen ab der Hauptstufe. Auch im Lehrerzimmer ist der Mund- und Nasenschutz nun Pflicht. Die Nutzung der Schulräume für außerschulische Zwecke ist verboten, schulbegleitende Veranstaltungen wie Hausaufgabenbetreuung werden - vorerst – weiterhin angeboten.

Ohnehin gibt es im Land derzeit in 695 Klassen oder Gruppen an 336 Schulen wegen Corona-Infektionen oder Verdachtsfällen vorübergehend gar keinen Präsenzunterricht. Zehn der insgesamt 4500 Schulen im Südwesten sind sogar ganz geschlossen.
Schulleitung und Lehrkräfte sind derzeit (wie viele andere Berufsgruppen) wirklich nicht zu beneiden. Sie sind so ausgelastet durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie, dass sie sich nicht die Zeit nehmen können für Pressegespräche. Mirjam Troßmann-Göll, Geschäftsführerin der Freien Waldorfschule Biberach, bedauert in einem kurzen Telefonat mit BLIX, dass die Informationen des Kultusministeriums extrem kurzfristig kommen: „Entscheidungen, die am Freitagnachmittag hier ankommen, müssen schon am Montagmorgen umgesetzt sein.“ Überhaupt hätte sie sich mehr staatliche Hilfe erhofft. „Deutlich erhöhte Personalkosten für den Unterricht und beispielsweise auch in der Küche machen uns als Privatschule sehr zu schaffen“, klagt Troßmann-Göll, und muss auch schon das Gespräch beenden, um sich der Umsetzung der neuen Verordnung vom Kultusministerium zu widmen.

 

Autorin: Andrea Reck

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