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Biberach - Die Dollinger Realschule bewirbt sich beim Landesprogramm Kulturschule Baden-Württemberg. Ab dem nächsten Schuljahr wird es an der größten Realschule des Landes wohl eine eigene Theaterklasse geben.

Marcus Pfab ist Rektor der Dollinger-Realschule, der mit derzeit knapp tausend Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe 1 in den Klassenstufen 5 bis 10, größten Realschule des Landes. Mit einem seiner 80 Kollegen und Kolleginnen nimmt er sich kurz vor Weihnachten Zeit für ein Gespräch mit BLIX: Dieter Maucher, Lehrer für Deutsch und Geschichte brennt fürs Theater.
Die Schule im seit acht Jahren bestehenden, für seine Architektur ausgezeichneten Bau, ist technisch, medial und digital auf dem neuesten Stand. „Profilbereiche im kulturellen Lernen sind für uns nicht neu. Neben der Bläserklasse und dem Bilingualen Zug möchten wir künftig ein Theater-Profil anbieten“, erklärt Pfab.
In der Bläserklasse, einem eigenen Klassenzug von Klasse fünf bis sieben, lernen Schülerinnen und Schüler durch Musiklehrende der Biberacher Jugendmusikschule während der regulären Unterrichtszeit ein Instrument. Dies wird über den Ergänzungsbereich eines Schulorchesters aufgegriffen und weitergeführt. So konnten vor der Pandemie zahlreiche schulische und außerschulische Veranstaltungen musikalisch umrahmt werden.
Eine Theater-AG gab es bisher schon. Alle zwei Jahre wurde mit Unterstützung der Landesakademie für die musizierende Jugend in Ochsenhausen auch ein Musical erarbeitet. Nun soll das darstellende Spiel in Form einer „Theaterklasse“ verankert werden. Im Unterschied zur AG ist dabei mit einer zusätzlichen Profilstunde pro Woche eine Doppelstunde „Theater“ verpflichtend.

 

Kulturhauptstadt Oberschwabens

Dieter Maucher, der von Biberach als der Kulturhauptstadt Oberschwabens spricht, ergänzt: „Die Theater AG ist toll, wir fangen aber wegen Corona gerade wieder bei null an“. Dabei kann er sogar im schwierigen 2021 auf Außergewöhnliches verweisen. Durch seine Kontakte gelang es, mit Schülerinnen und Schülern zwei Tage an einem Workshop der Stuttgarter Jungen Oper teilzunehmen, für alle ein großartiges Erlebnis.
Diese Zusammenarbeit ließe sich durch eine „Theaterklasse“ ab der Klassenstufe 5 ideal ausbauen. Kursangebote durch außerschulische Kooperationspartner, sowie Workshops und Theaterbesuche würden eine vertiefende Umsetzung des Bildungsplans ermöglichen. Dazu bewirbt sich die „Dolli“ um Anerkennung als Kulturschule. „Es geht uns nicht darum, irgendwelche Veranstaltungen zu dekorieren“, verdeutlicht der Rektor. „Es geht um den Bildungsauftrag.“ Kollege Maucher ergänzt: „Durch curriculare Elemente wollen wir Qualität erhöhen und Kompetenzen fördern. Begeistern kann man auch durch das Anschauen von Produktionen. Dabei geht es nicht nur um künstlerische Bereiche, auch um handwerkliche Kompetenzen. Theater ist eine Mannschaftssportart“. Pfab ist stolz auf vielseitige Kompetenz im Kollegium. Eine Lehrerin hat im Studium Theaterpädagogik-Seminare belegt, wie auch Dieter Maucher. „Bei mir hieß das noch darstellendes Spiel“, erinnert sich Dieter Maucher. „Ich schreibe gerne Theater und mache gerne Theater“, lacht er. Der Einundfünfzigjährige ist seit 1986 in verschiedenen Ensembles engagiert wie dem Dramatischen Verein Biberach. Theaterpädagogisch arbeitete er 14 Jahre lang an einer „Brennpunktschule“, 2014 gewann er mit zwei Kollegen den Deutschen Lehrerpreis. Vier Jahre leitete er die „Heimatstunde Biberach“, schrieb die Theatertexte und führte Regie. Seit 2019 unterrichtet er an der Dollinger-Realschule und ist als Projektleiter mit der Entwicklung eines darstellend-musischen Profils betraut. „Wir wollen aber auch außerhalb der Schule vorhandene Kompetenzen nutzen und dazu braucht es Kooperationen wie mit der Staatsoper. Wir haben auch schon Gespräche geführt mit Susanne Maier von der Biberacher Jugendkunstschule. Bei der Bläserklasse profitieren wir ja auch mit der Zusammenarbeit mit der Bruno-Frey-Musikschule. Das Schöne an unserer Schulart ist, dass wir die Freiräume haben. Wir haben pro Jahrgangsstufe 150 bis 180 Lernende, darunter sind genügend, die Musik und Theater engagiert betreiben“, erklärt Marcus Pfab. „Die Bläser-Klasse hat einen ganz anderen Zusammenhalt, das spürt man deutlich.“

 

Die Bühne spiegelt das Leben

Theater-Mann Maucher: „Die Bühne spiegelt das Leben. Kinder lernen, vor Menschen zu stehen und gewinnen viel Selbstbewusstsein. Sie interpretieren gemeinsam Texte und ja, sie gehen auch gemeinsam durch das Tal der Tränen, das sich bei jeder Produktion irgendwann einmal auftut“.
Schulleiter Pfab vermutet, dass ein erweitertes Kulturangebot wie die Theaterklasse für manche Schülerinnen und Schüler auch ein Anreiz sein könnte, sich für die Dollinger-Realschule zu entscheiden. Er bedauert, dass pandemiebedingt derzeit nicht wie sonst vor Ort Eltern informiert werden können. „Alle fühlen sich derzeit überlastet, vor allem psychisch. Wir können nicht einschätzen, wie viele Kinder wir für eine Theaterklasse ab dem Schuljahr 2022/23 zusammen bekommen.“ Dieter Maucher ist zuversichtlich: „Das Bedürfnis für gemeinsames Erleben ist groß. Mit unserer „Balladen-Battle“ kürzlich konnten wir die Begeisterung aufrechterhalten. Die Fahrt zu den Theater-Profis nach Stuttgart war ein echtes Highlight. Die Kinder haben das so genossen. Und wer weiß, wann wir die nächste Klassenfahrt machen können …“.
„Der Titel Kulturschule wäre der offizielle Stempel für unser kulturelles Engagement seit vielen Jahren“, bekräftigt Pfab. „Wichtig ist natürlich auch der finanzielle Zuschuss. Vom normalen Haushalt können wir das nicht stemmen. Ich bin seit 17 Jahren hier Schulleiter hier und sehr froh über Kollegen, die solche Ideen haben und dafür arbeiten. Das motiviert auch mich immer wieder neu.“ Kollege Maucher ergänzt. „Und ich freue mich, dass ich meine Liebe fürs Theater in der Schule ausleben kann.“.

 

Autorin: Andrea Reck 

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