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Ehingen - Über Personalmangel in Pflegeberufen wird seit Jahren geklagt, in vielen Bereichen fehlt der Nachwuchs. Die generalisierte Ausbildung zur Pflegefachkraft soll das Berufsbild attraktiver machen. Funktioniert das?

 

Die offizielle Bezeichnung der Ausbildung, die Laura Seligmann absolviert, klingt etwas sperrig: Generalistik, Ausbildung zur Pflegefachfrau. Die Einundzwanzigjährige arbeitet im Wohnpark St. Franziskus in Ehingen. Als ich sie dort zum vereinbarten Zeitpunkt anrufe, ist sie gerade nicht abkömmlich und ruft später zurück.

 

Frau Seligmann, wobei habe ich sie gerade gestört?

Seligmann: Sie mussten ein wenig warten, weil ich eine Bewohnerin ins Bett gebracht habe.

 

Sie haben Spätschicht von 12 bis 20 Uhr. Was steht heute auf Ihrem Dienstplan?

Seligmann: Derzeit laufe ich mit einer Fachkraft mit. Sie zeigt mir Schritt für Schritt, was zu tun ist.

 

Was haben Sie vor Ihrer Ausbildung gemacht?

Nach dem Hauptschulabschluss habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Altenheim absolviert. In der Schule war ich noch skeptisch gewesen, ob mir ein Praktikum im pflegerischen Bereich gefallen würde, aber dann kam ich gleich gut zurecht.

 

Was unterscheidet den Beruf der Pflegefachfrau von dem der Altenpflegerin?

Als Pflegefachfrau kann man im Krankenhaus arbeiten, in der Pädiatrie, in einer Senioreneinrichtung, in der ambulanten Pflege oder in der Psychiatrie. Im zweiten Lehrjahr wird man gefragt, ob man sich spezialisieren will und in welche Richtung, bis dahin lernen alle dasselbe. Wir haben immer sechs Wochen Blockunterricht in der Berufsschule, dann arbeite ich in der Einrichtung oder bei Außeneinsätzen. Dabei fahre ich auch im Rettungsfahrzeug mit. Die ADKmie (Koordinierungsstelle für alle Auszubildenden der Generalistik im Alb-Donau-Kreis) organisiert das alles. So erhält man überall Einblick.

 

Laura Seligmann Foto Jürgen Emmenlauer St. Elisabeth Stiftung

Laura Seligmann

 

Wieso wollen Sie Pflegefachfrau werden?

Die Vielseitigkeit der Ausbildung gefällt mir. Ich fühle mich besonders in der Altenpflege wohl. Ich mag es, wenn ich älteren Menschen etwas geben kann und sie sich darüber freuen. Wenn ich ein Lächeln bekomme, geht mir das Herz auf.

 

Was sind die größten Herausforderungen im Alltag?

Wenn jemand stirbt, geht einem das schon nahe. Aber oft haben die Menschen vorher arg gelitten und manche wollten einfach nicht mehr leben. Man lernt mit der Zeit damit umzugehen.

 

Wieso haben Sie sich für eine Ausbildung bei der St. Elisabeth-Stiftung entschieden?

Angefangen habe ich in einem anderen Heim, da hat es mir nicht so gut gefallen. Ein Freundin, die hier im Ehinger Wohnpark arbeitete, meinte: „Bewirb‘ dich doch bei uns!“ Das war eine gute Entscheidung. Hier geht es mit 55 Bewohnerinnen und Bewohnern recht familiär zu, die hellen Räumlichkeiten sorgen für eine angenehme Atmosphäre und vor allem sind die Kolleginnen und Kollegen wie auch die Chefinnen sehr nett. Wenn es mal ein Problem gibt, kann man immer gerne kommen und darüber reden.

 

Wie waren die Reaktionen im Freundeskreis auf Ihre Berufswahl?

