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Bad Saulgau - Die Geschwister Tim (15) und Christina Miller (17 Jahre), SchülerIn am Störck-Gymnasium in Bad Saulgau, haben sich einem ganz besonderen Aspekt der Gesundheitsgefährdung angenommen, nämlich die Übertragung von potenziell infektiösen Keimen auf der Oberfläche des Smartphones und wie man dies verhindern kann. Sie haben ihre Untersuchungen bei Jugend forscht eingereicht und sind damit in Ulm Regionalsieger geworden. Beim Landeswettbewerb haben sie den dritten Platz belegt. Für BLIX erklären sie ihr Forschungsprojekt „Clean your smartphone smart“ und dessen Ergebnisse mit Fragen und Antworten.

 

Händewaschen ist ein wichtiger Bestandteil der Hygiene. Und das Handy?

Es liegt oft auf dem Esstisch und geht auch mit ins Bett. Über zwei Drittel der Befragten in einer Studie aus 2020 nehmen das Smartphone nicht nur mit auf die Toilette, sondern benutzten es dort auch. Was nützt Händewaschen, wenn man die Keime, die man auf das Handy gewischt hat, hinterher wieder mit den Fingern von dort aufnimmt. Handy-Hygiene und Händewaschen gehören also zusammen. Wir wollten wissen, wie wichtig die Handy-Hygiene wirklich ist, außerdem wollten wir verschiedene Reinigungs- und Desinfektionsmethoden auf ihre Praxistauglichkeit testen. Wir haben uns also gefragt, wie viele Bakterien sich auf einem Display befinden, ob da problematische Typen dabei sind und ob sich auch Viren auf der Oberfläche halten können, die danach noch infektiös sind. Reinigungsmethoden von trockenen Tüchern über Desinfektionstücher, bis hin zu Geräten, die mit UV-Licht und Ozon arbeiten, sollten untersucht werden.

 

Also ab ins Labor und los geht’s! Wie kommt man zu einem Labor?

In Bad Saulgau gibt es das Schülerforschungszentrum (SFZ), dort kann jeder Schüler forschen, egal woher sie oder er kommt, die einzige Voraussetzung ist Interesse. Wir können nur jedem naturwissenschaftlich interessierten Schüler empfehlen, sich das SFZ anzusehen, sobald die Kontaktbeschränkungen es zulassen. Arbeiten, die am SFZ nicht möglich waren, konnten wir im Rahmen eines Praktikums am STUA Aulendorf – Diagnostikzentrum durchführen.

 

Jufo 2021 Virusnachweis mittels Zellkultur 40 fache Vergrößerung

Virusnachweis mittels Zellkultur in 40-facher Vergrößerung.

 

Welche Bakterien haben wir auf Smartphones gefunden?

Erwartungsgemäß haben wir natürlich reichlich Bakterien auf den Handys gefunden. Etwa 2500 Bakterienkolonien haben wir in unseren Versuchsreihen ausgezählt. Einige dieser Kolonien, die uns suspekt vorkamen, haben wir näher untersucht. Dabei haben wir Keime gefundenen, die medizinisch von besonderer Bedeutung sind. Diese Keime sind entweder gegen Antibiotika multiresistente Varianten, die als Krankenhauskeime gefürchtet sind, oder sie können bei geschwächten Menschen schwere Infektionen auslösen. Diese Befunde haben bei uns ein ungutes Gefühl hinterlassen. Im Moment spricht die ganze Welt von der Corona-Pandemie. In Fachkreisen wird aber die zunehmende Entwicklung von Resistenzen insgesamt als noch größere medizinische Herausforderung gesehen, zumal die Entwicklung neuer antibiotischer Wirkstoffe der Bildung von Resistenzen deutlich hinterherhinkt. Eine regelmäßige Reinigung des Smartphones ist also auf jeden Fall zu empfehlen.

 

Halten sich Viren auf Glasoberflächen und können diese Viren uns infizieren?

Natürlich hat uns interessiert, ob sich das Covid-19-Virus auf dem Handy halten kann und wie man es dort wieder wegbekommt. Aber natürlich konnten und wollten wir nicht direkt mit diesem Virus arbeiten. Also haben wir uns ein ungefährliches Modellvirus gesucht. Das IPN-Virus kommt bei Fischen vor und ist für den Menschen ungefährlich. Wie SARS-CoV-2 ist es ein RNA-Virus mit einer Proteinhülle, so dass die Ergebnisse übertragbar sein sollten. Mit diesem Virus haben wir Glasflächen erst auf standardisierte Weise kontaminiert, dann mit verschiedenen Methoden (Reinigungstücher etc.) gereinigt und anschließend das Virus nachgewiesen.

 

Wie weist man Viren nach?

Wie bei SARS-CoV-2 ist auch hier ein PCR-Test das Mittel der Wahl, um Genmaterial des Virus zu finden. Der Test sagt uns, ob noch Viren oder Teile davon vorhanden sind. Der Test sagt uns aber nicht, ob die Viren noch infektiös sind – also ob wir davon krank werden können. Infektiöse Viren kann man an den Löchern erkennen, die sie in eine Zellkultur „fressen“. Wir brauchten also sowohl einen PCR-Test als auch die Zellkultur, um zwischen infektiösen und inaktivierten Viren zu unterscheiden.

 

Welche Reinigungsmethode ist die beste?

Alle von uns getesteten Reinigungsmethoden verringern sowohl die Bakterien als auch die aktive Virenlast auf der Oberfläche sehr deutlich (um 75% bis über 99%). Wichtig ist also zunächst, dass überhaupt gereinigt wird. Trockene Tücher bringen wie erwartet am wenigsten. Preiswerte, feuchte Brillenputztücher und Desinfektionsmitteltücher sind sehr effektiv. Bei der Anwendung von Brillenputztüchern ist uns aufgefallen, dass diese trocken werden können, dann ist die Wirkung weniger gut. Sonnenlicht und Geräte, die mit UV-C-Strahlung kombiniert mit Ozon arbeiten, funktionieren ebenfalls gut, allerdings muss man diese mindestens 45 Minuten anwenden, während bei Tüchern 5 bis 30 Sekunden ausreichen. Unsere Empfehlung: Smartphones auf jeden Fall regelmäßig reinigen. Wir verwenden selbst täglich Brillenputztücher – eine preiswerte, einfache und wirksame Methode. Wer Zeit, Geld und Geduld hat, kann auch ein gutes UV-C/Ozon-Gerät verwenden, hier ist der Markt aber in Bewegung. Die Geräte können eine gute Ergänzung sein, besonders, wenn sich Desinfizieren und Laden des Smartphones miteinander verbinden lassen.

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