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Abi in der Tasche, und was dann? Diese Frage stellen sich die meisten Schüler*innen nach dem Abschluss. Für viele ist ein Studium der nächste Schritt, dabei bietet eine Berufsausbildung ebenso vielfältige Möglichkeiten und hervorragende Karrierechancen.


Als ich mit der Recherche zu diesem Artikel begann, kam ich nicht umhin, mich an meine eigene Schulzeit zurück zu erinnern. Auch ich habe Abitur - und eine Ausbildung in einem Handwerksberuf. Eigentlich wollte ich schon nach der mittleren Reife eine Berufsausbildung beginnen, entschied mich dann aber doch fürs Abi. Nennen wir es Gruppenzwang, denn viele aus meiner Klasse gingen diesen Weg und auch meine Eltern rieten mir zu dieser Entscheidung. Nach dem Abi folgte dann das Studium, fast hatte ich damals das Gefühl, dass dieser Schritt von mir erwartet würde. Doch das Studium machte mir nur wenig Freude, weshalb ich mich schließlich entschloss, es abzubrechen und eine Ausbildung zu beginnen. Da ich kreativ bin, gerne am PC arbeite und es großartig finde, das Endprodukt meiner Arbeit vor Augen und in Händen zu haben, begann ich eine Ausbildung zum Mediengestalter Digital und Print. Für mich bis heute eine goldrichtige Entscheidung, die ich jederzeit wieder treffen würde.
Dennoch muss man konstatieren, dass sich in den letzten 20 Jahren nur wenig geändert hat. Im vergangenen Jahr haben sich in Baden-Württemberg 2.952 Abiturienten für eine handwerkliche Ausbildung entschieden. Das sind etwa 16 Prozent der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Handwerk. Im Gebiet der Handwerkskammer Ulm waren es 414 Abiturienten und somit 15,2 Prozent. Dennoch ist es den Betrieben im Gebiet der Handwerkskammer Ulm vor Corona sechs Jahre in Folge gelungen, mehr junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern. Seit Beginn der Pandemie ist die Situation auf dem Ausbildungsmarkt schwieriger. Aktuell gibt es 915 offene Lehrstellen im Kammergebiet Ostalb bis Bodensee. Auch bundesweit hat das Handwerk mit Personalmangel zu kämpfen.

 

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Die Möglichkeiten einer betrieblichen Ausbildung sind vielfältig.

 

Ein Imageproblem?
Wieder habe ich in meinen Erinnerungen gekramt, dabei kam mir eine Situation aus meiner Kindheit in den Sinn. Da einer meiner Schulfreunde sehr große Hände hatte, machte mein Vater die eher scherzhafte Bemerkung, dass er später ja vielleicht mal als Schmied arbeiten könnte. Die Reaktion der Mutter meines Freundes folgte prompt, wie aus der Pistole geschossen antwortete sie: „So einen primitiven Beruf lernt mir der Junge nicht!“ Dieses Denken hat sich in vielen Köpfen manifestiert, erweist sich aber als weitgehend unbegründet.. „Handwerk ist gesucht und wird noch gesuchter. Das bietet Jugendlichen große Chancen für ihre Zukunft auf einen angesehenen und gebrauchten und interessanten Beruf“, sagt beispielsweise Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm. Um das Image der Handwerksberufe aufzupolieren, engagierte die Handwerkskammer Ulm Nina Bold als regionales Gesicht der Kampagne „Umdenken für mehr Handwerk“. Die junge Fillialleiterin der Bäckerei Bold in Biberach absolvierte eine Ausbildung zur Lebensmittelfachverkäuferin und arbeitet heute im elterlichen Betrieb. Statt beispielsweise ein Studium in Betriebswirtschaft zu machen, entschied sie sich für eine praktische Ausbildung um die Betriebsabläufe nicht nur in der Theorie kennenzulernen. „Ich denke, ich bin ein gutes Beispiel dafür, dass man mit Abi und einer handwerklichen Berufsausbildung erfolgreich sein kann“, erzählt die 29-Jährige, die einmal den Betrieb übernehmen wird. Und sie ergänzt: „Während viele meiner Schulfreunde noch mit ihrem Studium beschäftigt waren, stand ich schon mitten im Berufsleben. Ich habe mein eigenes Geld verdient und konnte mir schon mein erstes Auto, ein Motorrad und viele schöne Reisen leisten. Ich persönlich finde es fast schon ‘out‘ zu studieren.“ Aber auch ihr ist bewusst, dass das Handwerk in einer Nachwuchs-Krise steckt. Gleichzeitig versucht sie, Jugendliche zu einer Ausbildung zu ermutigen, denn Handwerk mache Spaß und die Karrierechancen seien gut: „Ich hoffe, dass ich vielen Jugendlichen Mut machen kann, etwas nachzugehen, was sie vielleicht schon in ihrer Kindheit gerne gemacht haben. Egal, ob basteln, schrauben oder malen, ihr müsst niemandem etwas beweisen, nur euch selbst!“


Vielfältig, krisensicher, nachhaltig
Kaum ein anderes Thema bewegt vor allem die junge Generation so wie das Thema Nachhaltigkeit und gerade hier bietet das Handwerk interessante Perspektiven. Darauf verweist die Handwerkskammer mit ihrer Werbekampagne, indem sie betont: Wir stehen vor vielen wichtigen Zukunftsaufgaben, wie beispielsweise der Energiewende, Digitalisierung und Klimaschutz. Diese Transformationsprozesse können ohne Handwerkerinnen nicht gelingen. Die Zukunft mitgestalten können junge Fachkräfte beispielsweise, wenn es um nachhaltiges Wohnen, grüne Mobilität und Smart Homes geht. Handwerkerinnen sind dabei die Umsetzer der Energiewende, denn sie schaffen die digitale Infrastruktur, die unsere Gesellschaft braucht. Insgesamt 130 Handwerksberufe bieten spannende Möglichkeiten, unsere Zukunft mit zu gestalten. Mit einer Ausbildung im Handwerk gibt es also unzählige Möglichkeiten, je nach Fertigkeiten und Willen, die eigene Karriere zu starten.


Handwerkskammer bietet Unterstützung
Die Handwerkskammer Ulm unterstützt Jugendliche bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Sie stellt Kontakte für Praktika her und vermittelt Treffen mit Auszubildenden im Handwerk an Schulen, damit Jugendliche unter sich austauschen können, was ihnen am Handwerksberuf gefällt.
Freie Ausbildungsplätze und Praktikantenstellen sind auch online zu finden unter: www.hwk-ulm.de/ausbildungsboerse
Weitere Infos unter: www.hwk-ulm.de/handwerk-ist-mehr-als-nur-beruf

 

Autor: Alexander Koschny

Fotos: Hwk

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