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Biberach - Im Kreis Biberach wird nicht nur das Amt für Brand- und Katastrophenschutz von einer Frau geleitet: seit zwei Jahren ist Charlotte Ziller Kreisbrandmeisterin. Bereits seit sieben Jahren steht auch an der Spitze des Kreisgesundheitsamtes eine Frau. Nicht erst zu Pandemiezeiten eine anspruchsvolle Arbeit. Die promovierte Medizinerin Monika Spannenkrebs nahm sich trotz der aktuellen Höchstbelastung Zeit, die BLIX-Fragen schriftlich zu beantworten.

 

Frau Dr. Spannenkrebs, Sie arbeiten seit 2002 im Kreisgesundheitsamt und sind seit 2014 dessen Leiterin. Damals haben Sie wohl nicht erwartet, sechs Jahre später derart in den Fokus öffentlichen Interesses zu gelangen. Hätten Sie das Amt trotzdem angenommen?

Die Amtsleitung in einem Gesundheitsamt ist in dieser Situation natürlich eine Spitzenbelastung. Wahrscheinlich hätte mich das trotzdem nicht davon abgehalten, die Leitung zu übernehmen.

 

Sie schlossen 1987 Ihr Medizinstudium an der Uni Ulm ab, arbeiteten in Arztpraxen und an den Kreiskrankenhäusern Biberach und Laupheim. 2010 bis 2012 absolvierten Sie Amtsarztlehrgang und Master-Studium Public Health an der LMU München. Von August 2013 arbeiteten Sie im Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren in Stuttgart und wurden zur Regierungsmedizinaldirektorin ernannt. Im März 2014 kehrten Sie als stellvertretende Amtsleiterin an das Kreisgesundheitsamt zurück und wurden im selben Jahr Nachfolgerin von Amtsleiter Dr. Volker Baumann, der in den Ruhestand trat. Was reizte Sie am Gesundheitsamt?

Die Aufgaben im Bereich Öffentliche Gesundheit sind sehr vielseitig. Sie bieten viele Ansatzpunkte, aktiv dabei mitzuwirken, die Bedingungen für Gesundheit und Krankheit für die Menschen in einer Region positiv mitzugestalten. Letztendlich werden die großen Weichen für die Gesundheit der Menschheit durch Prävention sowie durch gesunde Lebensbedingungen gestellt. Dieser Perspektivwechsel hat mich gereizt.

 

Wie sieht ihr Arbeitstag derzeit aus?

Es besteht nach wie vor eine enorme Belastung mit einer sehr hohen Arbeitsdichte. Neben der fachlichen Leitung mit zahlreichen medizinischen Entscheidungen, die es zu treffen gilt, sind viele organisatorische Aufgaben zu bewältigen. Die sich beinahe täglich ändernden Vorgaben müssen in die Abläufe im Amt integriert werden und dabei ist der Dienstbetrieb an sieben Tagen in der Woche sicherzustellen. Außerdem hat das Gesundheitsamt derzeit dreimal so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie in den Zeiten vor der Pandemie, die alle wahrgenommen, wertgeschätzt, angeleitet und begleitet werden möchten. Hinzu kommen Stabsarbeit, Pressearbeit, Austausch mit den Landesebenen und Anfragen von medizinischen Fachpersonen sowie Bürgerinnen und Bürgern des Landkreises. Zum Glück ist das Gesundheitsamt ein sehr leistungsstarkes Team und hält gut zusammen. Die Kolleginnen und Kollegen schultern die Aufgaben mit mir zusammen. Und wir werden auch sehr gut vom gesamten Landratsamt unterstützt!

 

Kann man bei dieser Belastung einer Familie gerecht werden?

Als Leitung ist das momentan sehr schwierig. Meine Kinder sind zwar schon erwachsen und meine Eltern noch selbstständig, jedoch habe ich momentan kaum Zeit für die Familie, was über diese lange Zeit schon zunehmend problematisch ist. 

 

Wie viele Mitarbeitende hatten Sie vor der Pandemie, wie viele sind es derzeit? 

Das Gesundheitsamt hatte vor der Pandemie 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf 23 Vollzeitstellen. Derzeit sind es 114 Personen, die allerdings teilweise auch in Teilzeit beschäftigt sind. Darunter sind neue befristet eingestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, abgeordnete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Bereichen des Landratsamtes sowie aus anderen Behörden und, vorerst noch bis Mitte Februar, zehn Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr.

 

Das Kreisgesundheitsamt war ja auch vor der Pandemie nicht tatenlos. Welche der zahlreichen Aufgaben sind Ihnen besonders wichtig? 

