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Das Corona-Schuljahr mit viel Distanzunterricht hat Kinder, Eltern und Lehrer an ihre Grenzen gebracht. Bei vielen Schülerinnen und Schülern sind die Lernlücken groß. Der Bedarf an Nachhilfe auch.

Im April beschloss die Kultusministerkonferenz, Schulen so weit wie möglich offen zu halten und mit einer umfassenden Test- und Impfstrategie so viel Präsenzunterricht wie möglich anzubieten. Dies insbesondere für Schülerinnen und Schüler, die im Schuljahr 2021/2022 ihren Schulabschluss anstreben. Die Abschlussklassen konnten sich trotz der aktuellen Pandemiesituation einigermaßen auf Abitur, Fachhochschulreife, Prüfungen für den Ersten und den Mittleren Schulabschluss sowie ihre Berufsabschlussprüfungen vorbereiten.
Für die Länder habe die Kompensation pandemiebedingter Lernrückstände hohe Priorität, war zu lesen. Entsprechend begrüßten die Länder das gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung geplante Förderprogramm zum Abbau pandemiebedingter Lernrückstände bei Schülerinnen und Schülern, das die in den Ländern bestehenden und geplanten Programme ergänzt.

Zwei Milliarden Euro vom Bund
Um die Folgen der Pandemie für Kinder und Jugendliche abzumildern, hat die Regierung Anfang Mai ein Corona-Aufholprogramm auf den Weg gebracht. Es hat einen Umfang von zwei Milliarden Euro und soll die Folgen der Corona-Maßnahmen für junge Menschen abmildern. Eine Milliarde Euro ist für Nachhilfe- und Förderprogramme von Schülern gedacht, die Lernrückstände aufholen müssen. Eine weitere Milliarde Euro soll in soziale Maßnahmen investiert werden, um auch die psychischen Krisenfolgen für Kinder und Jugendliche abzufedern. Hier geht es um eine Aufstockung von bestehenden Programmen im Bereich frühkindlicher Bildung, in der Schulsozialarbeit und im Freizeitbereich.
Geplant ist ab August auch eine Einmalzahlung von 100 Euro für Kinder aus Familien, die auf Hartz IV angewiesen sind oder nur ein sehr geringes Einkommen haben. Das Geld soll je nach Bedarf für Ferien-, Sport- und Freizeitaktivitäten eingesetzt werden können. Damit sollen Langzeitfolgen der langen Einschränkungen im Bildungs- und Freizeitbereich für Kinder und Jugendliche abgemildert werden. Gefördert werden darüber auch Nachhilfeunterricht, Schulsozialarbeit, Ferienfreizeiten oder mehr Stellen im Freiwilligen Sozialen Jahr.
Das Deutsche Kinderhilfswerk kritisiert das „Aufholpaket“ als unzureichend. „Natürlich hört sich ein Zwei-Milliarden-Programm erst einmal gut an, aber im Endeffekt werden damit weniger als 150 Euro pro Kind in die Hand genommen“, erklärte Präsident Thomas Krüger.
Um pandemiebedingte Lernlücken bei Schülerinnen und Schülern im zu Ende gegangenen Schuljahr zu schließen, hat die Baden-Württembergische Landesregierung das Programm „Bridge the Gap“ aufgelegt. Dieses Unterstützungsangebot bot Schulen die Möglichkeit, bis zu den Sommerferien Lehramtsstudierende für den Abbau von Lernrückständen einzusetzen. Das von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer und Kultusministerin Theresa Schopper vorgestellte Modellprojekt lief mit Unterstützung von rund 900 Lehramtsstudierenden bereits nach den Pfingstferien an. Sie waren bis zu den Sommerferien für bis zu vier Förderstunden pro Woche an Schulen tätig und erhielten hierfür pro 60 Minuten ein Honorar von 15 Euro. Unterstützt wurden nur Schulen im Umfeld der beteiligten Universitäten Freiburg, Heidelberg, Konstanz, Stuttgart und Tübingen sowie der Pädagogischen Hochschulen Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Schwäbisch Gmünd, Ludwigsburg und Weingarten.