Viele meiner Bekannten arbeiten in der Pflege. Die meinten gleich: „Das passt zu dir.“

 

Sind viele Männer in ihrem Ausbildungsjahrgang?

Wir sind deutlich mehr Frauen. Vielleicht liegt das daran, dass Frauen unkomplizierter sind und auch mit der körperlichen Nähe zu anderen Menschen besser umgehen können etwa bei der Köperhygiene. Mein Freund beispielsweise, der einen handwerklichen Beruf ausübt, meint, das könnte er nicht.

 

Ist nicht auch die Bezahlung ein Hindernis, dass sich nicht mehr junge Menschen für diesen wichtigen Beruf entscheiden?

Ich glaube weniger, dass es an der Bezahlung liegt. Ich verdiene im ersten Lehrjahr 1100 Euro brutto im zweiten hundert Euro mehr und das Einstiegsgehalt als Fachkraft liegt bei 2.830 EUR.

 

Gab es schon Momente, bei denen Sie an Ihrer Berufswahl gezweifelt haben?

Nein, nie. Ich möchte auf jeden Fall weitermachen und auch hier im Wohnpark bleiben.

 

INFO: Was bedeutet generalistisch?

 

Im Januar 2020 wurden laut Pflegeberufereformgesetz die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflegeausbildungen zu einer generalistischen Pflegeausbildung zusammengefasst. Altenpflegende benötigen für ihre Arbeit auch Inhalte der Krankenpflege, während Krankenpflegkräfte es auch oft mit älteren Menschen oder Kindern zu tun haben. Wurden früher die entsprechenden Ausbildungen scharf getrennt, gibt es nun eine generalistisch ausgelegte Ausbildung mit einheitlichen Standards. Voraussetzung für die Ausbildung ist eine zehnjährige allgemeine Schulbildung (Realschulabschluss). Junge Erwachsene mit Hauptschulabschluss können nach neun Jahren Schule eine Ausbildung zum Pflegehelfer beziehungsweise Pflegeassistenten absolvieren. Im Anschluss können auch sie eine Ausbildung zur Pflegefachkraft machen. Auch wer nach dem Hauptschulabschluss schon eine andere Berufsausbildung absolviert hat, kann sich für eine Ausbildung in der Pflege bewerben. Der Beruf soll attraktiver werden und perspektivisch mehr berufliche Einsatz-, Wechsel- und Entwicklungsmöglichkeiten in allen Bereichen der Pflege bieten.
Die Pflegefachkraftausbildung dauert drei Jahre. Der theoretische Unterricht findet an Pflegeschulen, die praktische Ausbildung in mehreren Ausbildungseinrichtungen mit unterschiedlichen Pflegebereichen statt. In den ersten beiden Jahren ist die Ausbildung für alle Teilnehmenden gleich. Die Azubis haben ein Wahlrecht und können sich für den Vertiefungseinsatz spezialisieren. Sie müssen dafür einen sogenannten Vertiefungseinsatz im Ausbildungsvertrag vereinbaren. Wer sich nicht spezialisieren möchte, erwirbt den Abschluss als Pflegefachfrau oder -mann, der europaweit anerkannt ist. Im dritten Ausbildungsjahr gibt es die Wahlmöglichkeit, die generalistische Ausbildung fortzusetzen oder den Schwerpunkt auf die Altenpflege oder die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zu legen. Auszubildende, die ihr Wahlrecht in der stationären Langzeitpflege (Altenpflege) ausüben und somit den Abschluss Altenpflege machen möchten, können dies nur an ausgewählten Schulstandorten machen.

Auszubildende der Länder in Pflegeberufen(TVA-L Pflege) bekommen monatlich im ersten Jahr 1.160,70 EUR, im 2. Jahr 1.226,70 EUR, im 3. Ausbildungsjahr 1.333,00 EUR. Die Entlohnung von privaten Trägern kann davon abweichen.

 

Autorin: Andrea Reck

Fotos: Jürgen Emmenlauer

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