Momentan sind wir im Gesundheitsamt natürlich schwerpunktmäßig mit der Bewältigung der Pandemie beschäftigt. Aber selbstverständlich läuft der Gesundheitsschutz der Bevölkerung mit dem allgemeinen Infektionsschutz, der Tuberkuloseüberwachung und der Trinkwasserüberwachung auch während der Pandemie weiter. Darüber hinaus warten nach der Pandemie natürlich auch viele Aufgaben auf uns, die wir momentan nicht mit voller Kraft vorantreiben können: Beispielsweise engagieren wir uns seit vielen Jahren in der Kinder- und Jugendgesundheit, vor allem in den Bereichen „Gesundes Aufwachsen“ und gute vorschulische Förderung. Außerdem haben wir eine Suchthilfeplanung mit der SRH Fernhochschule und in Kooperation mit allen relevanten Akteuren aus diesem Bereich erstellt, die weitergeführt werden muss. Weitere Schwerpunkte ergeben sich aus der Gesundheitskonferenz, deren Geschäftsstelle im Gesundheitsamt angesiedelt ist. Die Arbeit wird uns also nicht ausgehen… 

 

Mittlerweile sind über die Hälfte der Medizinstudierenden weiblich. Praktizieren Frauen anders als Männer?

Aus meiner Sicht gibt es hier keine Unterschiede, die sind eher interindividuell. 

 

Begegnen Sie in Ihrem Beruf und Ihrer Stellung Chauvinismus? Wenn ja eher von Mitarbeitern, die sich nichts von einer Frau sagen lassen wollen, oder von Vorgesetzten oder Klienten, die Frauen die Befähigung zu solch leitender Funktion absprechen?

Nein, das ist im Landratsamt sowohl bei den Vorgesetzten als auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern definitiv kein Thema. Es gab in meiner Zeit als Gesundheitsamtsleiterin den einen oder anderen Klienten, der vermutlich mit anderen Rollenbildern aufgewachsen ist und sich deshalb damit schwergetan hat. Aber das sind wirklich Einzelfälle.

 

Was halten Sie von Frauenquoten? Sind Sie eine Quotenfrau?

Ich persönlich halte nichts von Quoten, ich empfinde sie als aus der Zeit gefallen. Leistung, Bereitschaft und Befähigung sollten den Ausschlag geben. Die Frage, ob ich eine Quotenfrau bin, erstaunt mich. Persönlich gehe ich davon aus, dass ich keine Quotenfrau bin, sondern dass meine Leistung gesehen wird.

 

Was würde ein Mann an Ihrer Stelle spezifisch männlich anders machen?

Aus meiner Sicht nichts. Ob ein Mann die Frage gleich beantwortet, wäre jedoch interessant!

 

Fasnet fiel aus, aber wie sehen Sie die Perspektive für all die anstehenden Volksfeste?                                                                                                                         

Wenn es das Infektionsgeschehen zulässt, könnte ich mir vorstellen, dass abgespeckte, strukturierte Formate mit Hygienekonzept möglich sind. Volksfeste wie vor Corona kann ich mir in diesem Jahr nicht vorstellen. 

 

Wie sehr sind Sie der Kritik von Bürgern und Kommunalpolitikern ausgesetzt? 

Viele Kritikpunkte beruhen auf Unkenntnis unserer Arbeit, der fachlichen und rechtlichen Zusammenhänge oder der tatsächlichen Situation im Gesundheitsamt. Oftmals kann den kritischen Anmerkungen durch entsprechende Erläuterungen begegnet werden. Allerdings gibt es auch eine Gruppe von Personen, die grundsätzliche Probleme mit der Pandemie und den Maßnahmen hat und die dann darauf abzielt mit zahlreichen, teilweise absurden Fragen das Gesundheitsamt zu beschäftigen. Aber es gibt auch Zuspruch. Vor Weihnachten haben wir das insbesondere durch einige sehr freundliche Gesten erlebt: Bürgerinnen und Bürger haben für das Gesundheitsamt gebacken, wir bekamen für die Wochenenddienste Schokolade und Leberkäswecken. Das tut besonders gut. 

 

Mit welchen Folgeproblemen der Coronamaßnahmen (z.B. Homeschooling, Verwahrlosung und häusliche Gewalt) hat das Gesundheitsamt zu kämpfen?          

Das müssen wir abwarten. Wir stellen uns darauf ein, einen Schwerpunkt im Bereich Kinder-und Jugendgesundheit zu setzen, wenn wir dafür wieder Kapazitäten haben. 

 

Wie läuft es bei der Impfung? 

Seit Anfang Januar wird in den Alten- und  Pflegeheimen im Landkreis Biberach über mobile Impfteams geimpft. Wir gehen davon aus, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der vollstätionären Pflegeeinrichtungen bis Ende Februar die erste Impfung und bis Mitte/Ende März auch die zweite Impfung erhalten haben. Im Kreisimpfzentrum in Ummendorf werden seit dem 22. Januar 2021 wöchentlich 500 Personen geimpft. Zusätzlich werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sana Klinik und des Rettungsdienstes geimpft. Wir würden gerne und könnten, bei entsprechender Verfügbarkeit des Impfstoffes, deutlich mehr Personen impfen. Allerdings sind uns aufgrund der Impfstoffknappheit momentan die Hände gebunden.

 

Autorin: Andrea Reck

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