Rückenwind im Herbst
Mit dem Programm „Rückenwind“ im kommenden Schuljahr ab 11. September sollen weitere Kräfte die Lehrerinnen und Lehrer sowohl zusätzlich zum Unterricht als auch im Unterricht unterstützen. Laut Ministerin Schopper soll der „Rückenwind“ bis Weihnachten oder zum Ende des ersten Halbjahrs wehen. Die „Lernbrücken“ sollen wie im vergangenen Jahr in den letzten beiden Wochen der Sommerferien stattfinden und von Pädagoginnen und Pädagogen geleitet werden.
Daneben suchen viele Eltern Hilfe bei privaten Nachhilfeschulen oder greifen auf private Hilfe im persönlichen Umfeld zurück. Wobei nicht alle gute Arbeit leisten. „Der Mini-Lernkreis hat schon immer großen Wert auf Qualität gelegt“, erklärt der Lernkreisleiter Mathias Chlebnitschek aus Eberhardzell. Daher ist er auch Mitglied im VNN Bundesverband Nachhilfe- und Nachmittagsschulen und gehört zu den Gründungsmitgliedern des LernPakts. „Für die Schüler steht jetzt alles auf dem Spiel“, beschreibt Chlebnitschek den Ernst der Lage. „Nur, wenn sie jetzt professionelle Nachhilfe bekommen, haben sie eine wirkliche Chance, die Corona-bedingten Defizite aufzuholen.“ Der Pädagoge beobachtet, dass neuerdings auch ganz junge Schüler kommen, die während der Pandemie abgehängt wurden. Generell werden am häufigsten Mathematik, Deutsch und Englisch nachgefragt. Nur zwei der in seinen Gruppen zwischen Ravensburg und Ulm unterrichteten Kinder kommen aus Migrantenfamilien.
Das Siegel „Qualitätsgeprüfte Profi-Nachhilfe“ soll Behörden, Schulen, Lehrern und Eltern bei der Wahl der richtigen Nachhilfeschule im Rahmen des Aufholprogramms Orientierung bieten. Welche Qualitätskriterien zeichnen eine erfolgreiche Nachhilfe aus? Diese reichen von geprüften Lehrkräften über Lernstandserhebungen und Lernkonzepte bis zur Kontrolle der Leistungsverbesserung, eine transparente Preisgestaltung und langjährige unabhängige Qualitätskontrollen..
Ob private Nachhilfeschulen im Herbst auch in Schulen mitarbeiten sollen, ist noch nicht geklärt. Lehrerverbände üben Kritik am Corona-Aufholprogramm für Schüler. Das Geld sollte nicht in private Nachhilfe-Institute fließen, fordern etwa Vertreter der Lehrergewerkschaft GEW. Es sollte lieber für mehr Personal in den Schulen eingesetzt werden. Außerdem dürfe es nicht darum gehen, nach der Corona-Krise lediglich Wissen in die Kinder einzutrichtern, argumentieren Lehrkräfte, wichtig sei es vor allem, Kinder aufzubauen und aufzufangen. Franz-Josef Meyer vom Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) nennt es völlig illusorisch, verpasste Inhalte nachzuholen. „Dann werden wir die Kinder erst recht verlieren“, befürchtet er. Der Verband lehnt auch Sommerschulen oder reine Lernangebote in den Ferien ab.
Wer Arbeitslosengeld II erhält, hat unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Leistungen für Bildung und Teilhabe (auch „Bildungspaket“ genannt) für seine Kinder. Damit können auch Nachhilfe-Stunden bezahlt werden, wenn die Schule den Bedarf bestätigt und selbst kein entsprechendes Angebot bietet. Ein Anspruch besteht, wenn die Schule einen entsprechenden Bedarf an Nachhilfe für den Schüler bestätigt. Allerdings kann die Lernhilfe nicht in Anspruch genommen werden, um eine bessere Schulartenempfehlung (zum Beispiel den Übertritt auf ein Gymnasium) zu erreichen.
Beantragt wird die Lernhilfe formlos bei der Agentur für Arbeit. Der Antragsteller erhält einen Vordruck, der von der Schule ausgefüllt werden muss.

 

Autorin: Andrea Reck

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